Nach Landtagswahl in Thüringen Kirchenvertreter und Zentralrat der Juden warnen vor Spaltung der Gesellschaft

Thüringens Bischöfe und der Zentralrat der Juden zeigen sich angesichts der Ergebnisse zur Thüringer Landtagswahl besorgt. Sie fürchten eine Spaltung der Gesellschaft. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sagte, das Ergebnis der Landtagswahlen sei eine große Herausforderung.

Es zeige eine deutliche Polarisierung in der thüringischen Gesellschaft. "Komplizierte Verhältnisse in einer Demokratie wie jetzt in Thüringen werden von Populisten gerne genutzt, um gegen das 'System' zu polemisieren. Dagegen müssen aufrechte Demokratinnen und Demokraten aufstehen und unsere Werte verteidigen: am Stammtisch, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und wo auch immer populistische Phrasen gedrechselt werden."

Zentralratspräsident Schuster: "Ausrede der Protestwahl zieht nicht mehr"

Josef Schuster, Vorsitzender Zentralrat der Juden Deutschland
Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch der Zentralratspräsident der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat mit Besorgnis auf den hohen Stimmenanteil der AfD bei der Landtagswahl reagiert. Gerade in Thüringen gebe es keinen Zweifel an der rechtsnationalen Ausrichtung der Partei, der fast ein Viertel der Wähler am Sonntag ihre Stimme gegeben hatten. "Jeder, der am Sonntag die AfD gewählt hat, trägt eine Mitverantwortung dafür, dass das Fundament unserer Demokratie sukzessive untergraben wird", sagte Schuster.

Viele AfD-Wähler hätten sich "mit billiger rassistischer Stimmungsmache und Abwertung der regierenden Parteien" einfangen lassen. Die Ausrede der Protestwahl ziehe nicht mehr betonte Schuster.

Kramer wenig überrascht über Ausgang der Wahl

Weniger überrascht über den Wahlausgang zeigte sich der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer. "Ich warne davor, das Ergebnis der AfD als reine Protesthaltung oder politische Unreife abzutun. Es handelt sich hier um manifeste politische Grundüberzeugungen." Wohin "solche Überzeugungen in einem Klima von gewaltsamer Sprache und Hass führen" können, hätte der rechtsextreme Anschlag in Halle vor knapp drei Wochen gezeigt, so Kramer.

Quelle: epd/kna/MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Oktober 2019 | 11:00 Uhr

4 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 47 Wochen

Ich denke freie Menschen müssen sich nicht vor die Karre einer Religion spannen lassen, das hat zwar Jahrhunderte prima geklappt, aber sollte in der politischen Welt kein Gewicht mehr haben.
Diese weltfremden Phantasten gleich welcher Religion sollten erst vor der eigenen Türe fegen als andere zurecht zu weisen, da liegt bei jeder Religion genügend Dreck davor.
Als Konfessionsloser sind mir solche Sprüche dieser (Schein) Heiligen zutiefst zuwider..

SGDHarzer66 vor 47 Wochen

Können die Vertreter des ZdJ sich nicht einmal aus Debatten heraushalten, welche sie absolut nichts angeht? Wäre auch mal ein schöner Zug dieser Moralapostel.
Guten Abend.

charlie fox vor 47 Wochen

Es war doch die katholische Kirche, die während einer Rede von Hr. Höcke auf dem Erfurter Domplatz die Kirchenglocken läuten ließ.
Also, wer spaltet die Gesellschaft?

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