Kindergartenkinder reichen sich vor dem Essen die Hände.
Eltern melden ihre Kinder teilweise schon direkt nach der Geburt in der Wunsch-Kita an. Bildrechte: dpa

Kinderbetreuung Kaum Vergabe von Kitaplätzen per Internet in Thüringen

Krippen- und Kindergartenplätze sind vor allem in Jena, Erfurt und Weimar heiß begehrt. Die Stadtverwaltungen haben ihre Not, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu entsprechen. Wenn schon der Mangel regiert, dann soll es den Eltern wenigstens erleichtert werden, sich über das Angebot zu informieren und sich online um einen Kitaplatz zu bewerben. Jena und Erfurt setzen bereits auf Onlineportale.

Kindergartenkinder reichen sich vor dem Essen die Hände.
Eltern melden ihre Kinder teilweise schon direkt nach der Geburt in der Wunsch-Kita an. Bildrechte: dpa

Auch Rudolstadt hat die Vorzüge für Eltern und die Verwaltung für sich entdeckt. Hier sind aktuell ausreichend Betreuungsplätze in den Kindergärten vorhanden. In den vergangenen drei Jahren wurden 164 Plätze in den Kindertagesstätten neu geschaffen. Eltern können nach ein paar Eingaben per Tastatur und wenigen Mausklicken die geeignete Kita für ihre Kleinen suchen.

Benötigt werden Angaben zum Geburtsdatum und dem gewünschten Beginn der Betreuung. Mama und Papa können die Suche noch verfeinern, z.B. nach den Öffnungszeiten, dem Träger der Kita, dem pädagogischen Konzept oder der Religion. Maximal zwei Bewerbungen können drei Jahre vor Beginn der gewünschten Betreuung für die neun Kindergärten in Rudolstadt abgeschickt werden.

Onlineportal in Jena nach Ampelprinzip

In Jena hat man sich für eine andere Software entschieden - hier sind fünf Anfragen möglich. Eine Ampel zeigt an, ob der Lieblingskindergarten noch einen Platz übrig hat. Gelb heißt dabei vielleicht, weil bisher jemand reserviert hat. Wartelisten und Mehrfach-Bewerbungen sind nun passé.

Das Online-Portal ist ein Gewinn.

Tim Wagner Stadtelternsprecher Jena

Laut Wagner ist es transparent und sicher. Keiner könnte mehr bei der Vergabe der Plätze bevorzugt werden und beschwert habe sich beim Beirat auch noch niemand. Einen Wunsch haben die Elternvertreter aber noch. Sie würden durch das Onlineportal gerne Daten auslesen können, für welchen Stadtteil die meisten Bewerbungen eingingen. Denn Jena verwaltet die Mangelwirtschaft und muss dringend mehr Plätze - am besten wohnortnah - bereitstellen, so Wagner.

Onlinevergabe der Plätze in Erfurt nicht optimal

In Erfurt will sich der Jugendhilfeausschuss der Stadt am Donnerstag mit dem seit zwei Jahren etablierten Elternportal beschäftigen. Für CDU-Stadtrat Dominik Kordon erfüllt es noch immer nicht die Erwartungen. Im vergangenen Jahr beschwerten sich Eltern, dass es technisch nicht funktioniere. Das sei behoben, sagt Kordon. Wie auch die Vorsitzende des Stadtelternbeirats Daniela Just kritisiert der Stadtrat, dass noch immer nicht alle Betreiber der Kindertagesstätten ihre Plätze online anbieten. Auch Tagesmütter suchen die Eltern vergebens.

Kind und Spielzeug in Kita Kindergarten
Mehrfachanmeldungen können durch die Online-Portale ebenfalls vermieden werden. Bildrechte: dpa

Weiterer Kritikpunkt: Eltern mit kleinen Kindern, die noch nicht in Erfurt wohnen, aber in die Landeshauptstadt ziehen wollen, können das Portal nicht nutzen. Nach Angaben des Jugendamts beteiligten sich Anfang des Jahres von 38 Betreibern von Krippen und Kindergärten lediglich 18. Vor allem Träger von kleinen Kindertagesstätten lehnten eine Mitarbeit wegen zu großen Aufwands für wenige Plätze ab.

Sie setzen weiter auf persönliche Gespräche, so wie es in Thüringen üblich ist. Damit können sich Eltern nur auf Dreiviertel der Plätze in den 104 Erfurter Kindertagesstätten online bewerben. So manche Leitung aber will das Onlineportal nicht mehr missen. Sie sieht sofort, wenn sich Eltern für eine andere Krippe oder Kindergarten entschieden haben und dort den Betreuungsvertrag unterschreiben. Problematisch kann es manchmal sein, die Informationen immer auf dem neuesten Stand zu haben.

Pläne für Kita-Portal in Gera

Die Stadt Gera plant derzeit den Eltern ebenfalls die Kita-Plätze online anzubieten. Gemeinsam mit dem Stadtelternbeirat der Kindertageseinrichtungen soll ein Portal ausgewählt werden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Es soll möglichst in einem Jahr nutzbar sein.

Nordhausen steht kurz vor der Einführung

Die Stadt Nordhausen plant ebenfalls die Einführung eines Online-Portals. Derzeit prüft man verschiedene Anbieter. Nach den Erfahrungen anderer Städte wird dann etwa ein Jahr zur Einführung und Umstellung auf ein Online-Portal benötigt.

Derzeit zeigen Eltern ihren Betreuungsbedarf über die Beantragung einer Kita-card bei der Stadt Nordhausen an. Mit der Kita-card ist dann eine verbindliche Anmeldung in einer der 21 Kindertageseinrichtungen der Stadt Nordhausen möglich.

Die Stadt Weimar möchte den Eltern auch gern die Suche nach einem Betreuungsplatz für ihre Kinder erleichtern. Nach Angaben eines Sprechers setzt sich die Stadt "intensiv mit den Möglichkeiten und Grenzen von Kita-Portalen auseinander".

In Gotha hat sich das Jugendamt bisher gegen eine Online-Platzvergabe entschieden. Die Mitarbeiter setzen weiter auf persönliche Gespräche und den Kita-Wegweiser im Internet, heißt es aus der Stadtverwaltung. Nach Aussage einiger spezialisierter Software-Anbieter sind weitere einzelne Thüringer Kommunen an Internetlösungen für die Vergabe von Betreuungsplätzen interessiert - konkrete Aufträge gebe es aber noch nicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Ein stark beschädigtes Fahrzeug neben einer Straße 1 min
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 16. August 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2018, 11:29 Uhr

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