Gesundheitskarte
Frau in Behandlung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bilanz Gesundheitskarte für Flüchtlinge für gut befunden

Weniger Bürokratie - mehr Eigenverantwortung: Das war die Idee hinter der Gesundheitskarte für Flüchtlinge. Kassenärztliche Vereinigung und Land ziehen nun ein positives Fazit, der Flüchtlingsrat fordert Nachbesserung.

Gesundheitskarte
Frau in Behandlung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Jahr nach Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Flüchtlinge fällt die Bilanz überwiegend positiv aus. Ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen sagte MDR THÜRINGEN, nach anfänglichen Startschwierigkeiten klappe das System mittlerweile gut. Das läge unter anderem am Engagement vieler Ärzte. "Einen Vorteil bringt die Karte vor allem für Karteninhaber und Kommunalbehörden, weil das umständliche Verfahren mit den Behandlungsscheinen entfällt." Die Ärzte könnten Leistungen für Geflüchtete jetzt gemeinsam mit den Leistungen für gesetzliche Versicherte abrechnen, sagte der Sprecher weiter.

Flüchtlingsrat bemängelt Ungleichbehandlung

Der Thüringer Flüchtlingsrat zieht ein gemischtes Fazit. Sprecher Martin Arnold sagte dem MDR, mit der Einführung der Gesundheitskarte müssten nur noch sehr wenige medizinische Leistungen vom Sozialamt genehmigt werden. Die Karte habe den Zugang von Patienten zur medizinischen Behandlung wesentlich erleichtert und beschleunigt. Allerdings steckten hinter der Karte noch nicht die gleichen Leistungen wie für gesetzlich Versicherte. "Das führt in der Praxis leider noch immer dazu, dass in einigen Fällen unter anderem erforderliche Zahnbehandlungen vom Sozialamt abgelehnt werden", so Martin Arnold. Auch sei die Übernahme von Dolmetscherkosten noch immer unklar. Hier gebe es Nachbesserungsbedarf, denn gute Kommunikation sei beim Arztbesuch oder in Notfällen unerlässlich.

Justizminister Lauinger bei Sondersitzung
Migrationsminister Dieter Lauinger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Sprecher des Thüringer Migrationsministeriums sagte dem MDR, im Jahr 2017 seien nach vorläufigem Abschluss 5,73 Millionen Euro für die Gesundheitskarte ausgegeben worden. Für die kommenden beiden Jahre seien jeweils 4,98 Millionen Euro eingeplant. Insgesamt habe sich das System der Gesundheitskarte bewährt.

Die Gesundheitskosten für Flüchtlinge werden wie bisher über das Asylbewerberleistungsgesetz finanziert. Thüringen hatte die elektronische Gesundheitskarte Anfang 2017 eingeführt. Zuvor mussten Flüchtlinge sich im Krankheitsfall einen Arztbesuch vom Sozialamt genehmigen lassen. Immer wieder hatten Kritiker das System als zu bürokratisch kritisiert. Hilfsorganisationen beklagten, dass in den Verwaltungen Nicht-Mediziner über die Notwendigkeit von medizinischen Behandlungen entscheiden müssten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Januar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2018, 05:00 Uhr

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22 Kommentare

27.01.2018 14:39 Petra Stein 22

@Bernd L., 18
Ich wage zu behaupten, dass die Kritiker/innen des Systems eher diejenigen sind, die selbst von "Stütze" leben.
Ich dagegen zahle sehr viel ein, bin zufrieden, wundere mich aber über die Unlogik der "Patrioten": Einerseits haben sie irrationale Ängste vor "Seuchen", die die Immigranten angeblich mitbringen, andererseits verdammen sie eine halbwegs anständige und gut organisierte Gesundheitsversorgung (und hoffentlich auch -vorsorge) derselben.
Die ganzen Jammerer hier sollten einfach nur froh sein, wenn sich Geflüchtete gegen Grippe und anderes impfen lassen. Aber so weit denken sie ja leider nicht.
Das System ist soweit gut. Wo es nicht gut ist - z.B. bei Selbstständigen - ist das eine andere Baustelle.
@McNelly Da sollten Sie selbst aktiv werden statt rumzujammen. Das kommt auch nicht von der Linken, sondern von der Vorgängerregierung. Die AfD wird Ihnen da auch nicht helfen, wenden Sie sich an das Gesundheitsministerium, machen Sie Demos, organisieren Sie sich.

27.01.2018 11:37 Jo 21

Da kommen die ganzen neidhammel aus den höhlen gekrochen.

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