Im neuen Kreißsaal an der Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe in Halle/Saale überprüft die Hebamme Simone Scherer mit einem Holzstethoskop als Alternative zur Kardiotokographie die Herztöne eines ungeborenen Kindes.
Eine Hebamme hört am Bauch einer Schwangeren die Herzschläge des Kindes ab. Bildrechte: dpa

Geburtshilfe Beleghebammen bekommen nur noch zwei Geburten gleichzeitig vergütet

Die Arbeit in Kliniken wird für freiberufliche Beleghebammen möglicherweise noch unattraktiver. Sie bekommen nur noch die Betreuung von zwei Gebärenden pro Stunde vergütet. Der Alltag in den Kreißsälen sieht aber manchmal anders aus.

von Corinna Ritter-Kallwitz

Im neuen Kreißsaal an der Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe in Halle/Saale überprüft die Hebamme Simone Scherer mit einem Holzstethoskop als Alternative zur Kardiotokographie die Herztöne eines ungeborenen Kindes.
Eine Hebamme hört am Bauch einer Schwangeren die Herzschläge des Kindes ab. Bildrechte: dpa

In Deutschland gelten mit dem Neujahrstag neue Vergütungsregeln für freiberufliche Beleghebammen. Das sind Geburtshelferinnen, die nicht bei einem Krankenhaus angestellt sind, aber Gebärende im Kreißsaal einer Klinik betreuen. Den neuen Regeln zufolge dürfen sie von gesetzlichen Krankenkassen nur noch für zwei Entbindungen gleichzeitig bezahlt werden. Falls mehr als zwei Frauen unter der Geburt parallel zu betreuen sind, muss eine weitere Hebamme dazu gerufen werden.

Hebammen fehlen insgesamt

Der Berufsverband findet das grundsätzlich gut. Es sei wünschenswert, dass eine Hebamme zwei, möglichst sogar nur eine Gebärende im Kreißsaal betreut, sagte Annika Warnieke vom Thüringer Hebammenverband MDR THÜRINGEN. Dafür müsste es aber insgesamt deutlich mehr Hebammen in den Kliniken geben. Das Gegenteil sei aber der Fall: Generell gebe es inzwischen zu wenig Hebammen, um alle gewünschten Angebote der Schwangeren zu erfüllen, so Warnieke.

Dem Verband zufolge leisten Beleghebammen neben ihren Diensten im Krankenhaus noch Geburtsvorbereitungskurse, zudem betreuen sie Mütter und Babys nach der Geburt. Eine Umfrage von MDR THÜRINGEN unter sieben Kliniken hat ergeben, dass im kommenden Jahr keine der Beleghebammen ihre Arbeit einstellen will.

Die Thüringer Geburtskliniken planen derzeit keine neue Festanstellungen. Die freiberuflichen Hebammen im SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda GmbH beispielweise hatten sich laut Geschäftsführung gegen eine feste Stelle entschieden. Im Jahr 2016 waren in Thüringen fast 18.500 Kinder zur Welt gekommen. Das waren 500 Kinder mehr als ein Jahr zuvor und die höchste Zahl an Geburten im Freistaat seit 1990.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachricht | 01. Januar 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2018, 16:10 Uhr

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3 Kommentare

03.01.2018 12:36 Liberaler 3

@part: Die ist gar nicht gestiegen. Letztes Jahr lag sie bei 3,4, 2006 waren es noch 3,8. So gesehen ist sie in zumindest in den letzten 10 offenbar noch mal leicht gesunken.

03.01.2018 11:21 andre 2

Eins der schlimmsten Übel unserer Zeit, sind die Krankenkassen und ihre Vorstände!
Die streichen sich Gehälter in unverschämten Höhen ein, suggerieren ständig, dass sie am Hungertuch nagen und bauen kontinuierlich das Gesundheitssystem ab, mit realitätsfremden Begründungen bis zum Erbrechen! Wir haben selber eine 9Wochen alte Tochter und was die Hebamme hier geleistet hat, ist mit Geld nicht aufzuwiegen und von daher kann ich diese Praxis der Kassen nicht mehr nachvollziehen! Hier muss die Politik endlich handeln und unser Gesundheitssystem muss komplett auf den Prüfstand gestellt werden und Vorstände sollten im Sinne der Patienten denken!

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