Kranzniederlegung zum Gedenken der NS-Opfer in Buchenwald
Gedenken mit Kranzniederlegung am Freitagnachmittag. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Gedenken an NS-Opfer Gedenkstätte Buchenwald verteidigt Ausschluss von AfD-Politikern

In der Gedenkstätte Buchenwald erinnerte Thüringen am Freitag der Opfer des Nationalsozialismus. Zuvor beklagte der Historiker Götz Aly im Landtag eine Tendenz zur Beschönigung. Die AfD griff Alys Gedenkrede scharf an.

Kranzniederlegung zum Gedenken der NS-Opfer in Buchenwald
Gedenken mit Kranzniederlegung am Freitagnachmittag. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Mit einer Kranzniederlegung haben Vertreter der Landesregierung, des Landtags und anderer gesellschaftlicher Gruppen am Freitag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der Sprecher der Stiftung Buchenwald und Mittelbau-Dora, Rikola-Gunnar Lüttgenau, sagte in einer kurzen Ansprache, "wir trauern hier mit den Überlebenden, nicht mit denen, die versuchen, die Erinnerung zu verwischen". Er spielte damit auf die Thüringer AfD-Landtagsabgeordneten an. Die Gedenkstättenstiftung hatte zuvor mitgeteilt, dass bei Gedenkfeiern in Buchenwald und in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen Politiker der AfD nicht erwünscht sind.

Lüttgenau sagte, die gesamte Fraktion toleriere und akzeptiere die Positionen ihres Chefs Björn Höcke. Dieser habe aber das Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors als dämliche Bewältigungspolitik bezeichnet. Auch der Ehrenpräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora, Bertrand Herz, habe erklärt, er wolle am Ort seines Martyriums nicht mit den Verharmlosern der Geschichte feiern.

Historiker sieht Parallelen zwischen NS-Ideologie und Höcke-Äußerungen

Der Historiker Götz Aly spricht in einer Gedenkstunde im Thüringer Landtag.
Der Historiker Götz Aly bei seiner Rede im Thüringer Landtag. Bildrechte: dpa

Zuvor gab es eine Gedenkstunde im Thüringer Landtag. Der Historiker Götz Aly warnte in seiner Rede vor einem verzerrten Blick in die Vergangenheit. Aly sagte, es bestehe die Gefahr, dass in vielen deutschen Familien die Beteiligung der eigenen Vorfahren an den nationalsozialistischen Gräueltaten beschönigt werde. Der Historiker zählt durch zahlreiche Werke zum Holocaust zu den bekanntesten deutschen NS-Forschern. Die komplette Rede von Götz Aly sehen Sie hier.

Aly erinnerte daran, dass das NS-Regime auch von Teilen der kulturellen und intellektuellen Elite des Landes mitgetragen wurde. Selbst Menschen, die aus sozialistischen Elternhäusern stammten, seien im Laufe des Krieges von der NS-Ideologie durchdrungen worden. Auch diese Menschen seien Teil Deutschlands und der deutschen Geschichte. Das dürfe nicht vergessen werden.

Aly machte zudem auf seiner Ansicht nach zu Tage tretende Parallelen zwischen der NS-Ideologie und Äußerungen von Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke aufmerksam. Aus dem nationalen Sozialismus und der Volksgemeinschaft werde bei Höcke der solidarische Patriotismus. Höcke war bei Alys Rede im Landtag anwesend. Er und andere AfD-Landtagsabgeordnete blieben sitzen, als die anderen Gäste der Gedenkstunde die Rede Alys stehend beklatschten. Die komplette Rede von Götz Aly sehen Sie hier.

AfD greift Rede von Historiker an

Scharfe Kritik an der Rede von Aly übte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Stefan Möller. Die Chance zur Versöhnung sei von Götz Aly mit den Füßen getreten worden, so Möller. "Die heutige Gedenkstunde im Thüringer Landtag wird man aufgrund der Rede von Götz Aly rückblickend als Musterbeispiel politischer Instrumentalisierung der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wahrnehmen, die nichts mehr mit aufrichtigem Gedenken zu tun hat."

Weiter sagte Möller: "Aus Götz Aly sprachen heute Hass und Verachtung - nicht nur auf das eigene Volk, das in seinen kruden Vorstellungen zum Urheber der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mutiert, sondern auch auf alle, welche die Asyl- und Zuwanderungspolitik der etablierten Parteien nicht mittragen, insbesondere natürlich die AfD und einige von ihm namentlich angegriffene Abgeordnete."

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte im Landtag, der Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zu gedenken, gehöre zu den moralischen Pflichten unserer freiheitlichen Gesellschaft. Die Erkenntnis, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei, sondern erkämpft, verteidigt und fortentwickelt werden müsse, sollte Leitfaden für das Handeln von Politik und Zivilgesellschaft sein, sagte Ramelow. Das Bekenntnis zur Demokratie habe seine Entsprechung in der entschiedenen Absage an jede Form des Geschichtsrevisionismus, des Rassismus und der Diskriminierung von Minderheiten.

Diezel: "Wir verurteilen jede Form des Antisemitismus"

Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) sagte: "Wir verurteilen jede Form des Antisemitismus und werden als demokratische Gesellschaft jedem entgegentreten, der daran Zweifel aufkommen lässt". Das ergebe sich aus den Grundsätzen der Humanität, die im Grundgesetz und der Thüringer Verfassung des Freistaats verankert seien - "ganz besonders aber auch aus unserer historischen Verantwortung". Es könne und werde keinen Schlussstrich unter die Erinnerung an sechs Millionen Opfer des Holocaust geben, so die CDU-Politikerin. Diezel, Ramelow und Aly waren an diesem Tag die einzigen Redner im Landtag.

Anlass der Veranstaltungen ist der Internationale Holocaust-Gedenktag am Sonntag. Buchenwald gehörte zu den größten Konzentrationslagern auf deutschem Boden. Zwischen 1937 und 1945 wurden in dem Lager und in seinen 139 Außenlagern etwa 250.000 Menschen aus ganz Europa interniert, von denen schätzungsweise 56.000 starben. Teile des Lagers wurden nach dem Krieg bis 1959 von der sowjetischen Besatzungsmacht als sogenanntes Speziallager genutzt, in dem etwa 7.000 Menschen starben. 1958 wurde dann die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet.

Zum Gedenktag Anlass der Veranstaltungen in der Gedenkstätte Buchenwald und im Landtag ist der Internationale Holocaust-Gedenktag am Sonntag. Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. An diesem Tag war 1945 das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden. Die Vereinten Nationen riefen 2005 den 27. Januar als Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust aus. Seit 2006 wird er weltweit begangen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/epd/afp

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 12:23 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

63 Kommentare

27.01.2019 20:47 Realist 63

[MDR THÜRINGEN: Der Kommentar wurde aufgrund einer ungültigen E-Mail Adresse gelöscht.]

27.01.2019 16:39 part 62

Deshalb wehret neuen Polizeigesetzen und den Wölfen, die nicht mal mehr Kreide fressen, denn sie sind nur eine Vorstufe zu noch mehr und Geschichte wiederholt sich...

Mehr aus Thüringen

Ein Kind isst Eis. 1 min
Bildrechte: IMAGO
Ausgegrabenes Skelett 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein  Mann in einem roten Oldtimer der Marke BMW 1 min
Bildrechte: MDR Thüringen