Seniorin zählt Kleingeld im Portemonnaie.
92.000 Frauen und 38.000 Männer könnten mit einer Grundrente bis zu mehrere Hundert Euro mehr pro Monat in der Tasche haben. Bildrechte: imago/Joko

Mehr Geld für Rentner Gewerkschaft: SPD-Grundrente bedeutet mehr Geld für 130.000 Thüringer

In Thüringen würden rund 130.000 Menschen von einer Grundrente, wie sie die SPD plant, profitieren. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Eine Grundrente käme vor allem bestimmten Branchen zugute.

Seniorin zählt Kleingeld im Portemonnaie.
92.000 Frauen und 38.000 Männer könnten mit einer Grundrente bis zu mehrere Hundert Euro mehr pro Monat in der Tasche haben. Bildrechte: imago/Joko

Eine Grundrente, wie sie die Bundes-SPD plant, würde die Bezüge von etwa 130.000 Thüringer Rentnern aufbessern. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Dabei beruft sich die NGG auf Berechnungen des Pestel-Instituts in Hannover, die die Gewerkschaft dort in Auftrag gegeben hatte. Einige Branchen würden demnach ganz besonders von der Grundrente profitieren: vor allem Beschäftigte im Hotelgewerbe, in der Gastronomie und im Bäckerhandwerk. Auch für viele Rentnerinnen würde eine solche Grundrente ihr monatliches Budget deutlich anheben. Die NGG spricht dabei von 92.000 Frauen und 38.000 Männern.

Plus von bis zu mehreren Hundert Euro im Monat

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales
Bundesarbeitsminister Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant Zuschläge für Geringverdiener. Bildrechte: dpa

Die Grundrenten-Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sehen Zuschläge für Geringverdiener vor, die mindestens 35 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Wer derzeit eine Rente von weniger als 896 Euro im Monat erhält, könnte dann bis zu mehrere Hundert Euro mehr pro Monat bekommen. Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Ende 2017 in Thüringen 37.000 Menschen eine Rente von weniger als 600 Euro. Der Frauenanteil bei diesen Mini-Renten lag bei 68 Prozent. Das Bundesarbeitsministerium geht bei der Grundrente von Kosten im "einstelligen Milliardenbereich" aus.

Für Uwe Ledwig, Chef des NGG-Landesbezirks Ost, ist die Grundrente ein guter Vorschlag, um Altersarmut zu vermeiden. Wer langjährig gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt habe, so Ledwig, müsse mehr haben als die bloße Grundsicherung. Dabei spricht er sich gegen eine sogenannte Bedürftigkeitsprüfung aus. Sie klärt, inwieweit jemand über eigene Mittel verfügt, um sein Existenzminimum zu sichern. "Wer sie fordert, trifft die Falschen, weil es in den allermeisten Fällen um Haushalte mit kleinen Einkommen geht", erklärte Ledwig.

Streit in Berlin um Bedürftigkeitsprüfung

Die Bedürftigkeitsprüfung erwies sich zuletzt als Knackpunkt bei Koalitionsverhandlungen in Berlin. Denn die Union besteht auf die Prüfung, die SPD wiederum lehnt sie ab. So erklärte der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, das Prinzip der Bedürftigkeitsprüfung für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Grundrente sei richtig. Arbeitsminister Hubertus Heil von der SPD argumentierte dagegen, die Rentenversicherung sehe eine Vermögensprüfung nicht vor - darum plane er auch keine. Bisher konnten sich die Parteien nicht einigen. In fünf Wochen wollen die Koalitionspartner sich zu einer neuen Sitzung treffen. Die Gewerkschaft NGG fordert die große Koalition nun auf, bei dem Thema Ernst zu machen.

Reaktionen der Thüringer Landesregierung

In Thüringen stoßen die Grundrenten-Pläne der SPD auf geteilte Reaktionen. CDU und SPD begrüßten die Pläne, Grüne und Linke dagegen fordern Nachbesserungen. Laut der Landeschefin der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, fordert die Linke eine Mindestsicherung von 1.050 Euro. Doch Heils Vorschläge blieben leider darunter, so Hennig-Wellsow. Für Grünen-Landtags-Fraktionschef Dirk Adams ist zudem offen, wie die SPD die Grundrente genau finanzieren will.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 12:42 Uhr

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20 Kommentare

22.02.2019 03:22 Protestwähler 20

Schön wäre es für alle Armutsrentner. Hier muss man leider erst abwarten und Tee trinken. Vielleicht trifft die Angelegenheit erst in 100 Jahren zu. Für mich ist dies vorab nur eine reine Wahl-Propaganda durch die SPD und ihren Gewerkschaftsbossen.
§ 1 zuerst werden die Diätenerhöhungen für unser Politiker, Gewerkschaftsbosse und Beamten erhöht
§ 2 sollten jedoch Probleme auftreten tritt automatisch wieder der §1 in Kraft
900 Euro als Grundrente erscheint mir in der heutigen Zeit mit den ständig steigenden Nebenkosten als zu niedrig. Hier müssen 1.500 Euro auf alle Fälle gezahlt werden, wobei unsere Politiker, Beamten, Gewerkschaftsfunktionäre usw. mehrere Euros an der Grundversorgung im Alter überschreiten, ohne je in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Die Rentenhöhe muss bei 2.500 Euro für Diejenigen enden oder gar keine Rente, so wie es derzeitig Gesetzmäßig im bunten Bundesland gehandhabt wird.

21.02.2019 21:57 Wo ist das Lobbyregister? 19

@21.02.2019 18:24 Werner

(Gewerkschaften sind in, und für eine Demokratie notwendig und wichtig. Insbesondere für ihre Basis, ihr Klientel aus abhängig Beschäftigten. Eine Gewerkschaft "DGB", die mit dem Kanzleramt einen "Deal" hatte, zur BT-Wahl 2017 das Thema Rente NICHT anzusprechen, hat sich mit DIESEM Führungspersonal selbst überflüssig gemacht, und politisch abgeschossen - ein Messer im Rücken aller Wähler.)

Korrekt. Der Verrat an den eigenen Leuten und sein völlig skrupelloses Ausmaß steht dem der Schröderlinge in nichts nach. Während die "Facharbeiter" bei VW von "Gerechtigkeit" jammern lassen, herrscht in der Pflege, vielen Dienstleistunggewerken, Zulieferern, bei Kleinbetrieben und Scheinselbstständigen der blanke Manchester-Kapitalismus - Death of a Salesman auf Merkeldeutsch. Wir brauchen neue Gewerkschaften ohne auch nur einen einzigen SPD-nahen Agenda-Komplizen.

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