Arbeit auf Zeit Zahl der Leiharbeiter 2018 gesunken

Jahrelang war es ein Trend in Thüringen: Die Zahl der Leiharbeiter ist von 2013 bis 2017 stetig gestiegen. Doch im vergangenen Jahr hat sie erstmals abgenommen. Mitte 2018 hatten noch etwa 34.600 Thüringer einen Job als Leiharbeiter, wie die Agentur für Arbeit mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es fast 35.400 Menschen. Damit ging die Zahl der Leiharbeiter im Freistaat binnen eines Jahres um etwa zwei Prozent zurück. Der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, sieht vor allem eine Ursache für diese Entwicklung: die für Beschäftigte zunehmend bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Einer der Gründe für den Rückgang der Leiharbeiter in Thüringen ist die Tatsache, dass Arbeitskräfte im Land knapper werden. Das bedeutet bessere Chancen für Leiharbeiter auf eine Festanstellung.

Kay Senius, Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen
ARCHIV - Vertrauensleute des Mercedes-Benz-Werkes Bremen protestieren mit T-Shirts mit der Aufschrift "Werkvertrag", "Stammmitarbeiter", "Leiharbeitnehmer" am 24.09.2015. (zu "Gesetz zur Leiharbeit tritt in Kraft" vom 31.03.2017)
Leiharbeiter werden auf Zeit an Unternehmen ausgeliehen und verdienen meist weniger als die dortige Stammbelegschaft. Bildrechte: dpa

Auf der anderen Seite sei bei den Unternehmen der Anreiz größer, Menschen direkt anzustellen, weil sie hofften, damit Arbeitskräfte an ihr Unternehmen binden zu können. Zudem hätten wahrscheinlich auch neue gesetzliche Vorgaben dazu geführt, dass Leiharbeiter vermehrt von den Entleihfirmen übernommen worden seien oder einen Job außerhalb der Zeitarbeit gefunden hätten, sagte Senius.

Der Rückgang markiert eine Trendwende in Thüringen. Zwischen den Jahren 2013 und 2017 war die Zahl der Zeitarbeiter von rund 31.000 kontinuierlich auf mehr als 35.000 Menschen gestiegen. Besonders deutlich fiel der Rückgang der Zahl der Leiharbeiter von 2017 zu 2018 bei Menschen aus, die ausschließlich als geringfügig Beschäftigte gearbeitet hatten. Waren vor zwei Jahren noch etwa 1.200 Menschen auf dieser Basis in der Zeitarbeit tätig, waren es 2018 nur noch etwas mehr als 1.000 Männer und Frauen. Das entspreche einem Rückgang von mehr als 13 Prozent, hieß es.

Immer mehr Geflüchtete als Leiharbeiter beschäftigt

Allerdings gibt es den Daten nach Veränderungen bei den einzelnen Beschäftigungsgruppen in der Leiharbeit. Denn während Deutsche zuletzt seltener als Leiharbeiter tätig waren, stellten die Zeitarbeitsfirmen immer mehr Menschen aus Asylherkunftsländern wie Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Somalia oder Syrien ein. Ihre Zahl stieg von etwas mehr als 700 im Jahr 2017 auf fast 1.800 im Jahr 2018. "Zeitarbeitsunternehmen greifen mittlerweile zur Deckung des Bedarfs stärker auf ausländische Mitarbeiter zurück, weil es schwieriger geworden ist, deutsches Personal zu finden", sagte Senius. Eine Beschäftigung in Zeitarbeit könne für Ausländer und insbesondere auch Geflüchtete eine erste Brücke in den Arbeitsmarkt sein.

In Thüringen sind besonders im Verkehrs- und Logistikgewerbe, aber auch im Metallbau viele Menschen als Leiharbeiter beschäftigt. Leiharbeiter sind meist für Unternehmen attraktiv, die schwankende Auftragslagen haben. Sie werden befristet eingestellt. Ihre Löhne liegen meistens niedriger als die Verdienste der Stammbelegschaft

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. März 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 08:05 Uhr

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1 Kommentar

13.03.2019 09:14 Mediator 1

Das ist doch ein guter Trend!

Immer mehr Deutsche schaffen es aus einem Leiharbeitsverhältnis in einen normalen Arbeitsvertrag und auch die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Flüchtlinge legt kontinuierlich zu.

Bei all der hysterischen Diskussion um das Thema Leiharbeit sollte man übrigens auch immer beachten, dass unter 5% der Arbeitsverhältnisse in Deutschland Leiharbeitsverhältnisse sind. der übergroße Anteil der deutschen Arbeitsnehmerschaft hat also ganz normale Arbeitsverträge. Das wird gerne übersehen, wenn wieder mal ketisch über Leiharbeit diskutiert wird.

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