Immaterielles Kulturerbe Palmsonntagsprozession, Skat und Sommergewinn auf Unesco-Liste

Drei Thüringer Traditionen sind in die Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Wie eine Sprecherin der Unesco-Kommission MDR THÜRINGEN mitteilte, wurden der Eisenacher Sommergewinn, die Heiligenstädter Palmsonntagprozession und das Skatspiel, das in Altenburg erfunden wurde, in diesem Jahr in die bundesweite Liste aufgenommen. Insgesamt lagen aus Thüringen 13 Bewerbungen vor.

Das in Altenburg erfundene Skatspiel

In der Begründung der Unesco-Kommission heißt es, dass das Skatspiel Menschen verschiedener Altersgruppen, Nationalitäten und Bevölkerungsschichten zusammenführe und soziale Kompetenzen fördere. Das Skatspiel wurde 1813 in Altenburg erfunden. 1927 wurde das "Deutsche Skatgericht" gegründet, eine bis heute existierende und international agierende Prüfbehörde, die eine Internationale Skatordnung festlegt.

Eisenacher Sommergewinn

Der Eisenacher Sommergewinn ist eines der größten Frühlingsfeste in Deutschland. Bei dem Frühlingsbrauch gibt es am Sonntag Latäre ein öffentliches Schauspiel. Im Mittelpunkt steht der Sieg des Sommers über den Winter und vom Leben über den Tod. Der Schwellenbrauch hängt mit dem Todaustreiben zusammen, das sich seit dem 13. Jahrhundert als Reaktion auf Pestepidemien verbreitete. Nach Angaben der Unesco verbindet der Sommergewinn alle Bevölkerungsschichten und Generationen. Er biete Laien sowie handwerklich und künstlerisch begabten Menschen die Möglichkeit, sich im Festprogramm, beim Gestalten von Festwagen, Häuserschmuck, Kostümen und Bühnendekoration auszudrücken. Eisenach organisiert das Fest seit 1897.

Heiligenstädter Palmsonntagsprozession

Die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession ist ein religiöser Umzug, der alljährlich am Sonntag vor Ostern stattfindet und sich in einer festgelegten, überlieferten Ordnung durch die Straßen der Thüringer Kreisstadt bewegt. Ehrenamtliche tragen dabei sechs überlebensgroße Figuren auf Traggerüsten oder Stangen durch die Straßen. Sie erinnern damit an den Leidensweg Jesu. In der Woche vor Palmsonntag bereiten Ehrenamtliche der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien die Traggestelle vor, befestigen die Figuren und ziehen ihnen Gewänder an. Getragen werden die Figuren schließlich von festlich in schwarz gekleideten Männern mit weißen Handschuhen und Zylinder. Dieses Ehrenamt wird innerhalb von Familien weitergegeben. Die Unesco-Kommission schreibt, die Prozession habe wesentlich dazu beigetragen, die kulturelle und konfessionelle Eigenart in dem geschlossenen katholischen Gebiet über Jahrhunderte zu bewahren. Auch während der NS-Zeit und der DDR organisierten die Heiligenstädter ihre Palmsonntagsprozession.

Liste zur Pflege von Traditionen

Das Prädikat immaterielles Kulturerbe soll zur Pflege und zum Erhalt bestimmter Traditionen beitragen. Zum immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Im nationalen Verzeichnis gibt es derzeit 68 Einträge. Darunter fällt auch das Märchenerzählen, die Porzellanmalerei und das Flechthandwerk. Die Deutsche Unesco-Kommission empfiehlt der Kultusministerkonferenz die Nominierungen, welche unter der Leitung der Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan und der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, bestätigt wurden.

Die Aufnahme honoriert die Arbeit und Leidenschaft der Kulturschaffenden. Mit dem Verzeichnis habe die Unesco die Möglichkeit, "viele kreative und schöpferische Seiten unserer Brauchtumslandschaft sichtbar zu machen und das damit verbundene Wissen und Können zu fördern und weiterzuentwickeln", sagte Bogedan. Der Vorsitzende des Unesco-Kommittees, Christoph Wulf, sagte: "Immaterielles Kulturerbe bedeutet Gemeinsamkeiten zu entdecken und wertzuschätzen." Die Einträge zeigten das Engagement der vielfältigen Kulturtragenden in Deutschland. Sie seien Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist und wirkten identitätsstiftend.