Nach umstrittenen Äußerungen Zahlreiche AfD-Spitzenfunktionäre fordern Ausschluss des Höcke-Flügels

Der von Björn Höcke gegründete "Flügel" der AfD wurde jüngst zum Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes erklärt. Nach erneuten kontroversen Äußerungen des thüringer Landesvorsitzenden fordern namhafte parteiinterne Stimmen ein Verbot der Gruppierung. Höcke hatte gefordert, dass Kritiker innerhalb der Partei "ausgeschwitzt" werden sollten.

Innerhalb der AfD wächst der Druck auf den Thüringer Parteichef Björn Höcke. Mehrere Spitzenfunktionäre westlicher Landesverbände verlangen harte Konsequenzen gegen die informelle Vereinigung "Flügel". Die Verbände forderten die Bundesspitze unter anderem auf, Veranstaltungen, Auftritte und andere Zusammenkünfte von AfD-Mitgliedern unter der Bezeichnung "Flügel" zu verbieten. Hintergrund ist eine Entscheidung des Verfassungsschutzes, den innerparteilichen "Flügel" als rechtsextrem einzustufen. Der Thüringer Parteichef Höcke hatte einst den "Flügel" gegründet.

Mitglieder der AfD-Parteiführung lassen sich am 02.09.2017 vor dem Kyffhäusertreffen 'Der Flügel' fotografieren.
Mitglieder der AfD-Parteiführung beim Kyffhäusertreffen des "Flügels" 2017. Bildrechte: dpa

In einem Brief des AfD-Landesvorstandes in Nordrhein-Westfalen an den Bundesvorstand heißt es, die Auflösung des "Flügels" und weitere Maßnahmen seien geeignet, "wieder Ruhe in unsere Partei einkehren zu lassen und die bereits begonnene Austrittswelle zu stoppen". Die Spitzenfunktionäre forderten außerdem, dass die Protagonisten des "Flügels" sich zudem "vorbehaltlos in Diktion und Duktus den Zielen und der Programmatik der AfD unterzuordnen" hätten.

Uwe Junge in der ARD-Talkshow hart aber fair im WDR Fernsehstudio
Uwe Junge, Fraktionschef der AfD in Rheinland-Pfalz. Bildrechte: imago images / Future Image

Der rheinland-pfälzische AfD-Fraktionschef Uwe Junge forderte außerdem "eine harte Ordnungsmaßnahme gegen Höcke". Höcke hatte Anfang März bei einem "Flügel"-Treffen in Sachsen-Anhalt über innerparteiliche Kritiker gesagt, dass diese "allmählich auch mal ausgeschwitzt werden sollten." Junge bezeichnete die Aussage als "herabwürdigend". Der Geschichtslehrer Höcke wies den Vorwurf eines Wortspiels mit dem nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz als "infam" zurück.

Auch AfD-Bundesvorstandsmitglied Alexander Wolf griff Höcke an. Der "Flügel"-Mann sei der "König der Eigentore". Allzu viele Äußerungen von Höcke hätten "der Partei in den vergangenen Jahren geschadet - und machen die Partei für viele im Westen unwählbar."
Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Schleswig-Holstein, Jörg Nobis, sagte nach der jüngsten Äußerung Höckes im Namen seiner Fraktion: "Wir missbilligen die Äußerung von Björn Höcke und erwarten vom Bundesvorstand eine entsprechende Reaktion."

Der Bundesvorstand will sich am Freitag treffen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte den "Flügel" in der vergangenen Woche zum Beobachtungsfall im Bereich Rechtsextremismus erklärt. Nach Schätzungen des Verfassungsschutzes hat der "Flügel" rund 7.000 Anhänger.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. März 2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen