75 Jahre Auschwitz-Befreiung Buchenwald: Kränze und Blumen zum Gedenken an NS-Opfer

In der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar hat eine Feierstunde zum Gedenken an NS-Opfer stattgefunden. Überlebende und Vertreter der Thüringer Politik legten Kränze und Blumen nieder.

Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Landtagspräsidentin Birgit Keller (beide Die Linke).
Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald unter anderem mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Landtagspräsidentin Birgit Keller (beide Die Linke). Bildrechte: MDR FERNSEHEN

In der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar ist am Montagnachmittag an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnert worden. Am Internationalen Holocaust-Gedenktag legten Vertreter der Landesregierung, der Landtagsfraktionen sowie Holocaust-Überlebende in dem früheren NS-Konzentrationslager auf dem Ettersberg Blumen und Kränze nieder.

Mitglieder der AfD-Fraktion in Buchenwald unerwünscht

Die Teilnahme von Mitgliedern der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag hatte sich die Gedenkstätten-Stiftung verbeten. Die Stiftung machte wieder von ihrem Recht auf ein Hausverbot Gebrauch. Im Jahr 2019 hatte die Gedenkstätte das Hausverbot mit dem Geschichtsbild der AfD und Äußerungen von Fraktionschef Björn Höcke begründet. Höcke hatte unter anderem die Aufarbeitung des NS-Zeit als "dämliche Bewältigungspolitik" bezeichnet. Der Direktor der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, berichtete am Nachmittag von einer verbalen Attacke mehrerer AfD-Politiker gegen ihn. Seinen Angaben zufolge traten drei Abgeordnete nach der Holocaust-Gedenkfeier im Thüringer Landtag "in geballter Macht" auf ihn zu, um ihm Vorwürfe zu machen.

Knigge sagte, die Abgeordneten hätten ihm persönlich und den Mitarbeitern der Gedenkstätte Buchenwald vorgeworfen, die Überlebenden zu missachten und von den Überlebenden nichts gelernt zu haben. Konkret würde deren Appell ignoriert, Hass in Freundschaft zu verwandeln.

In einer kurzen Rede zur Kranzniederlegung sagte Knigge, er und seine Mitarbeiter hassten auch nicht diejenigen, die die Erinnerung an die NS-Verbrechen zum Vogelschiss erklärten. "Aber sie sind unsere Gegner, erst recht an diesem Ort. Und unaufrichtiges, scheinheiliges Gedenken werden wir nicht zulassen, heute nicht und in Zukunft nicht." Mit dem Argument, Hass müsse in Freundschaft umgewandelt werden, könne man weder ihn noch die Mitarbeiter der Gedenkstätte dazu bewegen, Freundschaft mit denen zu schließen, "die sich dem alten Denken, dem Nationalistischen, Völkischen, dem Trennenden, dem Ausgrenzenden in großen Teilen verpflichtet sehen und sich davon nicht distanzieren wollen." An der Veranstaltung für die Holocaust-Opfer im Thüringer Landtag hatten die AfD-Abgeordneten Olaf Kießling, Jens Cotta und Michael Kaufmann teilgenommen.

"Positionieren Sie sich gegen Hass und Hetze"

Zuvor hatte es im Thüringer Landtag in Erfurt eine Gedenkveranstaltung aus Anlass des Holocaust-Gedenktages gegeben. Landtagspräsidentin Birgit Keller ermunterte zu einer Haltung gegen Antisemiten und Rechtsextremisten. Sie sagte: "Positionieren Sie sich gegen Hass und Hetze. Werden Sie noch sichtbarer. Und machen Sie bei jeder Gelegenheit deutlich, dass wir Judenhass und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren. Keller sagte, der Anschlag in Halle im vergangenen Jahr habe deutlich gezeigt, wie hoch die Gefahr durch Antisemiten und Rechtsextremisten sei.

Heinrich Rotmensch (r-l), Eva Pusztai und Günther Pappenheim, Überlebende des Holocausts, applaudieren Birgit Keller (Die Linke), Landtagspräsidentin, für Ihre Rede bei der Gedenkstunde der Thüringer Landesregierung und des Thüringer Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag.
Birgit Keller bei ihrer Ansprache. Neben ihr die Holocaust-Überlebenden Heinrich Rotmensch , Eva Pusztai-Fahidi und Günther Pappenheim (von rechts nach links). Bildrechte: dpa

Ramelow: Brave Bürger wollten Technik der Vernichtung verbessern

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) erinnerte in seiner Ansprache daran, dass die Technik der Vernichtung, die Verbrennungsöfen der Firma Topf & Söhne, aus Erfurt kam. Brave Bürger hätten darüber nachgedacht, wie die Technologie verbessert werden könnte.

Nach einer Schweigeminute und den Ansprachen Kellers und von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) kamen auch Zeitzeugen zu Wort, die KZs oder Vernichtungslager der Nazis überlebt haben. Éva Pusztai-Fahidi, Günter Pappenheim und Heinrich Rotmensch riefen dazu auf, sich für eine offene Gesellschaft und Mitmenschlichkeit einzusetzen.

Gedenkstunde zum Holocaust-Gedenktag 2020 im Thüringer Landtag: Präsidentin Birgit Keller (Die Linke, links) mit der ungarischen Jüdin Éva Pusztai-Fahidi, die Auschwitz und ein Außenlager des KZ Buchenwald überlebte.
Éva Pusztai-Fahidi (rechts) mit Landtagspräsidentin Birgit Keller. Bildrechte: MDR/Regina Lang

Es gibt nicht die Deutschen oder die Juden. Ein Mensch ist immer als Individuum schlecht oder gut.

Éva Pusztai-Fahidi (94), Jüdin aus Ungarn, Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz und eines Außenlagers des KZ Buchenwald im Thüringer Landtag

Viele Veranstaltungen in ganz Thüringen geplant

In Thüringen beteiligten sich zahlreiche Städte am Holocaust-Gedenktag. Es wurden Kränze niedergelegt, Kirchen boten Gebetsstunden, an Mahnmalen und Gedenkorten gab es Gedenkstunden. Diese gab es unter anderem in Arnstadt, Jena, Eisenach, Gera, Mumsdorf, Kreis Altenburger Land sowie Rudolstadt. In Suhl und Bad Salzungen wurden die "Stolpersteine" abgegangen, die an ermordete jüdische Bewohner der Städte erinnern. Die Stadt Mühlhausen will am Montagabend erste Forschungsergebnisse zu den KZ-Außenlagern in der Stadt veröffentlichen.

Weitere Artikel zum Thema:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Januar 2020 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2020, 05:00 Uhr

184 Kommentare

G. Schmitz vor 9 Wochen

Lieber Blumenfreund,
Menschen wurden in Viehwagen in KZ´s angekarrt und fabrikmässig ermordet.
Wenn ich Geschichten der Zeitzeugen höre laufen mir immer wieder die Tränen und ich bin so fassungslos, warum haben Menschen solches Greuel vollbracht.

Wer sich nicht daran erinnern will, der hat auch keine Seele.


MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 9 Wochen

Es wäre ja wirklich nur zu schön gewesen, wenn wir die Worte
des Bundespräsidenten an dieser Stelle als Abschluss stehen
gelassen hätten !

Ja,
die Zukunft mag vielen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten haben.
Ja,
es wird in Zukunft möglicherweise nicht leicht(er).
Ja,
„Angst und Bange machen“ zählt nicht.

...und „wir in der DDR“ haben auch eine - bewusst einseitige - Geschichts-
darstellung betrieben ! Ob die unseren Kindern wirklich das nötige Rüstzeug mit auf den Weg gegeben hat ... ???

Ich erinnere mich an die sozialistische polytechnische Oberschule, in der ich (um 1980 herum) nicht erwähnen durfte, dass Teile Thüringens - ähm, also, die DDR-Bezirke Erfurt, Gera und Suhl - nicht von unseren über alles geliebten russischen Freunden befreit worden ist, sondern eben „vom bösen Ami“... Dass „wir Thüringer“ gegen einen Teil von Groß-Berlin „eingetauscht“ worden sind, habe ich zunächst gar nicht im Heimatkundeunterricht gehört.... Oder war das alles doch wieder ganz anders ???

Chemnitzer vor 9 Wochen

Anne Frank und alle die Anderen werden nie vergessen werden. Zeitzeugen, das ist klar, das diese in Zukunft fehlen werden. Wir benötigen aber auch als Menschen keinen lebenden Beweis z.B. dafür, was Napoleon für Kriege geführt hat usw. Heute leugnet man ja nicht nur die Judenverfolgung, sondern hetzt schon wieder gegen sie. Woran liegt das? In erster Linie an einer bedauerlichen Schwäche unseres Staates. Daran muss gearbeitet werden.Es geht nicht nur um Härte, sondern in erster Linie um Konsequenz und nachhaltige Erziehung der Jugend, damit sie nicht auf diese Hetzreden hereinfallen. Wir haben das in der DDR gelernt und an unsere Kinder weitergegeben. Für die Zukunft bin ich mir nicht sicher.

Mehr aus Thüringen

Die Seifenmacherin Ilka Hofmann steht in ihrem Laden in Mühlhausen. 1 min
Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff
Eine Frau trägt eine selbstgenähte Maske zum Schutz vor dem Coronavirus. 4 min
Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Angesichts der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Mundschutz groß. Schneiderin Liane Vogler aus Erfurt erklärt, wie eine Maske selbst genäht werden kann.

Fr 03.04.2020 17:30Uhr 03:41 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/video-corona-virus-mundschutz-selber-naehen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video