Gewitterfront am Wochenende Unwetter zieht über Thüringen: Überflutungen richten Schäden an

Unwetterartige Regenfälle und Gewitter sind in der Nacht zu Sonntag über Thüringen hinweggezogen. Polizei und Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Schäden gab es in allen Landesteilen. Im Norden sind einige Straßen noch immer unpassierbar.

Ein Mann läuft im Regen auf einer überfluteten Straße
Land unter in Felchta: Unwetter haben in Thüringen vielerorts Schäden angerichtet. Bildrechte: MDR/Bernd März

Unwetterartige Regenfälle und Gewitter haben in der Nacht zu Sonntag in Thüringen für zahlreiche Rettungseinsätze gesorgt. So gingen überdurchschnittlich viele Notrufe bei Polizei und Feuerwehr ein, wie Sprecher sagten. Dutzende wetterbedingte Einsätze meldete die Landeseinsatzzentrale am Morgen. Dabei ging es vor allem um überschwemmte Straßen, umgestürzte Bäume und Lichtmasten sowie vollgelaufene Keller.

Region Mühlhausen vom Unwetter besonders getroffen

Im Raum Mühlhausen hat das Unwetter heftige Spuren hinterlassen. Wie Kreisbrandinspektor Florian Krieg MDR THÜRINGEN sagte, waren das gesamte Stadtgebiet von Mühlhausen, die Ortsteile Höngeda und Felchta sowie Oberdorla besonders stark betroffen. Innerhalb weniger Stunden wurden Straßen und Gärten überflutet, Keller liefen voll. Die B247 zwischen Höngeda und Mühlhausen ist unpassierbar, ebenso die Straße zwischen Mühlhausen und Felchta. In Felchta wurde ein Fußweg komplett weggerissen. 200 Feuerwehrleute sind seit Samstagabend im Dauereinsatz, als Verstärkung wurden der städtische Bauhof und der Gewässerverband Obere Unstrut/Notter hinzugezogen.

Schäden Unwetter führt zu Überflutungen in Thüringen

Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
Das Unwetter traf den Thüringer Ort Felchta besonders hart. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
Das Unwetter traf den Thüringer Ort Felchta besonders hart. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
In dem Mühlhäuser Ortsteil wurden Schlammmassen in mehrere Gebäude gespült. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
Auch ein Fußweg wurde unterspült und teilweise weggerissen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
Felchta stand in der Nacht regelrecht unter Wasser, am Tag danach blieb an vielen Stellen Schlamm zurück. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
20 Keller wurden in Felchta geflutet. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Nach einem Unwetter verteilten sich Schlammmassen im Ort Felchta.
Am Sonntag machten sich zahlreiche Einwohner an die Aufräumarbeiten. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Zwei große Hagelkörner auf einer Handfläche
Große Hagelkörner fielen in Westthüringen vom Himmel. Bildrechte: News5
Zwei Menschen mit Besen auf einer überfluteten Straße
Viel Wasser auch in Weißenborn-Lüderode im Eichsfeld Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Feuerwehreinsatz unter einem Kirchturm
In Themar beschädigten dicke Hagelkörner unter anderem ein Kirchendach. Bildrechte: News5
Ein Mann läuft im Regen auf einer überfluteten Straße
Land unter in der Nacht in Felchta Bildrechte: MDR/Bernd März
Ein unter Wasser stehendes Treppenhaus
Menschenhoch stand in manchen Kellern das Wasser - wie hier in Felchta. Bildrechte: MDR/Bernd März
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Wegen der vielen Schäden konzentrierten sich die Helfer zunächst auf besonders wichtige Punkte, heißt es aus der Stadtverwaltung. Nicht jeder vollgelaufene Keller könne unverzüglich leergepumpt werden. Weil weitere Regenfälle angekündigt sind, wollen Feuerwehrleute und Helfer an den gefährdeten Stellen Sandsäcke auslegen. Oberbürgermeister Johannes Bruns dankte allen Helfern. Die Stadt sei von einem "dramatischen Unwetter" getroffen worden, sie leisteten Gewaltiges, um die Schäden zu beseitigen.

Mühlhausen: Auto-Insassen stecken fest - Kälber verirren sich

Polizisten retteten am Abend eine Familie in Mühlhausen aus einer misslichen Situation. Ein Autofahrer hatte an einer überfluteten Bahnunterführung die Situation falsch eingeschätzt. Der Wagen blieb im Hochwasser stecken. Frau und Tochter waren mit im Auto, die Tochter erlitt eine Panikattacke. Bereitschaftspolizisten befreiten Mutter und Tochter aus dem Fahrzeug, das bereits mit Wasser vollzulaufen drohte. Der Vater hatte den Wagen zuvor verlassen, um Hilfe zu holen. Verletzt wurde niemand.

Gerettet wurden auch drei Kälber, die sich auf der Flucht vor dem Hochwasser in die Mühlhäuser Innenstadt verirrt hatten. In der Johannisstraße konnten die Tiere gestoppt und auf ein umzäuntes Grundstück geleitet werden. Feuerwehr und Tierrettung kümmerten sich um die verängstigten Kälber.

Eichsfeld: Kita unter Wasser

Auch im Eichsfeld kam es zu Überschwemmungen: Nach stundenlangem Dauerregen stand in der Nacht zu Sonntag der Kindergarten "Bummi" in Dingelstädt unter Wasser. Wie Stadtbrandmeister Ansgar Nolte sagte, waren Feuerwehr und Erzieherinnen gemeinsam im Einsatz und legten die Kita wieder trocken. Außerdem mussten sich die Retter um umgestürzte Bäume, Verkehrsunfälle und überflutete Keller kümmern.

In Holungen standen weite Flächen unter Wasser. In Weißenborn-Lüderode im Eichsfeld schwoll der Bach "Eller" zu einem reißenden Fluss an. Zwischen Gerbershausen und Fretterode im Eichsfeld musste am Abend eine überspülte Straße gesperrt werden.

Zwei Menschen mit Besen auf einer überfluteten Straße
Weißenborn-Lüderode im Eichsfeld Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Überflutungen in Ostthüringen

In der Region Greiz gab es innerhalb einer Stunde 25 Liter Regen pro Quadratmeter. In Pößneck (Saale-Orla-Kreis) wurde die Feuerwehr zu einer Schule gerufen, weil Wasser ins Gebäude drang.

Hagelschäden in Süd- und Westthüringen

Unpassierbare Straßen gab es auch bei Themar im Landkreis Hildburghausen und in Waltershausen im Landkreis Gotha. In Themar fielen dicke Hagelkörner vom Himmel und beschädigten unter anderem ein Kirchendach. Ein Supermarkt stand unter Wasser.

Zwei große Hagelkörner auf einer Handfläche
Riesige Hagelkörner kamen in Westthüringen runter. Bildrechte: News5

Deichbruch drohte in Thal

In Eisenach und Waltershausen kamen die Kanäle an ihre Grenzen, dort drückten die Wassermassen Gullideckel nach oben. Die Rettungsleitstelle im Wartburgkreis meldete schon am späten Abend fast 90 Einsätze. In Thal konnten Feuerwehrleute verhindern, dass ein Deich an einem Stausee brach.

In Wutha-Farnroda gab es umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller und überspülte Straßen. Im Einsatz waren neben der Feuerwehr auch Mitarbeiter vom Bauhof der Gemeinde und vom Deutschen Roten Kreuz. Auch in Bad Liebenstein standen Straßen und Keller unter Wasser.

Unwetter am bisher wärmsten Tag

Im Gebiet zwischen Eisenach und Leinefelde seien in der Nacht zu Sonntag punktuell mehr als 100 Liter pro Quadratmeter niedergegangen, sagte Meteorologe Peter Zedler vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Insgesamt habe es im Freistaat flächendeckend geregnet, nur im Werratal im Süden sei es relativ trocken geblieben. Zuvor waren bis auf die Bergkuppen am Samstag vielerorts Temperaturen von 27 Grad und mehr gemessen worden. Am heißesten war es laut Zedler in Artern mit fast 33 Grad. "Das ist bisher Rekord in diesem Jahr."

Der Deutsche Wetterdienst kündigte für Sonntag und die Nacht weitere Gewitter und starke Regenfälle an.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs,maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Juni 2020 | 08:00 Uhr

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