Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern
Mandy Peter mit ihren Kindern Jasmin (6) und Matti (elf Monate). Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Wohin mit dem Kind? Thüringen droht massiver Kita-Platz-Mangel

In Thüringen fehlen Kindergartenplätze. Der Bedarf ist an manchen Orten deutlich höher als die Einrichtungen anbieten können. Das hat eine MDR THÜRINGEN-Umfrage ergeben. Grund sind die gestiegenen Geburtenzahlen und ein Zuzug von Familien aus dem Umland in die angefragten Städte.

von Juliane Maier-Lorenz

Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern
Mandy Peter mit ihren Kindern Jasmin (6) und Matti (elf Monate). Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Mandy Peter aus Apolda spürt gerade am eigenen Leib wie nervenaufzehrend die Suche nach einem Kindergartenplatz sein kann. Ihr Sohn Matti wird Mitte Juni ein Jahr alt, hat ab da einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Doch den kann die Stadt erst ab dem 1. August gewährleisten. Das wollte die junge Mutter von zwei Kindern nicht hinnehmen, hat jetzt mit ihrem Anwalt die Klage auf einen Rechtsanspruch vorbereitet. Sie ist damit wahrscheinlich eine der Ersten, die in Thüringen diesen Weg bestreitet.

Zuvor hatte ihr die Jugendhilfe Apolda den Vorschlag gemacht, sich doch nach Jena zu wenden und dort Tagesmütter zu beanspruchen: "Wir können das nicht finanziell abfedern, wurden seitens der Stadt an die Tagesmütter nach Jena verwiesen, weil ich dort arbeite. Aber auch dort hat jeder nur mit dem Kopf geschüttelt". Außerdem hätte die Familie ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz in Apolda verloren, so Peter.

In Apolda werden nach Angaben der Stadt 863 Kinder in sieben Einrichtungen betreut. Bisher hätten die Kapazitäten immer ausgereicht, sagt ein Sprecher der Stadt. Allerdings steigen auch hier die Geburtenzahlen. Apolda will investieren und Kindergärten ausbauen. 

Erfurt hat Entwicklung verschlafen

Ulrike Grosse-Röthig, Landeselternsprecherin der Kindertagesstätten Thüringen
Ulrike Grosse-Röthig Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

In Erfurt kennt man das Problem um die fehlenden Kindergartenplätze. Dort ist die Lage besonders dramatisch. Aktuell fehlen bereits 500 Plätze. Dazu kommt, dass in den kommenden Jahren schätzungsweise noch 800 Plätze mehr benötigt werden. Wie Ulrike Grosse-Röthig, Thüringer Landeselternsprecherin der Kindertagesstätten sagte, habe die Stadt die Entwicklung um die Geburtenraten "schlichtweg verschlafen". "Die Situation für Eltern ist einfach katastrophal."

Das weiß auch Denny Möller, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt. Seinen Angaben zufolge investiert Erfurt etwa zwölf Millionen Euro in die Kindertagesstätten. Um den Bedarf zu decken müssten zusätzlich fünf neue Kindergärten gebaut werden.

Bedarf gerade in Städten steigend

Auch in Gotha, Eisenach und Gera ist der Bedarf an Kindergartenplätzen in den kommenden Jahren hoch. So will Gotha einen neuen Kindergarten mit 120 Plätzen bauen, um den wachsenden Bedarf abzufangen. In Eisenach wird derzeit versucht, die bestehenden Einrichtungen zu vergrößern, da auch hier mehr Kinder erwartet werden. Aktuell werden in weiten Teilen Thüringens neue Kindergärten gebaut und bestehende erweitert, um die steigende Zahl von benötigten Betreuungsplätzen zu decken. Dafür sind mehr als 20 Millionen Euro veranschlagt.

Nach Angaben der Stadt Jena wird sich die derzeit knappe Versorgungslage mit Betreuungsplätzen 2019 deutlich entspannen. Die Thüringer Landeselternvertretung der Kindertagesstätten bezweifelt dies allerdings und verweist auf zahlreiche Negativbeispiele aus Jena.

Eine Frau blättert in einem Aktenordner
Mandy Peter sieht die Schreiben der Stadt Apolda durch. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Seit 2017 sind in ganz Thüringen etwa 25 Millionen Euro Fördermittel in den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen geflossen. Das Bildungsministerium verweist gerne darauf, dass der Freistaat eines der wenigen Bundesländer sei, das die Fördermittel aus dem Investitionsprogramm zur Kinderbetreuungsfinanzierung des Bundes auch nahezu vollständig abruft. Doch all das hilft Mandy Peter und ihrem kleinen Sohn Matti wenig.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 17. April 2019 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 20:23 Uhr

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11 Kommentare

19.04.2019 09:42 Günter Kromme 11

MDR THÜRINGEN:
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19.04.2019 07:12 Die kleine Meerjungfrau 10

MDR THÜRINGEN:
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