Bundesweite Studie Thüringer zahlen relativ geringe Grundsteuern

Thüringen gehört einer Studie zufolge zu den Bundesländern, deren Einwohner vergleichsweise wenig Grundsteuer bezahlen müssen. Wie aus einer am Dienstag veröffentlichen Analyse der Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervorgeht, hat jeder Thüringer im vergangenen Jahr statistisch 109 Euro Grundsteuer an seine Kommune gezahlt. Nur in Sachsen-Anhalt (107 Euro) und Brandenburg (106 Euro) war die durchschnittliche Pro-Kopf-Belastung geringer. Betrachtet wurde die Grundsteuer B für bebaute und bebaubare Grundstücke. Sie ist von Haus- und Grundstückseigentümern zu entrichten. Besitzer von Mietshäusern legen sie in der Regel über die Betriebskosten auf die Mieter um.

Grundsteuer-Hebesätze in Thüringen relativ hoch

Haus auf Geldscheinen und Taschenrechner mit dem Schriftzug Grundsteuer
Fast 40 Prozent der Thüringer Kommunen haben laut einer Studie den Hebensatz für die Grundsteuer B zwischen 2013 und 2018 erhöht. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Für die Kommunen ist die Grundsteuer eine wichtige Einnahmequelle. Ihre Höhe ist abhängig vom Wohnort, der Grundstücksgröße und der Bebauung darauf. Die Kommunen legen sogenannte Hebesätze fest, die von Ort zu Ort variieren. In Thüringen haben zwischen 2013 und 2018 fast 40 Prozent der Kommunen diesen Satz erhöht, so die Analyse. Im Thüringer Durchschnitt beträgt der Hebesatz 395 Prozent. Das ist ein relativ hoher Wert, denn der Bundesdurchschnitt liegt bei 378 Prozent. Der Studie zufolge liegt Thüringen damit an fünfter Stelle im bundesweiten Vergleich. Umgekehrt ist es bei den Einnahmen, die die Thüringer Kommunen letztlich mit der Grundsteuer erzielten. Insgesamt 246 Millionen Euro im vergangenen Jahr nahmen die Städte und Gemeinden mit der Grundsteuer B in Thüringen ein. Innerhalb Thüringens sind die Hebesätze unterschiedlich hoch.

Gera hat höchsten Grundsteuersatz in Thüringen

Unter den Thüringer Kommunen erhebt die Stadt Gera mit den höchsten Grundsteuersatz. So liegt der Hebesatz für die Grundsteuer B für bebaute und bebaubare Grundstücke mit 600 Prozent deutlich über dem Thüringer Schnitt von 395 Prozent. Den niedrigsten Satz in Thüringen verlangt dagegen Kirchgandern im Landkreis Eichsfeld mit 200 Prozent. Der Geraer Stadtrat hatte die Grund- und die Gewerbesteuer 2014 drastisch erhöht, um einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen und weiterhin Geld vom Land für die leere Stadtkasse zu bekommen. Das Landesverwaltungsamt hatte die Steuererhöhungen damals von Gera gefordert. Der Hebesatz für die Grundsteuer B stieg von 490 auf 600 Prozent. Bis Jahresende muss in Deutschland die Berechnung der Grundsteuer auf neue Füße gestellt werden. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. August 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 15:16 Uhr

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