Bund fürs Leben Verschoben, abgesagt, umgeplant - Heiraten in Corona-Zeiten

Der schönste Tag im Leben sollte es werden - ein Virus kam dazwischen. Die Hochzeitspläne vieler Thüringer Paare sind durch Corona ordentlich durcheinander gewirbelt worden. MDR THÜRINGEN hat sich bei den Standesämtern in der Region mal umgehört.

Gäste begrüßen ein frischvermähltes Brautpaar vor dem Standesamt
Vereint im Bund der Ehe: Stefanie und Tobias vor dem Hermsdorfer Standesamt. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Vom Virus in die Knie zwingen lassen haben sich vor allem Heiratswillige in Nord- und Mittelthüringen. Seit März wurden dort zahlreiche Trauungen verschoben. Elf Hochzeiten waren es in Apolda, eine entfiel sogar ganz. In Gotha gaben sich zwischen März und Mai etwa ein Viertel weniger Paare das Ja-Wort als im Vorjahreszeitraum.

Auch in Nordthüringen haben viele ihre Hochzeitspläne zurückgezogen beziehungsweise aufs nächste Jahr verschoben. In Sondershausen heiraten jetzt im Juli 14 Paare weniger als im Juli vergangenen Jahres. Das Standesamt Mühlhausen traut elf Paare weniger als im gleichen Zeitraum 2019.

Nur wenige Paare wollen ihre Termine noch in diesem Jahr nachholen. Zu abschreckend seien Einschränkungen wie eine begrenzte Gästezahl oder das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, hieß es. Und niemand wisse, wie es weitergeht.

Ein Brautpaar in einer Pferdekutsche
Tobias und Stefanie aus Weißenborn gaben sich am Samstag in Hermsdorf das Ja-Wort. Stilecht brachte der Brautvater die Tochter mit der Kutsche zum Standesamt. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Paare heiraten in Ost-und Südthüringen trotz Corona

Dagegen bleiben in Ost- und Südthüringen viele Paare bei ihren Hochzeitsterminen. Gemäß dem Leitsatz: "In guten wie in schlechten Zeiten" ließen sich vor allem in Jena, Gera und Schmalkalden die Heiratswilligen nicht durch Corona-Einschränkungen einschüchtern. Die Standesämter melden ähnlich viele Trauungen wie im Vorjahr. Und auch für die kommenden Wochen haben sich schon viele Paare angemeldet.

Ebenso wird in Weimar dem Virus getrotzt. Zwischen März und Mai haben sich die Zahlen im Vergleich zu 2019 kaum verändert. Ein leichter Einbruch wurde dann im Juni verzeichnet. Statt 46 im vergangenen Jahr trauten sich nur 34 Paare.

Allerdings entspanne sich die Lage allmählich wieder, heißt es aus einigen Standesämtern, was wohl auf die Lockerungen der Corona-Regeln zurückzuführen ist. Zudem ginge der Trend zu kurzfristigen Hochzeiten. Kurz entschlossen meldeten sich Eheschließende beim Standesamt, mit dem Wunsch nach einer Hochzeit in kleinem, feinen Rahmen.

Braut und Brautvater vor dem Standesbeamten
Stolzer Brautvater mit Tochter vor dem Standesbeamten. Die Kinder des Paares, Pepe und Lena, sind natürlich auch dabei. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Zeremonie mit Einschränkungen

Im Trau-Saal der Stadt Weimar sind mittlerweile wieder bis zu 30 Personen zugelassen. Alle Gäste müssen einen Mund-Nasen-Schutz während der Trauung tragen, wenn die Zahl 14 überschritten wird. Denn dann kann der Mindestabstand nicht mehr eingehalten werden. Davon ausgenommen sind das Brautpaar selbst und die Standesbeamten.

In anderen Standesämtern dürfen etwa zehn Gäste plus das Brautpaar gemeinsam bei der Trauung anwesend sein, so zum Beispiel in Gotha. In Gera sind es bis zu 18 Personen. Hier muss der Mund-Nasen-Schutz getragen werden, bis man Platz genommen hat. Der Abstand von eineinhalb Metern ist während der Zeremonie einzuhalten, gratuliert wird ohne Händedruck.

Auch im Standesamt in Hermsdorf im Saale-Holzland-Kreis verzichtet der Standesbeamte auf die persönliche Gratulation, aber ein Kuss der Frisch-Vermählten sowie die innige Umarmung sind dort möglich - auch ohne Mund-Nasen-Schutz. Weil auch im Standesamt Schleiz auf den Mindestabstand von eineinhalb Metern geachtet werden muss, richtet sich die Zahl der Gäste jeweils nach der Größe des Trauungs-Raumes.

Eine anschließende, private Feier ist in Thüringen ja wieder erlaubt. Bei mehr als 30 Personen in geschlossenen Räumen und mehr als 75 unter freiem Himmel muss die Veranstaltung im Voraus beim zuständigen Landkreis angemeldet werden. Der Gastgeber ist außerdem verpflichtet, geeignete Infektionsschutzvorkehrungen zu treffen und - sollte drinnen gefeiert werden - die Kontaktdaten der Gäste zu dokumentieren.

Ein Brautpaar küsst sich nach dem Ja-Wort
Nun sind Stefanie und Tobias Mann und Frau. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Feier wird auf Jubiläen vertagt

Mittlerweile haben die Paare wieder die Möglichkeit, größer zu feiern. Aber in den Zeiten, als das durch die entsprechenden Thüringer Verordnungen nicht möglich war, musste umdisponiert werden, wenn der schönste Tag im Leben nicht komplett ins Wasser fallen sollte. Einige Paare entschieden sich, im familiären Rahmen zu feiern, wollen die große Feier dann später nachholen. Die einen schon im nächsten Jahr, die anderen dann vielleicht zur "Baumwollenen Hochzeit" nach einem Jahr ... oder der "Ledernen Hochzeit" nach drei Jahren ... oder der "Hölzernen Hochzeit" nach fünf Jahren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 18. Juli 2020 | 16:45 Uhr

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