Beschluss im Landtag Rasseliste für Hunde ist Geschichte

Der Thüringer Landtag hat mit den Stimmen der Regierungsfraktion die Rasseliste für Hunde abgeschafft. Künftig wird die Gefährlichkeit der Hunde in Thüringen wieder anhand ihres Wesens und nicht anhand ihrer Rasse bestimmt. Als sogenannte Listenhunde waren zuletzt die Rassen American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull Terrier und Staffordshire Bullterrier eingestuft. Halter brauchten für diese Hunde eine Erlaubnis. Dazu mussten sie einen Sachkundenachweis vorlegen. Künftig müssen Halter diesen Nachweis nur erbringen, wenn Hunde auffällig geworden sind, beispielsweise jemanden gebissen haben. Zudem müssen gefährliche Hunde einem Wesenstest unterzogen werden. CDU und AfD enthielten sich bei der Abstimmung am Freitag der Stimme.

Ein Pitbullrüde beschnuppert während eines so genannten Wesenstests neugierig einen am Boden liegenden Menschen
Ein Pitbullrüde beim Wesenstest: Damit soll das Verhalten des Tieres überprüft werden. Bildrechte: dpa

Die Rasseliste wurde jahrelang kontrovers diskutiert. In der Debatte vor der Schlussabstimmung über das Gesetz hatten Redner darauf verwiesen, dass sich die Gefährlichkeit eines Hundes nicht an dessen Rasse festmachen lasse. Stattdessen befinde sich das Risiko oft am anderen Ende der Leine, hieß es. Innenstaatssekretär Udo Götze (SPD) sagte, von nun an sei es an den Thüringer Hundehaltern, ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft nachzukommen. Sabine Berninger von der Linken betonte, "eine Rasseliste ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch gefährlich, weil sie eine falsche Sicherheit vermittelt". Tatsächlich seien bei 415 Vorfällen in Thüringen nur in neun Fällen Rasselistenhunde beteiligt gewesen.

Die neue gesetzliche Regelung sieht zudem vor, dass Gemeinden Hundebesitzern die Hundesteuer ermäßigen können, die einen Sachkundenachweis zum Umgang mit ihrem Tier vorlegen. Die Rasseliste war in Thüringen 2011 eingeführt worden. Sie verbot Haltung und Zucht von mehreren Kampfhunde-Rassen. Der Freistaat und einige andere Bundesländer reagierten damit auf mehrere tödliche Beißattacken auf Kleinkinder.

American Staffordshire-Terrier
Bildrechte: IMAGO

Bisherige "Listenhunde" in Thüringen

Bisherige "Listenhunde" in Thüringen

* Pitbull-Terrier
* American Staffordshire-Terrier
* Staffordshire-Bullterrier
* Bullterrier
* sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | THÜRINGEN JOURNAL | 26. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2018, 19:46 Uhr

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8 Kommentare

28.01.2018 14:54 part 8

Natürlich, kein Hund ist angeblich von Grund auf aggressiv, nur habe manche Rassen die besseren Vorrausetzungen beim Angriff auf Menschen. Wurden sie doch schon seit der Antike als Kriegs- und Arenenhunde gezüchtet um den Gegner zu zerfleischen mit enormer Beißkraft. Manchmal kommt dann selbst bei bester Züchtung und Erziehung eben der Wolf als Vorfahre durch, da hilft den armen Opfern auch kein Wesenstest von Hund oder Herrchen. Von der Politik darf der Bürger dagegen erwarten, das sie gesetzlich präventiv eingreift, wo Gefährslagen enstehen können- ich darf schließlich auch nicht mit einer Kriegswaffe öffentlich herumlaufen oder betrunken Auto fahren. Als Statussymbole kommen solche Rassen dann noch zusätzliche Bedeutung zu bei bestimmten Subkulturen, die es gesellschaftlich nicht zu unterstützen gilt. Zudem sollte sich die Politik besser Gedanken darüber machen, wie sie der Überköterung von Städten und Gemeinden begegnen möchte oder winkt da etwa die Hundesteuer als Zusatzeinnahme ?

28.01.2018 12:56 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 7

Rassismus macht nie Sinn, solange der Mensch involviert ist!
Zitat Bericht "In der Debatte vor der Schlussabstimmung über das Gesetz hatten Redner darauf verwiesen, dass sich die Gefährlichkeit eines Hundes nicht an dessen Rasse festmachen lasse. Stattdessen befinde sich das Risiko oft am anderen Ende der Leine, hieß es."

Der Wesenstest für den Hund ist genauso wichtig wie der Wesenstest für den/die Halter/in.
Ein 80kg-Kangal mit einem 'liebevollen Charakter' kann beim Kuscheln erdrückend werden und eine 1,5kg-Fußhupe kann einen durch Dominierungsversuche in den Wahnsinn treiben:
wichtig bleibt a) die Erziehung des Hundes und b) der richtige Umgang mit dem erzogenen Hund.

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