Heike Hanada
Heike Hanada ist die Architektin des neuen Bauhaus-Museums in Weimar Bildrechte: Lilli Hanada

Bauhaus-Museum Weimar Beton oder Glas - welche Fassade bekommt das Museum?

Die Entscheidung über die Fassade des neuen Bauhaus-Museums in Weimar liegt beim Vorstand der Klassik Stiftung. Seit dem Richtfest kursieren in Weimar allerdings die unterschiedlichsten Gerüchte über Veränderungen an der Planung und die Gründen dafür. Mangelnde Kommunikation wurde kritisiert, nach Schuldigen gefragt. Und immer wieder ging es um Heike Hanada, die Architektin des Museums und ihre Motivation. Wir haben sie in Weimar getroffen und versucht, das Fassaden-Chaos aufzuklären.

von Grit Hasselmann

Heike Hanada
Heike Hanada ist die Architektin des neuen Bauhaus-Museums in Weimar Bildrechte: Lilli Hanada

Wie fing das alles an mit Ihnen und dem Bauhaus-Museum?

Ich habe ja sehr lange in Weimar gelebt und auch an der Bauhaus-Uni unterrichtet. Damit war das Thema immer präsent für mich. Und ich habe mich gefragt, warum sich die Stadt so wenig mit dieser radikalen Bewegung identifiziert, warum hat sich die Moderne ausgerechnet hier entwickelt und warum wurde sie vertrieben.

Den Standort fand ich auf Anhieb ziemlich verrückt. Aber eben auch sehr konsequent und ich muss die Stadt für diese mutige Entscheidung wirklich loben. Aber natürlich bringt das auch Konflikte mit sich. Dann kam der Wettbewerb und ich habe mir von Anfang an einen monolithischen Körper vorgestellt, aus weißem Beton mit sehr großen Öffnungen. Der Entwurf sollte schon monumentalen Charakter haben, der den Ort und die Situation bestimmt.

Und dann begann quasi schon das Fassaden-Problem?

Die letzten vier Teilnehmer des Wettbewerbs sollten auf Wunsch des Preisgerichts ihre Entwürfe überarbeiten. Ich habe die Fassade dann radikal verändert. Die Öffnungen, die Farbe und eben auch das Umfeld. Im Dialog zwischen der Fassade und dem Wasserbecken kam dann das Material Glas ins Spiel. Das hat die Jury schließlich überzeugt. Auch wenn von Anfang an klar war, dass eine Glasfassade teuer ist.

Gutes Stichwort. Die Kosten sind dann förmlich explodiert?

Ja. Mit den ersten Ausschreibungen 2015 hatten wir wirklich Pech. der Beton wurde extrem teuer, wir mussten neu ausschreiben. Da die Bauindustrie momentan in einer sehr stabilen Position ist, stiegen die Kosten noch mehr. Im letzten Herbst verlangte der Bauherr, diese Kosten deutlich zu senken.

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So wird die Fassade am Ende aussehen. Bildrechte: Claus Bach, 2018, © Klassik Stiftung Weimar

Es wurde klar, dass das nicht über Einsparungen an Details gelingen konnte, sondern es war eine radikale Lösung nötig. Das gab uns aber andererseits auch die Chance, das Ganze zu überdenken. Mittlerweile gab es eine neue städtebauliche Situation, neue Ideale in der Architektur. Immerhin war ja das Projekt inzwischen schon sieben Jahre alt. Glasfassaden an Museen sind mittlerweile nichts Neues mehr.

Das heißt, sie waren nicht böse über die Entwicklung?

Im Gegenteil. Ich hätte ja nie gewagt, eine solche Änderung vorzuschlagen. Aber ein Architekt muss immer selbstkritisch sein. Ist das, was wir hier bauen, wirklich das, was wir wollten? Ich habe also nicht, wie sonst üblich, einen Pro-forma-Vorschlag gemacht, sondern mich ernsthaft mit dem Thema befasst. Und ich war sehr überrascht, dass die Klassik-Stiftung sofort darauf eingegangen ist. Dass man mir so aufgeschlossen entgegenkommt, damit habe ich nicht gerechnet. Ich dachte eher, Beton ist zu provokant und für die eher konservative Haltung der Klassikstiftung zu modern, zu zeitgenössisch. Das war aber nicht so. Sowohl von der Museumsleitung, als auch von der Bauleitung war sofort ein positives Echo da. Und auch da ging es um den Inhalt und nicht nur um die Kosten.

Warum wird in Weimar und auf Facebook immer so geschimpft und spekuliert über das Geschehen am Museum?

Die Situation ist schwierig. Der Bau war schon weit fortgeschritten. Man muss tatsächlich versuchen, immer alle mitzunehmen. Und Fragen zu stellen, ist ja kein Meckern. Dazu kommt, dass Architektin und Landschaftsarchitekt nicht gut zusammenarbeiten. Alle arbeiten nebeneinander her. Es müsste einen geben, der den Hut aufhat. Und beide Seiten müssten aufeinander zugehen. Denn schließlich bringt es niemandem etwas, sich gegenseitig zu behindern. Wir wollen alle zusammen ein gutes Projekt haben. Das kann doch nicht so schwierig sein.

Und Facebook?

Das lese ich nicht. Ist für mich kein seriöses Medium. Abgesehen davon ist der Architekt immer schuld, an allem. Einer muss ja auch die Verantwortung übernehmen. Das spiegelt zwar nicht immer die Tatsachen wider, aber der Architekt ist verantwortlich. Und ich fühle mich auch verantwortlich. Will mich da nicht entziehen

Wie ist jetzt der Stand?

Ich finde, dass die Stiftung sich erstaunlich stabil hinter mich gestellt hat. Da bin ich auch froh drüber. Die Glasfassade ist durchgeplant, sofort umsetzbar, wir halten sie aber zurück und bauen eine Betonfassade, die ein nachträgliches Anbringen der Glasfassade ermöglicht. Das ist der Vorschlag, der jetzt auf dem Tisch liegt. Schriftlich beauftragt, den zu entwickeln, wurde ich übrigens im Januar. Nicht schon zum Richtfest. Über den Umweg der Fassaden-Debatte hat sich natürlich auch einiges verbessert.

Das neue Bauhaus-Museum in Weimar
An den Außenanlagen wird zum Zeitpunkt der Eröffnung natürlich noch gearbeitet. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Ich betrachte die Fenster nur von innen, wo möchte ich welche Ausblicke haben. Die Öffnungen sind überdimensioniert, die Maßstabslosigkeit erzeugt Irritationen, entrückt von der Alltagswelt. Das Entscheidende ist die Beleuchtung. Die wurde Ende letzten Jahres nochmal umgeplant. Die LED-Dioden, die sogar Tags das Museum horizontal leuchten lassen.

Was ist, wenn der Stiftungsrat auf einer Glasfassade besteht?

Wenn wir jetzt die Glasfassade ausschreiben würden, könnten wir es mit Glück noch schaffen. Das Problem: wir haben keine Fassade aus der Schublade geplant. Sie hat eine völlig neuartige Aufhängung. Die Firmen tun sich schwer damit, Sachen außerhalb des Standards zu bauen. Und weil die Auftragslage derzeit super ist, wollen sie einfach keine aufwändigen Projekte.

Wie sieht das Bauhaus-Museum zur Eröffnung aus?

Das Museum strahlt zur Eröffnung. Es gibt dann einen leuchtenden Körper, der alle glücklich macht. Da bin ich mir total sicher. Ich gehe davon aus, dass auch die Umfeldgestaltung fertig ist. Ich wüsste nicht, was dem im Wege steht. Ist ja noch ein Jahr Zeit. Wenn die da auch Probleme haben mit den Ausschreibungen, finden wir gemeinsam eine Lösung. Ich bin da ganz optimistisch, dass uns nichts daran hindert, ein großartiges Fest zu feiern zur Eröffnung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 16. Februar 2018 | 18:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2018, 11:00 Uhr

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