Ein Auto steht im Wasser.
330 Millionen Euro hat das Land seit 1994 in den Ausbau von Schutz gegen Hochwasser investiert Bildrechte: MDR Fernsehen

Tauwetter und Regen April 1994: Als Thüringen plötzlich gegen das Hochwasser kämpfte

Nur alle 100 Jahre kommt es statistisch zu einem Hochwasser wie Thüringen es am 13. April 1994 erlebte. Starker Regen und Schneeschmelze ließen u.a. die Saale, Schwarza, Werra und die Gera über die Ufer treten. Ein Mann aus Unterweißbach kam in den Fluten der Lichte ums Leben. Schäden von rund 165 Millionen DM waren die Folge.

Ein Auto steht im Wasser.
330 Millionen Euro hat das Land seit 1994 in den Ausbau von Schutz gegen Hochwasser investiert Bildrechte: MDR Fernsehen

Das Land Thüringen hat seitdem rund 330 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Wie ein Sprecher des Umweltministeriums MDR THÜRINGEN sagte, kamen die Gelder vom Land, dem Bund und der Europäischen Union. Seit dem Hochwasser 1994 seien Deiche und Schutzmauer gebaut worden, um Orte vor Überschwemmung zu schützen. Es entstanden Rückhaltebecken, Schöpfwerke und Wehre, um Wasserflüsse zu steuern.

Ziel sei es, das Bäche und Flüsse ihren natürlichen Weg nehmen und sich ausbreiten können, so Experten vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN). Dadurch fließen die Gewässer langsamer und die Schäden an Gebäuden, Feldern und Wiesen durch ein Hochwasser könnten geringer ausfallen. Damit Wasser besser abfließen können, brauche es Flächen.

Verstärkter Hochwasserschutz an Werra und Weißer Elster

Hochwasser könnten am häufigsten an der Werra entstehen, weil hier die Niederschläge meist kräftig fallen, sagt Peter Krause vom TLUBN. Auch Anwohner unterhalb der Saale-Talsperren müssten mit Hochwasser rechnen. Durch zwei Großprojekte sollen beispielsweise die Ortschaften Harras und Sachsenbrunn im Landkreis Hildburghausen geschützt werden. In Harras wurden nach Angaben des Umweltministeriums für rund 13,5 Millionen Euro u.a. ein Deich, Entwässerungsleitungen, zwei Schöpfwerke und eine knapp einen Kilometer lange Betonmauer gebaut. Bei Angelroda im Ilmkreis soll ein neues Rückhaltebecken vor Hochwasser an der Zahmen Gera schützen. In Gera sind nach Angaben des TLUBN nach dem Hochwasser von 2013 Schutzanlagen verbessert worden. Rund 6,4 Millionen Euro investiert das Land in eine Staumauer mit 1,5 Kilometern Länge entlang der Weißen Elster unterhalb und oberhalb der Untermhäuser Brücke.

Als Risikogewässer hat das Land 74 Gewässer bzw. deren Abschnitte ausgewiesen auf einer Länge von rund 1.900 Kilometern. Das entspricht etwa zwölf Prozent der Gewässer in Thüringen.

Gelder auch für Wasserwehren und Fachberater

Nach Angaben des Umweltministeriums unterstützt das Land die Landkreise, indem es die Erstausstattung von Wasserwehren sowie Fachberater und Schulungen zum Hochwasserschutz finanziert. Für die Pflege von kleinen Gewässern und Hochwasserschutzanlagen sollen nach Plänen der Landesregierung ab 2020 sogenannte Gewässerunterhaltungsverbände für die Kommunen tätig werden. Dadurch soll nach Angaben des Umweltministeriums "der Hochwasserschutz aus einer Hand geplant werden und nicht mehr an den Gemeindegrenzen aufhören."

Hochwassernachrichtenzentrale warnt vor Gefahren

Vor 25 Jahren sorgte starker Regen und Schneeschmelze für Schäden von rund 165 Millionen DM. Saale, Schwarza und Loquitz traten damals über die Ufer, wie auch Gera, Ilm und Werra. Tausende Polizisten, Feuerwehrleute, das THW und freiwillige Helfer versuchten Anwohner zu schützen. Ein Mann aus Unterweißbach wurde von den Fluten der Lichte mitgerissen. Nach dem Hochwasser 1994 begann die damalige Landesregierung den Warn-und Alarmdienst vor Hochwasser zu verbessern. Eine Hochwassernachrichtenzentrale wurde im Jahr 2008 eingerichtet, die Vorhersagen trifft, vor Gefahren gewarnt und über Pegel der Flüsse informiert. Dafür gibt es eine App und den MDR-Videotext.

Ausstellung in Rudolstadt

Am Samstagvormittag beginnt in Rudolstadt eine Fotoausstellung zum Jahrhunderthochwasser. Zu sehen sind 270 Fotografien aus dem Stadtarchiv in Rudolstadt und von Privatpersonen, wie eine Sprecherin des Theaters mitteilte. Das Theater hatte zuvor Zeitzeugen dazu aufgerufen, ihre Fotos für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

Die Fotografien werden bis zum 4. Mai im Einkaufszentrum Galeria Rudolstadt gezeigt. Neben Rudolstadt waren auch Schwarza, Sitzendorf, Unterweißbach, Königsee und Zeutsch vom Hochwasser betroffen. In Schwarza und Rudolstadt wurden Brücken beschädigt und Straßen überflutet. Mehrere Menschen mussten aus den Wassermassen gerettet werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 13. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2019, 08:12 Uhr

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