Religion Jüdische Tora reist durch Thüringen

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen bekommt eine neue Tora-Rolle, die der Rabbiner Reuven Yaacobov von Hand schreibt. Am 4. November kann man ihn im südthüringischen Berkach bei seiner Arbeit beobachten.

Der Berliner Rabbiner Reuven Yaacobov schreibt den ersten Buchstaben der neuen Tora-Rolle für die jüdische Gemeinde in Thüringen.
Der erste Buchstabe der neuen Tora-Rolle für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen wurde vor einem Jahr geschrieben. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Die neue Tora für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen geht auf Reisen. Am 4. November können Interessierte in der Synagoge im südthüringischen Berkach (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) live verfolgen, wie der speziell dafür ausgebildete Berliner Rabbiner Reuven Yaacobov den hebräischen Text von Hand mit Feder und Papier auf Pergament schreibt. Die Tora ist die Heilige Schrift der Juden und umfasst die ersten fünf Bücher Mose. Sie beinhaltet mehrere Hundert Ge- und Verbote.

"Tora ist Leben" - so heißt das Projekt, das zwei Jahre lang das Schreiben dieser Tora begleitet. In Workshops werden dabei über 700 Schülerinnen und Schüler in Thüringen erreicht. Zehn Vortragsabende mit renommierten Referenten in sechs Thüringer Städten vermitteln zudem wichtiges Wissen rund um die Tora.

Thüringen feiert 900 Jahre jüdisches Leben

Zu dem Termin in Berkach werden neben dem Landesvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Reinhard Schramm, auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erwartet. Danach seien neun weitere öffentliche Auftritte Yaacobovs unter anderem in Erfurt, Nordhausen und Eisenach geplant.

Das Tora-Projekt ist auch ein Hauptpunkt eines speziellen Themenjahrs: Der Freistaat feiert Jahr 900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen. Die Jüdische Landesgemeinde zählt heute etwa 700 Mitglieder.

Festumzug 2021 in Erfurt

Die neue Tora-Rolle für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen, ein Geschenk der beiden christlichen Kirchen, soll im kommenden Jahr mit einem großen Fest in die Synagoge nach Erfurt gebracht werden. Dafür sei auch angedacht, mit der fertig geschriebene Tora-Rolle am 30. September in einem Festumzug durch die Stadt in die Synagoge zu ziehen. "Ich finde es auch als Zeichen schön. Jüdisches Leben wird häufig nur mit Holocaust oder mit Dingen, die damit zusammenhängen, in Verbindung gebracht", sagte Landesrabbiner Alexander Nachama am Montag in Erfurt. Umso schöner sei es, wenn es Gelegenheit gebe, jüdisches Leben nach außen hin zelebrieren zu können.

Quelle: MDR THÜRINGEN, epd, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Oktober 2020 | 14:00 Uhr

6 Kommentare

Harka2 vor 4 Wochen

Wohl öfter in Geschichte gefehlt? Vor ca. 1500 Jahren herrschten im Süden Spaniens tolerante moslemische Herrscher. An der Universität von Cordoba forschten moslemische, jüdische und christlich spanische Forscher gemeinsam. Es wurden alte Texte aus der arabischen Welt übersetzt. Die Araber waren damals die Erben großer Kulturen. Ägyptische, griechische und römische Werke, aber auch die vieler älterer Kulturen wurden in für das Abenland verständlichere Worte übersetzt. Wissen aus Medizin, Philosophie, Mathematik und Physik wurde für die europäischen Hinterwälder damals erschlossen. Das Wissen aus Jahrtausenden vorchristlicher Kultur wurde dem Okzident zur Verfügung gestellt. Leider war Spanien zu borniert und vornehmlich christlich fanatisch eingestellt, um aus diesem Potential nachhaltig schöpfen zu können. Der Weg der Fanatiker führten zu Hexenverbrennungen und mittelfristig in die Bedeutungslosigkeit Spaniens in der Neuzeit.

Harka2 vor 4 Wochen

Auch als Atheistin darf man sich mit Geschichte und Traditionen beschäftigen. Europa und hier insbesondere Spanien hat den Juden sehr viel hinsichtlich Wissen und Kultur zu verdanken.

Kelte vom Oechsenberg vor 4 Wochen

Besser wäre wohl Atheistin. Und wenn es Ihnen egal ist, warum schreiben Sie einen Kommentar? Es ist genauso uninteressant wie ihr letztes Sonntagsessen.

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