Thüringer Handwerkstag bilanziert Florierendes Handwerk sucht Mitarbeiter

Die Geschäfte im Thüringer Handwerk laufen weiter hervorragend. Der Präsident der Handwerkskammer Erfurt, Stefan Lobenstein, sagte, die aktuelle Lage sei brillant und die Nachfrage nach Leistungen des Handwerks unverändert hoch. Allerdings werde der Fachkräftemangel in den Betrieben immer schlimmer. Kunden müssten dadurch warten. Zudem suchten viele Gründer und Inhaber, die in den Ruhestand gehen wollen, Nachfolger. Allein im Bereich der Handwerkskammer Erfurt sei mehr als jeder dritte Betriebsinhaber älter als 55 Jahre.
Nach Lobensteins Angaben sind zurzeit mehr als 15.000 Lehrstellen im Thüringer Handwerk nicht besetzt. Mittelfristig fehlten dann Gesellen und Meister in den Unternehmen. Lobenstein forderte von der Gesellschaft wieder mehr Wertschätzung für die Branche. Auch im Handwerk gebe es sehr gute Karriere- und gute Verdienstchancen.

Bäcker-Azubi
Nachwuchsmangel - die schwierige Suche nach Auszubildenden Bildrechte: IMAGO

Leider habe es sich unter jungen Leuten, die vor der Berufswahl stehen, noch nicht herumgesprochen, "dass es steile Karriereleitern" im Handwerk gebe, sagte Lobenstein. Zuletzt hatte die Handwerkskammer Ostthüringen im vergangenen Herbst erklärt, dass zwar zum dritten Mal hintereinander die Zahl der abgeschlossenen Lehrlingsverträge auf 752 gestiegen sei. Benötigt würden aber jährlich rund 1.000. Nach Erfahrungen der Kammer seien oft auch Bemühungen der Betriebe vergebens, wenn sie Abiturienten gewinnen wollten. Selbst Abiturienten mit schwächeren Leistungen und geringen Aussichten auf einen Studienplatz seien daran nicht interessiert. Die Kammer kritisierte, dass es viele Vorbehalte gebe, die auch "schon in den Elternhäusern" losgingen. Hoffnungen richteten sich nun auf Studienabbrecher.
Dennoch wolle das Handwerk noch stärker in Gymnasien um junge Leute werben, sagte Lobenstein. "Wenn wir nicht an den Gymnasien Fuß fassen, wird die Situation noch dramatischer". Geplant seien mehr Praktika und Besuche von Gymnasiasten in Berufsbildungszentren.

Die wirtschaftlichen Aussichten des Handwerks schätzte Lobenstein als weiterhin gut ein, auch wenn der Aufwärtstrend etwas an Schwung verloren habe. Aktuelle Umsaztzahlen liegen noch nicht vor. Die letzten Zahlen des Landesamtes für Statistik weisen für 2016 rund 12 Milliarden Euro Umsatz bei damals 18.400 Betrieben aus. Einzelne spätere Zahlen weisen bis zu vier Prozent Umsatzzuwachs (erstes Quartal 2018) innerhalb eines Jahres aus. Aktuell hat das Thüringer Handwerk rund 30.000 Betriebe mit 152.000 Beschäftigten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Angeklagter Ex-Häftling der Thüringer JVA Tonna (links) im Landgericht Erfurt mit seinem Anwalt im Prozess wegen Misshandlungen von Mitgefangenen. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 16:24 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

16 Kommentare

11.01.2019 15:22 martin 16

@ liberaler (Teil 2):
Das einzige mir bekannte Gegenbeispiel ist das Chemie-Dreieck "Leuna". Dort wurden die Auffanggesellschaften so eingerichtet, dass viele gut ausgebildeten Facharbeiter vor Ort blieben und nicht an den Rhein ausgewandert sind, wo sie gern genommen wurden. Den Verantwortlichen war klar, dass zwar kurzfristig nicht mehr alle Mitarbeiter in den verbleibenden Betrieben beschäftigt werden konnten - aber dass sie mittel- und langfristig ihre Fachkräfte sehr wohl wiederbenötigt werden, wenn sie die teuren Anlagen weiter nutzen wollen.

Es gibt übrigens nicht nur eine Wirtschaftstheorie. Und wer neoliberale Ansichten nicht teilt, ist nicht automatisch dumm. Und reichlich Populismus sehe ich eher bei den Verfechtern der reinen Marktwirtschaft und des "schlanken Staats".

11.01.2019 15:14 martin 15

@ liberaler: Auch Ihrer Anmerkung #13/#14 teile ich nicht ganz.

1.) Sie fragen (rhetorisch): "Warum sind viele Firmen am Ende in den Osten gekommen...?" und unterschlagen bei Ihrer Antwort, dass weitere wichtige Motivationen auch die Ausschaltung (durch Aufkaufen) von Konkurrenz (DDR-Betriebe haben ja nicht nur die Waschmaschinen für Otto gebaut) sowie die Übernahme der Märkte der DDR-Betriebe waren.

2.) Sie behaupten fälschlicherweise "Die Menschen, die in den 90ern in den Westen gegangen sind, sind es zumeist weil sie arbeitslos ware, ..." - diese Aussage ist unzutreffend. Viele gut ausgebildete junge Menschen haben Thüringen verlassen. Manche sind später in die Heimat zurück gekommen - viele aber nicht. Die Betriebe im Westen waren an den gut ausgebildeten Kräften der DDR interessiert und haben denen attraktive Angebote gemacht - nicht nur bezüglich des Gehalts.

Mehr aus Thüringen

Angeklagter Ex-Häftling der Thüringer JVA Tonna (links) im Landgericht Erfurt mit seinem Anwalt im Prozess wegen Misshandlungen von Mitgefangenen. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK