Corona-Verordnung Thüringen plant Sonderweg für die Weihnachtsferien

In Thüringer Schulen und Kindergärten gelten ab Montag strengere Corona-Regeln. Danach gilt für Kindergärten und Schulen ab Montag eingeschränkter Regelbetrieb in Stufe Gelb. Längere Weihnachtsferien wie in fast allen anderen Bundesländern soll es nicht geben.

Thüringens Bildungs- und Sportminister Helmut Holter
Thüringens Bildungsminister hat am Donnerstag dem Kabinett einen Vorschlag vorgelegt. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Thüringen soll es keine vorgezogenen Weihnachtsferien geben. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat der Landesregierung vorgeschlagen, alle Schüler bis einschließlich 22. Dezember zu unterrichten - ab Klasse sieben zwischen dem 21. Dezember und 10. Januar aber nur digital. Laut Ministeriumssprecher Felix Knothe stieß Holters Vorschlag auf breite Zustimmung im Kabinett, auch beim Ministerpräsidenten. Einen offiziellen Beschluss müsse es damit nicht mehr geben. Ab Montag gelten in allen Schulen strengere Regeln.

Thüringen will Sonderweg bei Ferien

Die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich am Mittwoch bei einer Schalte darauf verständigt, dass bereits der 18. Dezember der letzte Schultag sein soll. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte bei dem Thema aber zu Protokoll gegeben, dass er diesen Punkt noch mit seinem Kabinett abstimmen will.

Strengere Corona-Regeln an Schulen und Kindergärten

In Thüringer Schulen und Kindergärten gelten ab Montag strengere Corona-Regeln. Danach gilt für Kindergärten und Schulen ab Montag eingeschränkter Regelbetrieb in Stufe Gelb. Konkret bedeutet das feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von mehr als 200 gibt es in den oberen Klassen wieder Wechselunterricht und einen Mindestabstand von 1,50 Metern auch im Unterricht. Zudem können die Schulen unter anderem einen Maskenpflicht im Unterricht festlegen.

Verantwortung an Schulen abgegeben

Für die Schüler bis zur sechsten Klasse soll es beim Präsenzunterricht bleiben, soweit vor Ort nichts anderes festgelegt ist. Bei einer Inzidenz unter 200 können die Schulen je nach Infektionslage selbst entscheiden, welche Einschränkungen sie vornehmen. Auch eine Maskenpflicht im Unterricht sei danach möglich. In diesem Fall muss es laut Ministerium aber ausreichende Pausenzeiten von der Maskenpflicht geben.

Eine Schülerin sitzt mit Maske vor offenem Fenster und folgt dem Unterricht
Thüringen geht bei den Regelungen zu den Weihnachtsferien einen Sonderweg. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images / Mattias Christ

Mit den neuen Regeln soll laut Bildungsminister Helmut Holter auch an Schulen und Kindergärten ein stärkerer Beitrag zum Infektionsschutz geleistet werden. Ziel bleibe es, das Recht auf Bildung bestmöglich umzusetzen und ein bestmögliches Maß an Kinderbetreuung zu garantieren.

Eltern hoffen, dass Konzepte greifen

Claudia Koch von der Landeselternvertretung hält angesichts des hohen Infektionsgeschehens eine Reaktion für dringend nötig. "Mit Stufe Gelb für ganz Thüringen wird auf die Verunsicherung unter den Eltern reagiert, die bisher eine Diskrepanz zwischen Infektionszahlen und dem Verweilen in Phase Grün bemängelt haben."

Auch die ausdrückliche Handlungsfreiheit für Schulleitungen begrüßen die Eltern, weil so direkt vor Ort auf die lokalen Gegebenheiten reagiert werden könne.

Ich hoffe, dass die Schulleitungen diese Chance auch nutzen und auf ihre Gelb-Konzepte zurückgreifen, die sie ja bereit seit dem Sommer 'in der Schublade' haben sollten.

Claudia Koch Landeselternvertretung Thüringen

Landräte mehrheitlich gegen verlängerte Weihnachtsferien

Die Thüringer Landkreise sind mehrheitlich gegen verlängerte Weihnachtsferien. Die Präsidentin des Landkreistags, Martina Schweinsburg (CDU), sagte nach einer Schaltkonferenz mit der Thüringer Staatskanzlei, in der Runde hätten sich nur zwei, drei Landräte für einen vorzeitigen Beginn der Ferien ausgesprochen. Die anderen Landräte unterstützten die Position des Bildungsministeriums, wonach die Ferien wie geplant am 23. Dezember beginnen sollen. Laut Schweinsburg halten die meisten Landkreise einen früheren Beginn nicht für machbar, da die Eltern der Schüler keine Urlaubsreserven mehr hätten.

Martina Schweinsburg
Martina Schweinsburg Bildrechte: dpa

Lehrer, Schüler und Eltern kritisieren Corona-Beschlüsse

Thüringer Lehrer und Schüler hatten zuvor die Ergebnisse des bundesweiten Corona-Gipfels kritisiert. Der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch, ist vor allem damit unzufrieden, dass Thüringen sich eigene Wege offen halten will. Er sprach von "unfassbarer Ignoranz". Vieles sei nach wie vor vage, der Spielraum für die Behörden und damit die Unsicherheit seien weiterhin zu groß.

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) hatte sich auch wiederholt für verlängerte Weihnachtsferien ausgesprochen. Der letzte Schultag sollte der 18. Dezember sein, sagte der stellvertretende Vorsitzende, Frank Fritze. Er halte drei Tage Unterrichtausfall für machbar, um trotzdem die Lehrpläne erfüllen zu können. Der Lehrerverband regt zudem einen späteren Schulstart im neuen Jahr an. Nach Silvesterpartys von Jugendlichen seien Ansteckungen und Hotspots vorprogrammiert, sagte Fritze.

Landesschülersprecher Leon Schwalbe sagte, ihm sei unklar, wie zwei Tage mehr oder weniger Weihnachtsferien dafür sorgen sollen, dass Infektionen nicht mit nach Hause getragen werden. Er forderte statt einer Maskenpflicht Abstandsregeln, kleine feste Gruppen und mehr Onlineunterricht.

Ähnliche Forderungen kommen auch von der Landeselternvertretung. Landeselternsprecher Roul Rommeiß kritisierte die schlechte Kommunikation zwischen den Gesundheitsämtern und den Schulen. Es brauche dringend einheitliche Ansprechpartner für Eltern in den Schulämtern und im Bildungsministerium. Er schlug eine separate Corona-Hotline vor, an der Eltern die für sie wichtigen Fragen stellen können. Es seien meist praktische Fragen, zum Beispiel wie lange das Kind zu Hause bleiben muss, die bei der Landeselternvertretung eingingen, so Rommeiß.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. November 2020 | 15:00 Uhr

14 Kommentare

maddin vor 7 Wochen

Vielleicht täusche ich mich oder habe es auch nur überlesen, aber Herr Holter spricht eigentlich immer nur von Schülern und Eltern, die ihm unterstellten Lehrer kommen irgendwie nie vor! Fürsorgepflicht diesbezüglich? Nix da! Das lässt schon recht tief blicken. Die zählen offenbar nicht, sind wohl nur reines „Verbrauchsmaterial“? Klingt jetzt zwar richtig schlimm, aber man könnte es fast schon vermuten.

Berliner In Thueringen vor 7 Wochen

Diese Diskussion um vorgezogene und verlängerte Ferien ist eine Scheindiskussion.

Corona hat offizielle 14 Tage Infektionszeit (deshalb 14 Tage Quarantäne). Also müsste theoretisch, jeder der seine "Risikogruppen"verwandten besuchen möchte, ab dem 10. Dezember in völlige Isolation gehen (damit das böse Virus nicht in die Familie kommt) und nach den Besuchen bis 14 Januar (ab Neujahr) auch in Isolation bleiben (damit das böse Virus nicht weiterverbreitet wird). Daran sieht man schön, dass diese Ferienverlängerung reiner Popolismus ist.

Praktisch müssen viele Menschen arbeiten und es gibt hier schon lange feststehende Dienst- und Urlaubspläne. Das soll jetzt mal schnell geändert werden? Man sollte doch lieber den Bürger selbst überlassen, ob die Oma im Vorerkrankungen besucht wird oder nicht, genauer die Oma sollte es selbst entscheiden, ob sie ihren Enkel sehen will (und nicht der Staat)!! Und Schulen sollten so lange offen bleiben, wie möglich. Unterrichtsausfall gab es schon genug.

Insomnia vor 7 Wochen

So sieht es aus. Ich besuche meine eigenen Eltern seit Wochen nicht, weil das Risiko durch Arbeit (privat sehe ich lediglich meinen Mann "live") zu groß ist und ich meinem lungenkranken Vater nichts heimschleppen kann. Wie soll das dann Weihnachten werden?

Ich sehe voll ein, dass die Schulen lange offen bleiben sollen. Deswegen arbeite ich das ganze Jahr ohne einen Krankheitstag durch. Wir wüssten auch gar nicht, wir wir es machen sollen, wenn noch mehr Kollegen ausfallen. Die Hälfte des Kollegiums fehlt derzeit. Also übernimmt man doch Vertretungen in anderen Klassen oder die Kinder werden auf die übrigen Klassen verteilt. Früh- und Späthort muss bisher auch in gewohntem Umfang stattfinden - da sind aufgrund dann alle durchmischt. "Feste Gruppen" gehen praktisch nicht.
Bei aller Arbeitsmoral: Wo bleibt der Arbeitsschutz für uns? Wäre es wirklich unzumutbar für die Eltern, dass ZWEI Tage früher mal nur Notbetreuung ist und wir dadurch wenigsten kleine Gruppen / Abstand hätten?

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