Kinder werden von Erwachsenen betreut.
Erzieher oder Kindheitspädagoge? Der Unterschied zeigt sich nicht zuletzt bei der Bezahlung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erfurt Kindheitspädagogen: gewollt, aber schlechter bezahlt

300 bis 400 Euro weniger pro Monat bekommen studierte Kindheitspädagogen im Gegensatz zu Erzieherinnen im Grundschulhort. Und das bei ähnlicher Arbeit. Der Grund: Den Beruf gibt es nicht im Tarifvertrag und das Land als Arbeitgeber lässt sich Zeit damit, das zu ändern.

von Alexander Reißland

Kinder werden von Erwachsenen betreut.
Erzieher oder Kindheitspädagoge? Der Unterschied zeigt sich nicht zuletzt bei der Bezahlung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer im Grundschulhort arbeiten will, sollte einen Abschluss als Erzieherin haben. Denn dafür gibt es vom Land die Entgeltgruppe 8. Studierte Kindheitspädagogen hingegen landen bei Neueinstellung drei Gehaltsklassen tiefer, in der Entgeltgruppe 5. Ein Skandal, findet Prof. Dr. Michaela Rißmann. Sie leitet den Bachelorstudiengang "Pädagogik der Kindheit" an der Fachhochschule Erfurt. Seit 2007 werden hier Kindheitspädagogen ausgebildet. Und das auf ausdrücklichen Wunsch der Landesregierung. Denn das Land selbst hat sich mit dem Thüringer Bildungsplan mehr professionelle Vielfalt auf die Fahnen geschrieben.

Ausgebildet wie Spezialisten, bezahlt wie eine Hilfskraft

„Erzieherinnen und Erzieher bekommen eine Breitbandausbildung. Sie sind ausgebildet für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bis zum 27. Lebensjahr. Ein Kindheitspädagoge hingegen erhält eine spezialisierte Ausbildung für die Arbeit mit Kindern und deren Familienangehörigen bis zum Ende der Grundschulzeit", so beschreibt Rißmann den Unterschied. Doch obwohl seit 2007 im Freistaat Spezialisten ausgebildet werden, weiß keiner damit umzugehen, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen (GEW). „Statt die jungen Menschen wie Pädagogen zu bezahlen, werden sie wie eine Nicht-Fachkraft, beispielsweise wie eine pädagogisch-ungelernte Fleischfachverkäuferin oder Frisörin entlohnt", kritisiert Nadine Hübener. Die Gewerkschaftsreferentin kämpft seit Jahren für eine faire Bezahlung. Dafür müsste der staatlich anerkannte Beruf Kindheitspädagoge aber im Tarifvertrag auftauchen. Das tut er bislang nicht. „Da schiebt einer dem anderen den schwarzen Peter zu. Die einen sagen, das ist Sache des Finanzministeriums. Das Finanzministerium sagt, das Bildungsministerium muss nur die entsprechende Anweisung geben. Und die dritten sagen, das ist ja eh Sache der Tarifverhandlungen. Und in der Zeit spart man viel Geld", so Rißmann.

Scheinbar nicht nur ein Hort-Problem

Nicht nur in den Schulhorten scheint man so Geld sparen zu wollen, sondern auch in mancher Kommune. Seit September arbeitet Julia (vollständiger Name der Redaktion bekannt) als Erzieherin in einer Thüringer Kindertagesstätte. Bislang wurde die Kita von einem freien Träger geführt. Zum Jahreswechsel allerdings hat die Kommune die Einrichtung übernommen und damit alle Mitarbeiter. Laut neuem Vertrag soll die studierte Kindheitspädagogin jetzt nur noch eine Hilfskraft sein. Statt der Gehaltsstufe 8 gruppiert die Stadt sie gar vier Stufen tiefer ein.

Bildungsministerium will handeln

Zumindest die schlechte Bezahlung im Hortbereich ist dem Bildungsministerium bekannt. Für Minister Helmut Holter (Die Linke) ist das eine Sache des Tarifvertrages. Den muss das Finanzministerium, in Person Heike Taubert (SPD), aushandeln. Allerdings sagte er MDR THÜRINGEN, er werde sich dafür einsetzen, dass auch Kindheitspädagogen wie Erzieherinnen bezahlt werden. Zunächst gilt es eine Gleichstellung zu prüfen. Wie schnell das geht, lässt Holter offen. Die Fachhochschule hat derweil Konsequenzen gezogen. Studierende dürfen derzeit kein Praktikum in einem Grundschulhort absolvieren. „Wenn das Land sie nicht ordnungsgemäß eingruppiert, bilden wir sie dafür auch nicht aus", so Studiengangs-Leiterin Prof. Dr. Michaela Rißmann.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2018, 20:01 Uhr

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5 Kommentare

28.05.2018 08:56 martin 5

Da wird der Fachkräftemangel beklagt und gut ausgebildete Menschen werden nicht anerkannt. Da ist es schon eine bemerkenswerte Leistung, wenn die Ministerien sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben. Und ich dachte immer, dass man am Kabinettstisch miteinander (auch) darüber redet, wie die Herausforderungen unseres Landes sinnvoll gelöst werden. Ein solches Verhalten ist leider Öl ins Feuer der Populisten und RRG-Hasser.

@Siegfried: Eine Fachschul-Ausbildung die zur staatlichen Anerkennung führt entspricht nicht einem "Staatsexamen". Auch wenn Sie es noch so oft behaupten: Wir leben nicht in einer Bananen-Republik - auch wenn es im Gegensatz zur DDR die Bananen heute in jeder Kaufhalle gibt.

27.05.2018 16:41 wwdd 4

Seit Menschengedenken gabe es noch nie viel Geld mit Kindererziehung oder Altenpflege zu verdienen. Es viel einfach ab und wurde erledigt. Warum sollte sich das jetzt auch ändern?

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