Fehlstart bei Terminvergabe? Thüringen hinkt bei Corona-Impfungen hinterher

Hotline oder Homepage - diese beiden Möglichkeiten gibt es in Thüringen, um einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung zu erhalten. Und damit haben die Thüringer mehr Qual als Wahl, denn beide Wege sind derzeit schwer zu erreichen. Das Online-Portal vergibt aktuell gar keine Termine mehr, die Hotline startete am Montag mit einem Serverausfall und ist seither meist besetzt. Bundesweit hinkt Thüringen bei den Impfungen hinterher.

Thüringer, die derzeit versuchen, telefonisch einen Impftermin für sich oder ihre Angehörigen zu vereinbaren, müssen viel Geduld haben. Entweder sind die Leitungen besetzt oder es erklingt eine sich mantraartig wiederholende Warteschleifenansage, wie etwa diese: "Kassenärztliche Vereinigung Thüringen - zurzeit befinden sich alle Mitarbeiter im Gespräch. Bitte haben Sie einen Moment Geduld. Wir sind gleich für Sie da."

Serverausfall zum Hotline-Start

Am Montagmorgen hat die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen 60 Hotlines für die telefonische Vergabe von Impfterminen geschalten (03643 4950490). Allerdings brachen die Server bereits am Vormittag wegen eines Stromausfalls zusammen, sagte Pressesprecher Veit Malolepsy MDR THÜRINGEN. Nach Angaben des Weimarer Netzbetreibers war am Morgen in rund 1.000 Haushalten in der Gegend der Strom ausgefallen. Auch Büros und Gewerbe-Kunden waren betroffen. Ursache sei ein defektes Mittelspannungskabel gewesen, nach acht Minuten sei die Versorgung wiederhergestellt worden. Aus diesem Grund sei die Hotline nur eingeschränkt erreichbar gewesen. Stündlich seien nur etwa 100 bis 120 Termine vergeben worden, so der Sprecher. Die Hotline soll am Dienstag wieder von 8 bis 16 Uhr erreichbar sein.

Viele der Anrufer, die eigentlich einen Impf-Termin wollten, landeten außerdem im Autohaus Kaus in Gelmeroda bei Weimar. Da sich die Telefonnummer des Autohauses nur in einer Ziffer von der Impf-Hotline unterscheidet, gingen dort allein am Vormittag mehrere hundert Anrufe ein. Der Inhaber bezeichnete sein Haus bereits scherzhaft als "neues Impfzentrum Thüringen".

Autohaus Kaus in Gelmeroda
Das "neue Impfzentrum Thüringen": Weil die Telefonnummer der Impf-Hotline sich nur mit einer Ziffer von der Telefonnummer des Autohauses Kaus unterscheidet, bitten bei dem Händler viele Thüringer um einen Impf-Termin. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Ähnlich holprig verlief auch der Start der Online-Registrierung, die schon vor einer Woche startete und nach wenigen Stunden wieder stillgelegt wurde. Eine Online-Registrierung soll erst am 8. Januar wieder möglich sein, denn dann erwartet Thüringen neue Impfdosen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung sollte inzwischen auch die Hotline wieder erreichbar sein. Am Montagnachmittag war hier vor allem eins zu hören: ein Besetztzeichen.

Thüringen hinkt bei Impfungen bundesweit hinterher

Aktuell stehen dem Freistaat rund 19.000 Impfdosen (für 9.500 Menschen) zur Verfügung, von denen seit dem Impfstart am 27. Dezember 2020, laut RKI bisher nur 810 (Stand 4.1.2021, 12:00 Uhr) verabreicht wurden. Die niedrige Zahl macht Thüringen zum Schlusslicht im bundesweiten Vergleich. Allerdings handelt es sich hierbei wohl auch um ein Meldeproblem. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte MDR THÜRINGEN, dass bisher 2.300 Menschen in Thüringen geimpft worden seien. Damit würde sich Thüringen im bundesweiten Vergleich jedoch nicht entscheidend verbessern. Nur Bremen hat beim RKI bisher weniger Impfungen gemeldet.

Werner begründete die wenigen Impfungen mit der Impfstrategie Thüringens, die zunächst darauf setze, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser mit Impfstoffen zu versorgen, weil dort die großen Ausbrüche passierten. So wurden 17.000 Impfstoffdosen den Thüringer Krankenhäusern bereitgestellt, von denen bisher erst 2.800 verimpft wurden. "Wir gehen davon aus, dass auch hier in den Krankenhäusern in den nächsten zwei Wochen die Impfungen vorgenommen werden und dann die Zahlen in Thüringen ganz anders aussehen werden", so Werner.

Heike Werner (Die Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie
Thüringes Gesundheitsministerin Heike Werner (Archivbild) Bildrechte: dpa

Auch den Start der Telefon-Hotline sah Werner weit positiver. Sie sei sehr zufrieden, denn bei der Hotline hätten trotz Stromausfall bis zum Mittag bereits 10.000 Menschen angerufen. Zusammen mit den 20.000 vergebenen Erst- und Folgeterminen der Website sei Thüringen damit sehr viel weiter als andere Bundesländer.

Mecklenburg-Vorpommern macht es vor

Diese Meinung dürfte Werner exklusiv haben. Zum Vergleich: Das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern hat bereits alle seine zwölf geplanten Impfzentren im Einsatz und mehr als 11.000 Menschen geimpft. Darüber hinaus hat Mecklenburg-Vorpommern, obwohl es weniger Einwohner als Thüringen hat, schon rund 30.000 Impfdosen geliefert bekommen. Vorbestellt sind hier eine halbe Million Impfdosen. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner rechnete Anfang Dezember gerade einmal mit rund 125.000 Impfdosen für den Freistaat.

Auch bei den Impfzentren lässt sich Thüringen im Vergleich zu Mecklenburg-Vorpommern viel Zeit. Erst am 13. Januar sollen 15 Einrichtungen eröffnet werden. Anfang Februar sollen weitere 14 Impfzentren folgen. Die Vorbereitung der Impfzentren hatte in Thüringen bereits Anfang November begonnen.

Eingang der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen im Schnee
Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen ist für die Terminvergabe zuständig. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Unmittelbar müssten 120.000 Menschen geimpft werden

Aktuell dürften also rund 20.000 Thüringer über Impftermine verfügen und damit die Sicherheit haben: Ich komme bald dran. Doch das ist erst der Beginn, denn allein in der Anfangsphase der Impfkampagne, in der nur Menschen im Pflegebereich und Hochbetagte im Alter von 80 Jahren und mehr geimpft werden sollen, betrifft das in Thüringen weit mehr als 120.000 Menschen: In Thüringen arbeiten rund 48.000 Pflegekräfte (laut Arbeitsmarktbericht 2018). Hinzu kommen 68.372 Menschen im Alter von 85 Jahren und mehr.

Insgesamt leben im Freistaat rund eine Million Menschen, die mindestens 50 Jahre alt sind und damit laut RKI ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlaufe haben. Jüngere Menschen mit gewissen Vorerkrankungen kämen noch hinzu.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 04. Januar 2021 | 16:00 Uhr

37 Kommentare

ElBuffo vor 7 Wochen

Genau das wird sie wohl in ihrem 2jährigem berufsvorbereitenden Jahren bei der FDJ-Kreisleitung und beim darauffolgenden ML-Studium gelernt haben. Alles Schönreden. Darin waren diese Genossen schon immer auf Weltniveau. Und jetzt bitte keine Fehlerdiskussion, das nutzt nur dem Gegner.

ElBuffo vor 7 Wochen

Sie vergessen noch das zweijährige "berufsvorbereitende Praktikum" bei der FDJ-Kreisleitung. Kein Abschluss und offenbar auch keine Ahnung. Wundert mich ja schon fast, dass hier im Artikel leise Kritik anklingt. Frau Wille ist wohl auch noch im Urlaub?
Keine Wunder dass man auf Bundesebene so auf dem Gesundheitsministerium rumhacken muss. Durch lautstarkes Geschrei will man hier vom eigenen Versagen ablenken, wenn man schonmal in der Verantwortung ist. Hoffentlich fallen die senilen Wähler drauf rein. Was wollen die denn überhaupt mit mehr Impfstoff, wenn sie bisher nicht einmal das bisschen loswerden?

Rico Marbach vor 7 Wochen

15 m/Kilometer im Quadrat, Minenfeld und Stacheldraht, jetzt wisst ihr wo ich wohne, ich wohne in der Zone/in Thüringen!. Mancher wird sich an diesen Spruch noch erinnern; zugegeben ein bisschen polemisch Ich fordere die Th. Landesregierung auf, sich mit der Beseitigung des Impfdesasters zu beschäftigen; Thüringen liegt bei den Impfungen immer noch mit Abstand hinten; wenn man es nicht kann, soll man sich bei Sachsen Anhalt oder Mecklenburg Vorpommern informieren; es stellt sich auch die Frage, warum für Thüringen nur 125000 Dosen zunächst bestellt worden sind und nicht, wie in Mecklenburg Vorpommern, 500 000. Wenn Frau Ministerin Werner nicht zurücktritt, dann wird dies wohl Herr Rammelow tun müssen - welcher marxistische Leitsatz treibt Frau Werner an, eine solche spezielle Impfstrategie/Weniger Dosen zu bestellen, zu wählen - Widersprüche treiben die Entwicklung voran; im April sind Wahlen!

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