Ein Hund macht sein Geschäft auf dem Fußweg
Ein Hund macht sein Geschäft auf dem Fußweg. Kommunen und den meisten Einwohnern gefällt das gar nicht (Symbolfoto). Bildrechte: Colourbox.de

"Es bleibt eine Riesensauerei" Städte klagen weiter über Hundehaufen

Thüringer Kommunen klagen weiter über Hundehaufen in Parks sowie auf Gehwegen und Plätzen. Auch drastische Bußgelder lösen das Problem nicht. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage von MDR THÜRINGEN unter zehn Städten.

von Katrin Kurth

Ein Hund macht sein Geschäft auf dem Fußweg
Ein Hund macht sein Geschäft auf dem Fußweg. Kommunen und den meisten Einwohnern gefällt das gar nicht (Symbolfoto). Bildrechte: Colourbox.de

Die angedrohten Strafen laufen weitgehend ins Leere. So wurden zum Beispiel in Erfurt im gesamten vergangenen Jahr nur zehnmal Verwarn- bzw. Bußgelder fällig, die Einnahmen lagen bei gut 500 Euro. Im Jahr zuvor kam auf diesem Weg noch doppelt so viel Geld in die Kasse. Seit 2003 drohen in Erfurt Sanktionen. Die konnten bisher aber "nicht dazu beitragen, dass Verunreinigungen durch Hundekot deutlich zurückgegangen sind", so eine Stadtsprecherin.

Artern und Mühlhausen

Erfurt ist keine Ausnahme. Auch in anderen Kommunen sind den Ordnungsbehörden meist die Hände gebunden. Der Grund ist einfach: Hundebesitzer müssen auf frischer Tat ertappt werden. Anja Große vom Ordnungsamt in Artern bringt die Misere auf den Punkt: "In einer Kleinstadt wie Artern sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bekannt. Hundehalter lassen ihre Hunde nicht unter unseren Augen sch… Es ist und bleibt eine Riesensauerei."

Rathaus in Mühlhausen
Rathaus in Mühlhausen: Bußgelder zwischen 20 und 60 Euro werden angedroht. Bildrechte: IMAGO

Das Fazit fällt noch weniger erfreulich aus als in Erfurt: Es gab im vergangenen Jahr nicht eine einzige zur Anzeige gebrachte Verunreinigung dieser Art, ergo auch keine Einnahmen. Dass im Ernstfall 75 Euro Bußgeld fällig werden, beeindruckt offenbar nicht jeden Hundebesitzer. Deren Verhalten habe sich schlicht "nicht geändert", heißt es.

Ähnlich sieht die Bilanz in Mühlhausen aus. Auch dort werden Bußgelder zwischen 20 und 60 Euro angedroht, ein Fall aus dem vergangenen Jahr ist den Behörden aber nicht bekannt. Immerhin verhielten sich die Hundehalter in der Regel "ordnungsgemäß, wenn ihnen die uniformierten Mitarbeiter der Stadt begegnen", beteuert eine Stadtsprecherin. Ein Trost für Passanten ist das nicht.

Weimar und Sonneberg

Auch in Weimar, wo beim erstmaligen Verstoß 60 Euro und im Wiederholungsfall 120 Euro fällig sind, zuckt man resigniert mit den Schultern. Im Beisein von städtischen Bediensteten komme eine Verunreinigung durch Hundekot "eher selten" vor. Immerhin - im Vorjahr gab es drei Verstöße, eingenommen wurden aber insgesamt nur 110 Euro. Das Häufchen auf der Straße war dann am Ende für den Hundehalter offenbar doch nicht so teuer wie die Regelsätze vorschreiben.

Hundehaufen auf dem Fußweg.
Hundehaufen auf dem Fußweg: Ärgerlich, wer da reintritt. Bildrechte: colourbox

Drei Verstöße im Jahr 2018 zählten auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Sonneberg. Zweimal wurden 35 Euro fällig, einmal 50 Euro. Der Grund für den Preisaufschlag: Der Hundebesitzer hatte sich geweigert, den Kot wegzuräumen. Abschreckend wirkt das drohende Bußgeld aber nicht. Die Regelung gelte schon mehrere Jahre, trotzdem sei Hundekot auf den Wegen, Brücken oder in den Anlagen nach wie vor ein Ärgernis, so Sprecherin Heidi Losansky. Erst gar nicht statistisch erfasst werden solche Vorkommnisse beispielsweise in Gera oder Waltershausen.

Eisenach und Sömmerda

So richtig teuer werden kann das Hundehäufchen in Eisenach und Sömmerda. Geldbußen bis zu 5.000 Euro sehen städtische "Gefahrenabwehr-Verordnungen" vor, zumindest theoretisch. Im Ernstfall sind die Behörden offenbar milder gestimmt. 2018 gab es in Eisenach drei Verfahren, die Bußgeldhöhe lag bei 83,50 Euro. Es sei viel sauberer in manchen Wohngebieten geworden, weil Wohnungsgesellschaften Tüten für den Hundekot bereitstellen, heißt es aus dem Rathaus.

Blick auf den Marktplatz von Eisenach. Der Platz wird dominiert vom rot gestrichenen Rathaus, rechts und links davon stehen mehrere Gebäude aus verschiedenen Epochen, darunter Fachwerkhäuser.
2018 gab es in Eisenach drei Verfahren. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien sensibilisiert und kontrollierten in der gesamten Stadt regelmäßig, ob Hundebesitzer die vorgeschriebenen Kotbeutel bei sich haben. Dass, wie eine Stadtsprecherin sagt, "viele anonyme telefonische Hinweise" eingehen, bringt am Ende wenig oder gar nichts. Hundebesitzer müssten namentlich genannt werden, nur so könne ein Verfahren eingeleitet werden.

In Sömmerda kennt man das Dilemma. "Eindeutig und zweifelsfrei" müsse nachgewiesen werden können, wer für den Dreck verantwortlich ist, und dafür müsse es Zeugen geben, teilte die Stadt mit. Man setze auf Tütenspender in Kombination mit Mülleimern. Ob damit ein erzieherischer Effekt erreicht wird, ist sogar aus städtischer Sicht dennoch fraglich. Zur Sauberkeit in Sömmerda gingen die Meinungen weit auseinander, heißt es. Besucher äußerten sich oft lobend, Einheimische empfänden das meist anders.

Katzenkot in Pößneck

In Pößneck gelten Hunde und ihre Haufen mittlerweile als das geringere Übel - fünf Verwarnungen und Einnahmen von insgesamt 100 Euro im vergangenen Jahr stehen zu Buche. Stattdessen wird laut Stadtverwaltung Katzenkot immer mehr zum Problem. Wie Andreas Blümel vom Ordnungsamt sagte, musste ein Spielplatz bereits gesperrt werden, weil der Sandkasten völlig verunreinigt ist. Bis zum Sommer soll der Spielplatz "Unter der Turmstraße" zwar wieder öffnen, allerdings dann nur noch mit einer Rasenfläche.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. März 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2019, 06:00 Uhr

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39 Kommentare

12.03.2019 13:08 Thüringer Original 39

Die Kommunen kontrollieren einfach zu wenig. Das kann ich aus eigener Erfahrung von der Stadt Erfurt sagen. Ich schlage vor, dass man die Satzung oder Verordnung so anpasst, dass die Leute auch zur Kasse gebeten werden können, wenn sie keine Tüte dabei haben. Es gibt übrigens auch biologisch abbaubare Mülltüten, zum Beispiel für den Biomüll.

11.03.2019 17:49 Rasselbock 38

@MDR: Jaja, zwei Juristen, drei Meinungen. ;-)

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