Plattenbauten in der Innenstadt von Gera
Auch Ostthüringen gilt als Problemregion. Bildrechte: imago images / Rainer Unkel

IW-Studie Große Teile Thüringens "Problemregionen"

Einer Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge gehören große Teile Thüringens zu den Problemregionen in den Bereichen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur. Aber nicht überall sieht es so schlecht aus. Im Freistaat regt sich nun deutliche Kritik an der Studie.

Plattenbauten in der Innenstadt von Gera
Auch Ostthüringen gilt als Problemregion. Bildrechte: imago images / Rainer Unkel

Große Teile Thüringens sind nach Ansicht des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) sogenannte Problemregionen. Das IW in Köln untersuchte in einer Studie, wie die 96 Raumordnungsregionen Deutschlands in den Bereichen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur aufgestellt sind. Dabei wurde in insgesamt 19 Regionen die Situation als problematisch eingestuft.

Thüringen mit Problemregionen - Erfurt und Weimar schneiden besser ab

Der IW-Studie zufolge sind im Freistaat Nord-, Ost- und Südthüringen gefährdete Regionen. Hier seien die schlechte Breitbandversorgung sowie die Abwanderung und das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung als kritisch einzustufen. Nur der Raum Mittelthüringen schneidet insgesamt gesehen besser ab: Die Region Erfurt, Weimar, Sömmerda, der Ilm-Kreis und der Kreis Gotha konnten demnach in den Kriterien Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur überzeugen. Sie erreichen laut IW in diesen Punkten sogar ein mit westdeutschen Boom-Gebieten vergleichbares Niveau.

IW-Studie stößt in Thüringen auf Kritik

Die Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft stößt in Thüringen auf Kritik. Die Präsidentin der regionalen Planungsgemeinschaft Ostthüringen, Martina Schweinsburg, sagte MDR THÜRINGEN, sie sei es leid, dass immer wieder Institute von der Ferne aus eine Meinung über ihre Region bilden würden. Die Situation vor Ort sei anders.

Natürlich gab es nach der Wende einen Bevölkerungsrückgang, so Schweinsburg. Aber seit mehreren Jahren zeige die Kurve bei den Geburten steil nach oben. Die Bürgermeister in Ostthüringen hätten alle Hände voll zu tun, ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen. Nach Schweinsburgs Ansicht bringe es nichts, die Menschen mit einer solchen Studie - so wörtlich - verrückt zu machen.

Studie sieht Probleme auch im Westen

Laut IW liegen weitere Regionen, die mit massiven Problemen zu kämpfen haben, unter anderem in Sachsen-Anhalt und Sachsen, allerdings auch in den alten Bundesländern. Besonders düster sehe es in den Regionen Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven aus: Sie alle hätten mit hoher Arbeitslosigkeit, geringer Produktivität und einer starken Verschuldung der privaten Haushalte zu kämpfen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. August 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2019, 18:26 Uhr

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22 Kommentare

10.08.2019 09:18 Mediator an MDR(21) 22

Die Arbeitslosenzahlen auf die ich mich bezihe stammen aus einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung vom30.3.10 mit dem Titel "Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland". Die Grundaussage, dass seit dem Regierungsantritt Merkels sich die wirtschaftliche Situation für sehr viele dieser ehemals Erwerbslosen wohl besser geworden ist, ändert sich aber sicher nicht mit 2% rauf oder runter. Populisten tun ja immer gerne so, dass die Existenz von Problemen irgendwo sofort ein Versagen der politisch Verantwortlichen darstellt. Gerne vergessen die Menschen wie es wohl in weiten Teilen Thüringens aussah, als 1/5 der erwerbsfähigen Menschen dort ohne Arbeit zu Hause von der Stütze lebte. Momentan gibt es Spielräume um und Chancen an diesen Problemen etwas zu verändern. In den Jahren 2005 und davor wurden dafür teilweise bereits die Weichen gestellt.

09.08.2019 16:04 Mediator 21

@Manni(19): Sorry, aber an ihrem Knochen ist kein Fleisch als Diskussionsansatz! Was passiert denn angeblich wie und warum und wer soll "die Politik" sein? @Bingo(18): Ach gottchen ein Flüchtlingsgegner! Als die Arbeitslosigkeit früher im Westen hoch war haben die NEONAZIS gegen Ausländer mobil gemacht, so als ob man alle Probleme gelöst hätte, würde man die nur rauswerfen. Ähnlich tönt wohl die Partei ihrer Wahl.
Sorry, aber Problemregion bedeutet nicht, dass da alle im Elend leben, sondern nur, dass Probelme die es überall gibt hier besonders ausgeprägt sind. Ansonsten ist es nicht Aufgabe der Bundesregierung Regionen in Thüringen mit Geld zuzuschütten und Kombinate aus dem Boden zu stampfen wie einige es sich vorstellen. Ansonsten schauen sie sich einfach mal die Arbeitslosenzahlen an und dann sehen sie schon die realen Erfolge der Regieurng Merkel die sich ganz direkt auf jeden Menschen auswirken: 2005 lag die AL Quote Ost bei über 20% und aktuell bei ca. 6,3%.

MDR THÜRINGEN/ls:
Anmerkung der Redaktion: Die Arbeitslosenquote der neuen Bundesländer (inklusive Berlin) lag 2005 bei 18,7%.

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