Inklusionsmonitor Thüringer mit Behinderung sehen sich vom Land vernachlässigt

Seit 2016 erscheint in Thüringen der Inklusionsmonitor, um die Situation von Menschen mit Behinderungen zu beleuchten. In diesem Jahr ging es vor allem um die Auswirkungen der Corona-Krise. Eine Mehrheit der Befragten zeigte sich mit der pauschalen Schließung von Werkstätten im Frühjahr nicht einverstanden.

Testleser prüfen im Büro für Leichte Sprache in Bremen, ob Texte einfach und verständlich sind
Testleser prüfen in einem Büro für Leichte Sprache, ob Texte einfach und verständlich sind (Symbolfoto). Bildrechte: imago/epd

Menschen mit Behinderung in Thüringen nehmen ihre Lebenssituation schlechter wahr als Männer und Frauen ohne Handicap. Das geht aus dem Inklusionsmonitor 2020 hervor, den der Landesbeauftragte Joachim Leibiger am Donnerstag in Erfurt vorstellte. Hier können Sie den vollständigen Bericht nachlesen.

Für den Bericht befragte das Meinungsforschungsinstitut Insa Consulere im November über 1.000 Thüringer mit und ohne Behinderung. Unter allen Befragten gaben demnach 40 Prozent an, dass die Landesregierung sich ausreichend um die Belange Behinderter kümmert. 37 Prozent verneinten dies. Unter den Menschen mit Behinderung waren allerdings nur 28 Prozent der Meinung, dass sich das Land ausreichend für ihre Belange einsetze. 52 Prozent stimmten dem nicht zu.

Stärkere Aufmerksamkeit für Menschen mit Behinderungen

Aus Sicht Leibigers ist während der Corona-Pandemie eine stärkere Aufmerksamkeit für Menschen mit Behinderungen zu verzeichnen. Dennoch müsse aus den Erfahrungen der vergangenen Monate gelernt werden. "Werkstattschließungen, Besuchsverbote und Maskenpflicht müssen künftig differenzierter betrachtet werden", sagte er. Notfalls müssten konsequent Bußgelder gegen diskriminierende Verhaltensweisen verhängt werden, wenn etwa Behinderte, die keine Maske tragen könnten, an Geschäften abgewiesen würden.

In der aktuellen Studie fand die pauschale Schließung von Werkstätten für Menschen mit Behinderung bei drei Viertel der Befragten keine Zustimmung. Unter den Befragten mit Behinderung sahen das noch mehr so, sagte Insa-Chef Hermann Binkert.

Joachim Leibiger Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung in Thüringen
Joachim Leibiger, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung in Thüringen Bildrechte: dpa

Aktuelle Corona-Regeln für Werkstätten

Die jüngsten Corona-Beschränkungen für die Werkstätten hält Leibiger dagegen für richtig. Nach der aktuellen Corona-Verordnung der Landesregierung bleiben die Werkstätten bei Vorliegen eines Hygienekonzepts grundsätzlich offen. Sie dürfen nur von denen nicht betreten werden, die ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf haben, sollten sie sich mit dem Coronavirus anstecken.

Der Inklusionsmonitor wird seit 2016 jährlich erstellt. Der aktuelle Monitor beschäftigt sich vor allem mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf Menschen mit Behinderung. In Thüringen haben etwa 400.000 Menschen eine Behinderung, das entspricht etwa einem Fünftel aller Einwohner des Landes. Für die Studie wurden 1.042 Thüringer ab 18 Jahren im November am Telefon und online befragt. Von den Befragten hatten 18 Prozent selbst eine Behinderung.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa, epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Dezember 2020 | 16:00 Uhr

5 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

...und wenn im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt (oder eben ein Landtagsmandat) ein politischer Mitbewerber „ausgeschaltet“, ähm,
also, hüstel, räusper, „unschädlich“, nee auch falsch, jedenfalls,
wenn ein chancenreicher Mitbewerber „irgendwie verhindert“
werden soll,

dann läßt man ihn unter Polizeischutz der Amtsärztin vorführen, in eine psychiatrische Klinik einweisen und sein Haus während seiner Abwesenheit von Verbrechern (die gute Connections zu den „bewaffneten Organen“ aus den guten alten Zeiten haben) verwüsten, damit es dann an Trittbrettfahrer weit unter Wert verhökert werden kann und der so Geschädigte sich nicht mehr blicken lassen braucht in der - ach - so feinen Gesellschaft, weil auch die Ermittlungsverfahren gegen seine Peiniger längst „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt worden sind . . .

Noch Fragen, Euer Ehren ?

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

Keiner soll auf Grund einer körperlichen, seelischen oder geistigen Entwicklung benachteiligt oder bevorzugt werden. Behinderte stehen unter dem besonderen Schutz des Freistaats Thüringen. — steht das (sinngemäß) nicht genau so in unserer Thüringer Landesverfassung ?!

...aber das, was ich jeden Tag auf Ämtern und in Behörden und besonders
bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften - und ja, leider auch bei Veranstaltungen im Thüringer Landtag selbst ! - ertragen muß, nachdem
ich meine „Green-Card“ gezückt habe, das ist schier:
unerträglich gewesen in den letzten 11 Jahren...

Doch das ist eben auch nur ein Teil der Wahrheit ! Es muß im Umgang
mit Beeinträchtigungen aller Art ein anderes Verständnis her — in
großen Teilen unserer gesamten Bevölkerung !

Mehr Achtung vor der Kreatur „Mensch“, liebe Mitmenschinnen !

Lothar Thomas vor 7 Wochen

@ Maria A.

Bitte lassen Sie uns DANN noch einmal darüber reden, wenn es Ihnen ebenfalls so geht wie vielen Anderen, die täglich mit einer Behinderung zurecht kommen müssen.
Haben Sie schon einmal in einem Rollstuhl gesessen und versucht in manche Busse oder Bahnen einzusteigen?
Versuchen Sie mal an verschiedenen Kreuzungen über die Straße zu kommen.
Haben Sie schon mal erlebt, wie DUMM man als Mensch mit einer Behinderung in einigen Geschäften angemacht wird?

... oder ganz aktuell, da steht in der Zeitung eine Stellenanzeige, wo sich Menschen mit Behinderung besonders bewerben sollen und wenn man dann dort anruft, eine abschlägige Antwort bekommt, mit dem Hinweis, dass für diese Stelle doch jemand Anderes gesucht wird.

Haben Sie schon mal auf einem Amt jemandem gegenüber gesessen, wenn Sie sich rechtfertigen müssen, dass Sie eine Behinderung haben und erwerbsmässig deshalb eingeschränkt sind und von der Mitarbeiterin verhöhnend abgefertigt werden "Na ich gehe doch auf Arbeit".

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