Wahlsieg von Rot-Grün So reagieren die Parteien in Thüringen auf die Hamburg-Wahl

SPD und Grüne haben in Hamburg einen klaren Wahlsieg eingefahren und können damit die letzte rot-grüne Koalition in Bund und Ländern fortsetzen. Bei der Bürgerschaftswahl in dem Stadtstaat rutschte die CDU auf ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis bei Landtagswahlen seit knapp 70 Jahren. Wir fassen die Reaktionen der Parteien in Thüringen zusammen.

Grüne: "Großartiges Ergebnis"

Bernhard Stengele
Thüringens Grünen-Sprecher Bernhard Stengele Bildrechte: MDR/Bernhard Stengele

Die Reaktionen auf die Hamburg-Wahl fallen in Thüringen sehr unterschiedlich aus. Der Landessprecher der Thüringer Grünen, Bernhard Stengele, sprach von einem großartigen Ergebnis für seine Partei. Es sei sagenhaft, dass die Grünen in Hamburg ihr Ergebnis mehr als verdoppeln konnten. Inwieweit die Situation in Thüringen auf Hamburg eingewirkt habe, lasse sich nur schwer einschätzen. Stengele sagte MDR THÜRINGEN, er sei befriedigt, dass die AfD voraussichtlich nicht wieder ins Parlament komme.

SPD: "Strahlender Wahlsieg"

SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee gratulierte dem - so wörtlich - "strahlenden Wahlsieger" von der SPD. Die SPD habe es geschafft, eine große Vielfalt an politischen Themen zu vermitteln. Dabei habe man die Arbeitnehmer genauso im Blick gehabt wie die Arbeitgeber, die Stärke des Rechtsstaates genauso wie die soziale Seite. Auf die Frage, ob Thüringen eine Rolle gespielt habe, sagte Tiefensee: "Hamburg ist weit weg".

CDU: "Verluste nicht überraschend"

Thüringer CDU-Landtagsabgeordneter Raymond Walk.
CDU-Generalsekretär Raymond Walk Bildrechte: Raymond Walk

Der Thüringer CDU-Generalsekretär Raymond Walk sagte, die Verluste für die CDU kämen nicht überraschend. In Hamburg habe es keine Wechselstimmung gegeben. In letzter Zeit sei auch nicht jede Wortmeldung aus Berlin hilfreich gewesen. Auch die schwierige Situation in Thüringen habe nicht dazu beigetragen, die Gesamtwahrnehmung der Union zu verbessern.

Linke: "Klarer Zusammenhang zu Thüringen"

Thüringer Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow
Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow Bildrechte: DIE LINKE im Thüringer Landtag/Susanne Hennig-Wellsow

Die Landeschefin der Thüringer Linken, Susanne Hennig-Wellsow, sieht die Wahlergebnisse in Hamburg in klarem Zusammenhang mit der Thüringer Politik. Das Zittern der FDP um den Einzug ins Parlament sei eine direkte Auswirkung der politischen Lage im Freistaat. Dass die AfD den Einzug ins Parlament wohl nicht schaffen werde, sei ein großer Erfolg. Außerdem lobte Hennig-Wellsow die hohe Wahlbeteiligung.

FDP: "Keine Folge der Lage in Thüringen"

Gerald Ulrich, FDP
Der stellvertretende FDP-Vorsitzender Gerald Ulrich Bildrechte: FDP

Der FDP-Vize in Thüringen, Gerald Ulrich, rechnet damit, dass seine Partei den Einzug ins Hamburger Landesparlament schafft. Dass die FDP Stimmen verlor, sei aber keine Folge der politischen Lage in Thüringen. Falls es doch so sein sollte, könnten Historiker erst in zehn oder zwanzig Jahren darüber urteilen.

AfD: "Leuten in Hamburg geht es zu gut"

Stefan Möller (AfD)
AfD-Sprecher Stefan Möller Bildrechte: MDR/Stefan Möller

Der Landessprecher der Thüringer AfD, Stefan Möller, sprach von einem traurigen Ergebnis für die AfD. Als Ursache für den Stimmverlust führt Möller eine - so wörtlich - "Schmutzkampagne" gegen die AfD nach dem Anschlag in Hanau an. Außerdem sagte er, den Leuten in Hamburg gehe es zu gut, da könne man sich Ideologien noch leisten. Einen Zusammenhang mit der Situation im Thüringer Landtag schließt er aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2020, 19:14 Uhr

31 Kommentare

der_Silvio vor 5 Wochen

@martin; Ich bin kein ständiger taz–Leser, sondern auf diesen Artikel gestoßen, weil ich es mir eben NICHT einfach mache und die Verantwortung nur einem bestimmten Lager zuschiebe.
Wo Sie allerdings eine Mitverantwortungslinie der AfD erkennen, erschließt sich mir nicht.
Dass der Täter rassistisch war, liegt ja klar auf der Hand.
Anders sehe ich es da aber mit der Verantwortung der AfD.
Da gibt es im Internet genügend andere Möglichkeiten. Daher kritisiere ich die vorschnelle Verortung einer Verantwortung bei der AfD.
Dies ist, so scheint es, nichts als Taktik der Parteien in ihrer Strategie der "maximalen Ausgrenzung der AfD".

der_Silvio vor 5 Wochen

Nein, die Leute waren bisher nur zu träge zu erkennen, das beispielsweise die Grünen mit ihrer 'Umweltpolitik' der Wirtschaft eher schaden, und das die um die Globalisierung der deutschen Wirtschaft mehr schadet als nützt.

Ernst678 vor 5 Wochen

In der AfD-Pressekonferenz zur Hamburgwahl wurde die seit Wochen andauernde verschärfte Hetze gegen die AfD und deren undemokratische Behinderung im Wahlkampf, die bis zur persöhnlichen Bedrohung gegen Saalbetreiber reichte wo die AfD sich versammeln wollte, thematisiert. Die anwesenden Journalisten, eine erstaunlich "übersichtliche Zahl", wie bei Bundestagssitzungen, hatte allerdings nichts besseres zu tun als fast ausschließlich auf dem Fall Hanau rumzureiten, wo zwar rassistiche Motive im Spiel waren es sich aber beim Täter um einen zutiefst geistig verwirrten Amokläufer handelt, nachweislich. Allerdings hinderte das die Journalisten nicht daran das irgenwie der AfD anzulasten, und das obwohl die AfD außer jubelnder Schadenfreude und Stimmenverlusten seit Wochen nichts anderes erntet. Ist diese Welt nicht verrückt, sind Demokratie, Wahrheit und Realitätssinn nur noch leere Worthülsen, wird es nicht endlich Zeit das ALLE miteinander anstatt gegeneinander und übereinander reden?

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