Ein Hotel-Schild
Nach Ansicht der Dehoga sollen Hotels künftig ohne gedruckte Meldezettel auskommen. Bildrechte: dpa

Digitale Meldescheine Hotelverband will Papierformulare für Gäste abschaffen

Am gedruckten Meldeschein kommt kein Hotelgast vorbei - trotz Handybuchung und Kreditkarten-Check-In. Denn das Bundesmeldegesetz verlangt seine Unterschrift auf Papier. Die Dehoga in Thüringen hält das für unzeitgemäß.

Ein Hotel-Schild
Nach Ansicht der Dehoga sollen Hotels künftig ohne gedruckte Meldezettel auskommen. Bildrechte: dpa

Der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband fordert digitale Meldescheine für Hotelgäste. Der Dehoga-Landesgeschäftsführer Dirk Ellinger sagte MDR THÜRINGEN, im Sinne des Bürokratieabbaus sei die Abschaffung der Papierformulare überfällig. Der Dehoga Thüringen, der mehr als 1.200 Mitglieder vertritt, unterstützt deshalb entsprechende politische Initiativen auf Bundesebene.

Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes e. V. Thüringen (Dehoga Thüringen), spricht am 12.06.2013 in Erfurt (Thüringen) während einer Pressekonferenz zu den anwesenden Journalisten.
Dehoga-Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger Bildrechte: dpa

Ellinger sagte, es sei unverständlich, wieso nicht wie beim Paketboten die elektronische Unterschrift längst auch für Meldescheine ausreiche. Das sei zeitgemäßer und würde eine Menge Papier sowie Kosten für die sichere Verwahrung und fachgerechte Entsorgung sparen.

Ein Hotel mit 200 Zimmern stelle jährlich gut 20.000 Meldescheine aus und müsse diese ein Jahr lang unter Verschluss aufbewahren. "Wir müllen uns zu", so Ellinger. Erst recht, weil den Gästen zusätzlich noch Formulare für den Datenschutz und städtische Bettensteuern vorgelegt werden müssten.

Unterschrift und Fingerabdrücke

Elektronische Meldescheine würden laut Ellinger nicht nur die Erfassung und Verwaltung vereinfachen, sondern auch die Herausgabe für polizeiliche Ermittlungen. Wenn es derzeit solche Anfragen gebe, werde ohnehin in der Regel im elektronischen Buchungssystem recherchiert. Bei Bedarf werde anschließend noch der Meldeschein gesucht. Einziger Zusatzwert sei dann die Unterschrift darauf.

Sicherheitsverantwortliche argumentieren, dass auf den Meldescheinen aus Papier auch Fingerabdrücke sichergestellt werden könnten. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Bundestagsanfrage hat zumindest das Bundeskriminalamt innerhalb von zehn Jahren nur ein einziges Mal zu diesem Mittel gegriffen. In dieser Zeit wurden in Deutschland schätzungsweise 1,45 Milliarden Meldescheine ausgefüllt.

Das Gesetz Die Paragraphen 29 und 30 regeln im Bundesmeldegesetz (BMG) Meldepflicht und Meldescheine in Beherbergungsstätten.

In § 29 Absatz 2 heißt es: "Beherbergte Personen haben am Tag der Ankunft einen besonderen Meldeschein handschriftlich zu unterschreiben, der die in § 30 Absatz 2 aufgeführten Daten enthält. Mitreisende Angehörige sind auf dem Meldeschein nur der Zahl nach anzugeben. Bei Reisegesellschaften von mehr als zehn Personen betrifft die Verpflichtung nach Satz 1 nur den Reiseleiter; er hat die Anzahl der Mitreisenden und ihre Staatsangehörigkeit anzugeben."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. April 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2019, 09:20 Uhr

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3 Kommentare

28.04.2019 17:39 Susanne 3

Oh, das war mir bisher nicht bewusst, werde zukünftig aufpassen und keine Fingerabdrücke mehr hinterlassen.Was für ein verlorenes System, in dem man jetzt lebt.

28.04.2019 10:58 winfried ... nachträglicher Gedanke 2

Erst nach dem ich über den "Kastentext" zu §29 und §30 nachgedacht habe, ist mir eingefallen:
im Gesetzestext steht nichts, dass das Ganze in Papierform abzuwickeln ist.
Es liegt also an der Kreativität des Hotelgewerbes ein ausschließlich elektronisches System
zu entwickeln, einzuführen und ggf. vor Gericht zu erstreiten.

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