Landkreis Gotha Jäger findet bei Ballstädt bewegende "Luftpost"

Am vierten Adventswochenende hat ein Jäger bei Ballstädt im Kreis Gotha einen zu Herzen gehenden "Luftpostbrief" gefunden. Bei der Absenderin handelt es sich um eine Mutter aus der Nähe von Lyon in Frankreich. In dem Brief, der an einem Ballon hing, schreibt sie an ihren verstorbenen Sohn Geburtstagsgrüße.

Brief
Der Brief hing an einem Luftballon. Er enthält bewegende Worte in französischer Sprache. So verrät das Schreiben, dass der verstorbene Junge am 17. Dezember 24 Jahre alt geworden wäre. Bildrechte: MDR/Fischer

Für Tobias Lange war es zunächst ein ganz normaler Pirschgang. Der Jäger war am vierten Adventssonntag an einem kleinen Waldstück unmittelbar an der Bahnstrecke zwischen Ballstädt im Kreis Gotha und Eckardtsleben (Unstrut-Hainich-Kreis) unterwegs.

Er spekulierte darauf, kurz vor Weihnachten noch ein Reh zu erlegen. Seine Aufmerksamkeit gehörte am Ende des Tages nicht mehr dem Wild im Gelände, sondern einem weißen Luftballon, der sich in einem Baum verfangen hatte. An der Ballonschnur war ein Brief befestigt.

Eine Mutter schreibt bewegende Worte an ihren Sohn

Lange nahm den Brief, der in französischer Sprache verfasst war, an sich und ließ ihn sich von einem Bekannten übersetzen. Dabei kam eine in mehrerer Hinsicht bemerkenswerte und bewegende Geschichte heraus: Eine Mutter schreibt ihrem verstorbenen Sohn zu dessen 24. Geburtstag. Zeilen voller Schmerz und inniger Liebe für das viel zu früh verlorene Kind.

Wir werden heute alle zusammen sein, um Deiner zu gedenken. Die Lücke, die Du hinterlassen hast, ist unerträglich. Jeder Tag ist ein Kampf... Ich liebe Dich mein Schatz. Du bist bei uns, jede Minute meines Lebens. Deine Mutter.

Telefonanruf in Frankreich

Nach einem Telefonanruf in Frankreich zeichnet sich folgende Geschichte ab: Der Brief war am 17. Dezember in der Kleinstadt Le Creusot, 80 Kilometer nördlich von Lyon, mit dem Luftballon gen Himmel "abgeschickt" worden, ehe er sich nach rund 650 Kilometer Luftlinie in einem Baum in Thüringen verfing. David Pipponiau, Redakteur der Lokalzeitung "Journal de Saône et Loire", geht davon aus, dass es sich bei dem Verstorbenen um Hugo C. handeln muss, der vor fast drei Jahren ums Leben kam.

Schrecklicher Unfall mit sechs Toten

Am 1. April 2017 hatte es auf einer Landstraße bei Montecins einen schrecklichen Unfall mit sechs Toten gegeben. Mit Hugo starben im selben Auto auch seine Freunde Clemence und Clement. Die Gemeinde gedenke der drei zu jedem Jahrestag des Unfalls mit großer Anteilnahme, erzählt der Redakteur am Telefon.

Jäger Tobias Lange ist tief betroffen, als er die Geschichte hinter dem Brief erfährt. "Ich wünsche, dass die Familie trotz dieser Tragödie ein friedvolles Weihnachtsfest feiern kann. Vielleicht ist es ja ein kleiner Trost, dass jetzt auch Menschen in Thüringen mit ihnen fühlen, nachdem der Brief so eine weite Strecke zurückgelegt hat."

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 25. Dezember 2019 | 11:45 Uhr

8 Kommentare

Sunshine vor 22 Wochen

Genau dies meinte ich. Bei uns ist zeitlich begrenztes Trauern o.k. , aber eine Trauerkultur hatte hier, vor dem Hintergrund der vielen Toten aus 2Weltkriegen, keine Chance sich zu entwickeln. Jeder trägt seinen Rucksack mit sich, auch die die nicht darüber reden wollen. Häufig haben aber gerade diese Leute die meisten Probleme. Oft Jahre, Jahrzehnte später mit dramatischen Folgen.

Reiner Wahnsinn vor 22 Wochen

An wwdd: Ihr Beitrag ist korrekt und makaber zugleich. Was ist so schlimm daran, wenn Menschen Ihrer Toten gedenken? Man wird doch auch mal weinen dürfen. Sie wollen bestimmt auch nicht auf dem Komposthaufen verscharrt werden!

Sunshine vor 22 Wochen

Vielen Dank an Herrn Lange, dass dieser Fund hier veröffentlicht werden kann.
Vor allem an Weihnachten wird der Tod, gerade eines Kindes, als besonders schmerzhaft empfunden. Es sind diese Geschichten die uns die Vergänglichkeit des Lebens bewußt machen. Gerade hier in Deutschland wird der Tod zu häufig ausgeblendet, als Tabu behandelt. Auf diesem Gebiet sind wir hier Entwicklungland, im Vergleich zu anderen Kulturen.

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