Zahlreiche Traktoren fahren auf eine Autobahn auf.
Aufgrund einer Großkundgebung begleitet die Polizei ab Sonntag Traktoren auf dem Weg nach Berlin - auf Autobahnen. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Sternfahrt zu Demo in Berlin Bauernproteste: Hunderte Traktoren rollen auf Autobahnen durch Thüringen

Auf ein Tempolimit und längere Fahrtzeiten auf der A4, A9 und A71 in Thüringen müssen sich Autofahrer zwischen Sonntag und Mittwoch einstellen. Der Grund: Traktorenkonvois auf dem Weg nach Berlin.

Zahlreiche Traktoren fahren auf eine Autobahn auf.
Aufgrund einer Großkundgebung begleitet die Polizei ab Sonntag Traktoren auf dem Weg nach Berlin - auf Autobahnen. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Mehrere Tausend Landwirte wollen Dienstag, 26. November, vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen die aktuelle Agrarpolitik demonstrieren - und schon ab Sonntag aus ganz Deutschland mit Traktoren anreisen. Auch Autobahnen in Thüringen sind von der Sternfahrt betroffen.

Wie die Polizei mitteilte, liegen für Thüringen vom 24. bis 27. November eigenständige Versammlungsanmeldungen vor. Betroffen sind demnach die Autobahn 4 zwischen Erfurt und Hermsdorfer Kreuz, die Autobahn 9 zwischen der Anschlussstelle Triptis und der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt sowie die Autobahn 71 zwischen der Landesgrenze zu Bayern und dem Erfurter Kreuz.

Betroffene Strecken von Sonntag bis Mittwoch:

  • Sonntag, 24. November, gegen Mittag: A71 von der Landesgrenze zu Bayern bis zum Sammelort bei Arnstadt; erwartet werden etwa 600 Traktoren

  • Montag, 25. November, gegen Mittag: vom Sammelort bei Arnstadt starten zwei Konvois mit je etwa 350 Traktoren im einstündigen Abstand über die A71, A4 und A9 zur Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.

  • Montag, 25. November, gegen Mittag: vom Sammelort an der Anschlussstelle Triptis startet ein Konvoi mit 250 Traktoren über die A9 zur Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.

  • Montag, 25. November, später Nachmittag: vom Sammelort an der Anschlussstelle Triptis startet ein Konvoi mit etwa 250 Traktoren über die A9 zur Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.

  • Mittwoch 27. November, gegen Mittag: zentrale Rückfahrt in zwei Konvois von der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt über die A9 zur Anschlussstelle Bad Lobenstein und von dort über die Land- und Bundesstraßen nach Bayern; zwei weitere Konvois von der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt über die A9, A4 und A71 nach Bayern.

Auf diesen Strecken rollen die Konvois durch Thüringen:

Zudem rechnet die Polizei mit größeren Traktorengruppen auf den Land- und Bundesstraßen in Nordthüringen, die sich aus Richtung Westen kommend nach Berlin bewegen. Weiterhin starten am Montagmorgen in Südbayern mehr als 800 Traktoren und fahren auf dem Weg nach Berlin ebenfalls durch Thüringen.

Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen reduziert

Formation grüner Traktoren aus der Luft gesehen.
Insgesamt werden mehrere Tausend Landwirte mit Traktoren in Berlin erwartet. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Die Polizei weist auf die deutlich geringeren Durchschnittsgeschwindigkeiten der Traktoren hin. Die Konvois sollen Thüringen unter polizeilicher Begleitung durchfahren: "Aufgrund des außergewöhnlichen Anlasses macht es sich erforderlich, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit für alle Verkehrsteilnehmer im Bereich der Traktorenkonvois auf 80 km/h reduziert wird." Zudem kann es zu temporären Sperrungen an Anschlussstellen, Autobahnkreuzen sowie Parkplatz- und Rasthofausfahrten kommen, wenn die Traktorkonvois diese passieren.

Polizei bittet Verkehrsteilnehmer um besondere Aufmerksamkeit

Der Weg über die Autobahnen ist aus Sicht von Polizei und Versammlungsbehörde sinnvoll, um die zu erwartenden Beeinträchtigungen im öffentlichen Straßenverkehr auf Bundes- und Landstraßen möglichst gering zu halten.

Dennoch sei nicht auszuschließen, dass sich größere Traktorkonvois individuell auf Nebenstraßen durch Thüringen bewegen. Die Polizei bittet alle Verkehrsteilnehmer um besondere Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme. Im Radio-Verkehrswarndienst wird aktuell über die Verkehrslage informiert.

Protest gegen Agrarpaket der Bundesregierung

Mit der Großdemonstration am Brandenburger Tor wollen die Bauern gegen das geplante Agrarpaket protestieren, mit dem die Bundesregierung unter anderem den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark einschränken will. So soll der Unkrautvernichter Glyphosat ab dem kommenden Jahr deutlich weniger eingesetzt werden.

Die Landwirte sehen durch diese und weitere Maßnahmen die Agrarbetriebe und die regionale Lebensmittelproduktion in Deutschland gefährdet.

Darum geht es im Agrarpaket: Das Agrarpaket der Bundesregierung hat im Wesentlichen die folgenden Schwerpunkte:

Insektenschutzprogramm:
Es umfasst unter anderem die schrittweise Begrenzung und den Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung sowie den Schutz von Streuobstwiesen. Außerdem sieht es einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern bei Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vor. Ab 2021 sollen Herbizide und bestimmte Insektizide in Schutzgebieten verboten werden.

Tierwohllabel:
Ein Tierwohllabel soll Standards, die über dem gesetzlichen Minimum liegen, garantieren. Seine Verwendung ist freiwillig.

Umschichtung der Direktzahlungen:
Aus dem Budget der Direktzahlungen an Landwirte sollen im Jahr 2020 sechs Prozent in Subventionen, die an Agrarumweltprogramme gekoppelt sind, umgeschichtet werden.

Aufgerufen zu der Demonstration und der Sternfahrt nach Berlin hat die Initiative "Land schafft Verbindung". Bereits im Oktober hatten bundesweit Tausende Bauern gegen das Agrarpaket demonstriert. In Erfurt nahmen Landwirte mit rund 200 Traktoren an einer Protestfahrt durch die Innenstadt teil.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 18:17 Uhr

12 Kommentare

martin vor 1 Wochen

@abcert: Interessante These, die ich aber für wenig glaubwürdig halte, da ein nicht unwesentlicher Teil aufgrund der Umsetzung von EU-Vorschriften (aus meiner persönlichen Sicht: endlich) erfolgt.

martin vor 1 Wochen

@durchblick: Natürlich funktioniert in diesem Staat noch eine ganze Menge: Bspw. das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Auch wenn ich die meisten Forderungen nicht unterstütze, ist es das gute Recht der Bauern zu protestieren.

Und wenn Versammlungsbehörden und Polizei der Meinung sind, dass die Anfahrt über die Autobahn am wenigsten Störungen verursacht und entsprechende Genehmigungen erteilt, ist das meines Erachtens völlig in Ordnung.

Die zusätzliche Umweltbelastung durch den Ausflug nach Berlin sind im Vergleich zu den sowieso durch die industrielle Landwirtschaft verursachten, völlig vernachlässigbar. Ich persönlich freue mich auf die Bilder der "armen Bauern", die dann vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag zur Schau stellen.

Quantix vor 1 Wochen

Dafür nehme ich gerne auch mal ein paar mehr Minuten Fahrzeit hin. Ich drücke den Bauern die Daumen, dass sie sich in Berlin Gehör verschaffen können!

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