Vertrauliche Kabinettsvorlge Land rechnet mit 70 Millionen Euro Kaufpreis für GWB-Mehrheitsanteil

Das Thüringer Infrastrukturministerium rechnet mit einem Preis von 70 Millionen Euro für den Mehrheitsanteil der Investmentfirma Benson Elliot an der Wohnungsbaugesellschaft GWB Elstertal in Gera. Das geht aus der Beschlussvorlage des Ministeriums für die Kabinettssitzung am Dienstag hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegt. Das vertrauliche Papier ist den Mitgliedern der Landesregierung in den  vergangenen Tagen per Boten zugestellt worden. Das Land plant, über eine Beteiligungsgesellschaft Eigentümer der Geraer Wohnungsgesellschaft zu werden. So sollen Mieter in Gera vor Spekulationsgeschäften geschützt werden. Der genaue Preis der Anteile soll später durch eine sogenannte Stichtagsbilanz ermittelt werden. Dabei handelt es sich um eine Bewertung der GWB Elstertal am Tag des Kaufs. Benson Elliot besitzt 74,9 Prozent an der GWB.

Laut Vorlage werden die GWB-Liegenschaften - etwa 160 Grundstücke mit 4.300 Wohnungen sowie rund 150 Gewerbeeinheiten – mit einer Summe von knapp unter 174 Millionen Euro bewertet. Grundlage hierfür ist ein von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Auftrag von Benson Elliot im vergangenen Jahr erstelltes Gutachten. Dessen Plausibilität sei von einem Beratungsunternehmen und in einer Stellungnahme der Thüringer Aufbaubank geprüft worden. Auf eine sogenannte Due-Diligence-Prüfung - also voneinander unabhängige Unternehmensbewertungen sowohl durch den Verkäufer als auch durch Kaufinteressenten - sei verzichtet worden, heißt es in der Vorlage. Als Grund dafür werden zeitliche Vorgaben von Benson Elliot genannt. Das britische Unternehmen wolle das Geschäft noch vor der Sommerpause 2019 abschließen.

Das Vorgehen weist Parallelen zum Kauf der Mehrheitsanteile an der Thüringer Energie AG (TEAG) vor sieben Jahren auf. Auch damals hatten die späteren Käufer - rund 400 Thüringer Kommunen - aufgrund eines angeblich bestehenden Zeitdrucks auf eigenständige Unternehmensbewertungen verzichtet und sich auf die vom damaligen Verkäufer E.ON vorgelegte Wertermittlung verlassen.

Geld für Kauf kommt aus Sondervermögen

Die ermittelten Immobilienwerte der GWB Elstertal sind neben deren Barvermögen Grundlage für die noch ausstehende exakte Kaufpreis-Ermittlung. Davon werden noch bestehende Kreditverbindlichkeiten abgezogen. "Wir gehen davon aus, dass der Kaufpreis ca. 70 Mio. Euro betragen wird", heißt es in der Vorlage. Als Käufer soll die landeseigene Thüringer Industriebeteiligungs-GmbH (TIB) fungieren. Das Geld soll sie aus einem von der Thüringer Aufbaubank verwalteten "Sondervermögen Wohnungsbau" erhalten. Außerdem soll sich die TIB verpflichten, die Anteile an der GWB später einem von der Thüringer Landesregierung genannten Dritten unentgeltlich zu übergeben. Als möglicher Dritter wird in der Vorlage die von der rot-rot-grünen Landesregierung geplante landeseigene Wohnungsbaugesellschaft genannt.

Neben den Anteilen von Benson Elliot will das Land über die TIB auch GWB-Anteile von der Stadt Gera kaufen. Die Rede ist von bis zu 19,1 Prozent. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Geraer Stadtrat in der vergangenen Woche gefasst. Wie viel die Stadt von ihrem derzeit gehaltenen Paket von 25,1 Prozent verkaufen wird, soll noch verhandelt werden. Die Stadt rechnet aber mit Einnahmen von mindestens zehn Millionen Euro. Damit würde das Land für den Erwerb der Mehrheit an der GWB etwa 80 Millionen Euro ausgeben.

Benson Elliot hatte im August 2016 den Mehrheitsanteil an der GWB Elstertal aus der Insolvenzmasse der Stadtwerke Gera erworben. Wie viel die Briten dafür bezahlt haben, ist öffentlich nicht bekannt. Im Januar 2019 kündigte Benson Elliot an, sich von den GWB-Anteilen trennen zu wollen. Zunächst hatte die Stadt Gera eine Kaufabsicht bekundet. Im Frühjahr trat sie jedoch mangels verfügbaren Geldes von dem Plan zurück.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Juli 2019 | 20:30 Uhr

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24 Kommentare

02.07.2019 17:16 Ralf @Peter 24

Sie haben mich falsch verstanden. Ich meinte nicht Sie damit, sondern die anderen Kommentatoren. Da geht es nur ums motzen, man kann die immer gleichen Phrasen unter vielen Beiträgen als Kommentar lesen. Oft hat man den Eindruck, der Text wurde nicht mal gelesen.

Sinnlos, da mit Fakten zu kommen.

02.07.2019 16:13 Peter 23

@22 Ralf: Ich verstehe Sie nicht. Ich zitiere aus einer Presseveröffentlichung der kommunalen Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft. Diese beschreibt ihre erfolgreiche Arbeit für die Stadt und deren Bürger.
Was soll daran Phrase sein?
Wenn man fortan genauso in Gera arbeitet, werden auch dort die Bürger froh sein, dass die GWB Elstertal wieder in öffentlichem Besitz ist.

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