Antigen-Schnelltest Thüringer Gesundheitsministerium rät von Corona-Selbsttests ab

Es klingt ganz einfach: vor dem Weihnachtsbesuch bei den Eltern oder Großeltern einen Corona-Schnelltest gemacht und schon nach 15 Minuten besteht Gewissheit darüber, ob sie angesteckt werden könnten. Aber so einfach ist das nicht. Laut Gesundheitsministerium kann ein Laie beim Selbsttest viel falsch machen.

Eine Frau hält einen Antigen-Schnelltest zum COVID-19-Antikörper-Nachweis von Roche in den Händen.
Bei Antigen-Schnelltests liegt schnell ein Ergebnis vor. Sie gelten aber als nicht so zuverlässig wie PCR-Tests. Bildrechte: Christoph Keil

Das Thüringer Gesundheitsministerium rät vor Corona-Selbsttests ab. Wie das Ministerium MDR THÜRINGEN am Donnerstag mitteilte, bergen die sogenannten Antigen-Schnelltests zahlreiche Risiken und dürfen nur von medizinischem Fachpersonal angewendet werden. Ausnahmen gelten ab Freitag für Lehrer, die sich nach vorheriger Schulung selbst testen dürfen.

Laien könnten demnach viel falsch machen. Zum Beispiel muss das Abstrich-Stäbchen tief in den Rachenraum eingeführt werden, um ein einigermaßen sicheres Ergebnis zu bekommen.

Das sehen aber nicht alle Virologen so. Laut Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kann jeder den Rachenabstrich selber machen. Das sei so einfach wie Gurgeln oder Zähneputzen.

Problem der Nachweis-Sicherheit

Ein generelles Problem der Antigen-Tests ist die Nachweis-Sicherheit. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) verläuft eine Corona-Infektion in drei Phasen. Zunächst kann schon jemand infiziert sein, ohne eine große Anzahl von Viren zu produzieren. In Stufe zwei ist man hochinfektiös, zeigt aber weiterhin keine Krankheitssymptome. In Stufe drei kann es dann zum Ausbruch der Krankheit kommen, man bildet aber kaum noch Viren.

Antigen-Corona-Schnelltests können eine Covid-2-Erkrankung nur in Stufe zwei nachweisen. Das kann jedoch immerhin Aufschluss darüber geben, ob der Infizierte möglicherweise ein "Superspreader" ist und sich von anderen Menschen fern halten sollte. Wirklich sicher sind laut RKI nur die sogenannten PCR-Tests, die in Laboren ausgewertet werden.

Antigen-Test nur für medizinisches Fachpersonal

Anbieter von Antigen-Corona-Schnelltests schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Die meisten kommen aus China, aber es gibt auch drei Anbieter in Thüringen: Abbott Rappid Diagnostics Germany GmbH in Jena und die Devidia GmbH mit Sitz in Weimar. Geratherm in Geschwenda vertreibt den Test eines kanadischen Anbieters. Antigen-Corona-Schnelltests sind nicht in Apotheken erhältlich, jedoch gibt es mittlerweile diverse Internet-Anbieter, bei denen solche Tests online bestellt werden können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Dezember 2020 | 16:00 Uhr

6 Kommentare

Querdenker vor 7 Wochen

Wenn man den Rachenabstrich selbst macht, dann hat man die Möglichkeit, diesen besonders gut durchzuführen. Schon allein weil man nicht unter Zeitdruck ist und weil man fühlt, ob der Tupfer den Rachen erreicht.

Die obere Preisgrenze für die Beschaffung von einem Schnelltest beträgt etwa 7 Euro (siehe "kbv media PraxisInfo Testung Coronavirus"). Ein Schnelltest kann eine lukrative Einnahmequelle sein.

Die Ärzteschaft hat im Durchschnitt nicht wenig Geld verloren durch Corona.

siehe „aerzteblatt Ärzteschaft Privatärztliche Leistungen: Massive Honorareinbrüche durch Coronapandemie“

lobo56 vor 7 Wochen

Ab 19.12.- 06.01.21 Kindereinrichtungen schließen und Regeln einhalten.
Dann gingen auch die Infektionen runter.
Bisher agieren Frau Werner und Herr Holter einfach nur nach dem Motto:
dusch mich aber mach mich nicht nass.
Kopf in den Sand und durch, scheint die Devise. Die Realität ist, dass die Zahlen weiter steigen und uns die viel härteren Monate noch bevorstehen, sollten die Infektionen nicht massiv nach unten gedrückt werden.

Querdenker vor 7 Wochen

Staatsversagen! Diese Corona-Schnelltest gibt es seit etwa März 2020 auf der Welt. Die Regierungsparteien haben es versäumt genug davon zu besorgen.

Nun ist es natürlich nicht sinnvoll das magere Angebot auch an „Unfähige“ zu verschwenden, die diesen Rachenabstrich nicht sorgsam genug vornehmen. Wahr ist natürlich, dass man etwas Übung benötigt. Aber es gibt viele *Übungsvideos.

Ein Schnelltest ist im Prinzip eine Momentaufnahme und sinnvoll, wenn man - kurz - danach z.B. eine Risikogruppe besuchen möchte.

Die Inkubationszeit beträgt bei Corona 3 bis 14 Tage. Im Durchschnitt etwa 5 bis 6 Tage. Das ist auch für die „Selbstquarantäne“ eine wichtige Information.

siehe „imd-berlin spezielle kompetenzen covid-19“ (Grafik)

Wenn die Viruslast für den Schnelltest noch nicht ausreicht in der Inkubationsphase, dann zeigt er es - noch - nicht an. Ein Tag später kann das schon anders sein.

*siehe „youtube Ein didaktisches Lehrvideo der Universitätsmedizin Essen zum Nasen-Rachen-Abstrich.“

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