Notbetreuung endet Probleme beim Neustart der Kindergärten

Kindergärten in Thüringen können ab Montag in den eingeschränkten Regelbetrieb starten. In Kindergärten in Trägerschaft der Stadt Gotha, Greiz, in Bad Tabarz und in einzelnen Kindergärten im Ilmkreis endet damit die Notbetreuung für die Kinder. Einige Kommunen können die Hygiene-Auflagen des Landes noch nicht erfüllen. Dort wird die Notbetreuung ausgeweitet. Probleme macht beides.

Kindermalereien und ein Banner mit der Aufschrift Wir Vermissen Euch hängen am Kinderhaus Pittiplatsch in Potsdam-Babelsberg
Notbetreuung oder eingeschränkter Regelbetrieb - beides hat Vor- und Nachteile. Bildrechte: imago images/Martin Müller

In den kommunalen Kindergärten in Gotha, Greiz und Bad Tabarz sowie in einzelnen Kindertagesstätten im Ilmkreis endet die Notbetreuung für Kinder anspruchsberechtigter Eltern. Stattdessen startet der sogenannte eingeschränkte Regelbetrieb. Dabei werden wieder alle Kinder betreut, aber dafür weniger Stunden oder nur an einigen Tagen in der Woche.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Thüringen schätzt ein, dass die Mehrheit der Kindergärten in freier Trägerschaft damit frühestens am 25. Mai starten wird. Ab Montag werden zunächst Vorschulkinder, ihre Geschwister und Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf zusätzlich notbetreut. Die Träger benötigten Zeit, die notwendigen Hygienekonzepte den Vorgaben der Landesregierung zur Kinderbetreuung anzupassen, sagte Vizegeschäftsführer Steffen Richter.

Räume und Personal fehlen

Statt der bisher vorgeschriebenen Gruppengröße von maximal zehn Kindern zählt nun die Raumgröße. Träger befürchten Proteste der Eltern, wenn sie ihr Kind nicht mehr neun Stunden in die Notbetreuung bringen könnten, sondern nur tage- oder wochenweise. Schließlich müssten im eingeschränkten Regelbetrieb alle Kinder gleichberechtigt betreut werden. Für die Vollzeit-Betreuung fehlten aber in vielen Kindergärten die Räume und das Personal.

Das Ministerium empfiehlt für Kinder bis zwei Jahren eine Mindestfläche von sechs Quadratmeter und ab drei Jahren eine Mindestfläche von vier Quadratmeter. Außerdem müssen die Leiter der Kindergärten feste Kindergruppen bilden, die jeweils in einem Raum spielen, essen und schlafen. Der Gemeinde- und Städtebund kritisiert die unzureichende und kurzfristige Information der Kommunen durch das Bildungsministerium. Geschäftsführer Ralf Rusch sagte dem MDR, es sei zu wenig Zeit gewesen zwischen dem Bekannt- und dem Wirksamwerden des Hygienekonzepts für die Kindergärten. Bürgermeister und Kitaleiterinnen müssten damit rechnen, dass am Montagmorgen Eltern vor ihrer oder der Tür des Kindergarten stünden und forderten ihr Kind zu betreuen.

Abwälzen der Verantwortung

Nach Ansicht des Gemeinde- und Städtebundes wälzt das Bildungsministerium damit die Verantwortung auf die Kommunen und Kindergärten ab. Dies werde zu einem Chaos führen. Ursprünglich sollte der eingeschränkte Regelbetrieb erst im Juni beginnen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt, den Übergang nicht zu überstürzen. Es müssten individuelle Lösungen zwischen Kommunen, Trägern, Kitaleitungen und Eltern gefunden werden, so Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum. Der Schutz von Erziehern, die zu Risikogruppen zählen, könne zu Engpässen führen. Nach wie vor zähle der Gesundheitsschutz für alle, so die GEW-Landesvorsitzende.

Stufenweise Rückkehr zum Regelbetrieb

Ab 25. Mai sollen Kindergärten im Landkreis Gotha, dem Weimarer Land, dem Unstrut-Hainich-Kreis, dem Saale-Orla-Kreis sowie in Jena und Zella-Mehlis mit dem eingeschränkten Regelbetrieb beginnen.

Gummistiefel stehen im Regal einer Kindertagesstätte.
Spätestens ab 15. Juni sollen alle Kitas wieder offen sein. Bildrechte: dpa

Das heißt, alle angemeldeten Kindergartenkinder entsprechend des geforderten Hygienekonzepts zu betreuen. Gera, Erfurt, Suhl und Weimar sowie der Eichsfeldkreis und der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt teilten mit, dass sie erst am 2. Juni starten wollen. Laut Stufenplan des Bildungsministerium sollen spätestens ab dem 15. Juni 2020 alle Kindertageseinrichtungen den eingeschränkten Regelbetrieb wieder aufgenommen haben.

In Thüringen waren nach Zahlen vom Freitag zuletzt 20.618 Kinder in der Notbetreuung in Kindergärten - rund 23 Prozent. Mit der Erweiterung ab Montag dürfte diese Zahl deutlich steigen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr

3 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 1 Wochen

"Ich glaube auch nicht, dass ein tageweise-wechselnder Betrieb den Berufstätigen wirklich hilft."
kommt halt drauf an als was Mann oder Frau arbeitet. Eine Kollegin teilt die Woche auf mit Ihrem Partner (allerdings beide Büroarbeiter mit HO Möglichkeit). Ich denke auch dass das so ziemlich die einzige Berufsgruppe ist die mit so einem Modell etwas anfangen kann.

Lulu123 vor 1 Wochen

für Kinder bis zwei Jahren eine Mindestfläche von sechs Quadratmeter und ab drei Jahren eine Mindestfläche von vier Quadratmete. Wird dann um jedes Kinder ein Kreis gemalt und es darin festgebunden? Wie will man das einhalten? Ich glaube auch nicht, dass ein tageweise-wechselnder Betrieb den Berufstätigen wirklich hilft. Wie will man einen Job ausüben wenn man nur sporadisch verfügbar ist. Rechnet sich da Aufwand und Nutzen überhaupt?

kc85 vor 1 Wochen

Wenn eine Kita sich nicht gerade erst seit letzter Woche einen Kopf gemacht hat, wie sie einen eingeschränkten Regelbetrieb und ein Hygienekonzept umsetzen kann und bei den nötigen Entscheidung frühzeitig auch die Eltern mit ins Boot holt, dann klappt das mit dem Neustart auch zu einem deutlich früheren Zeitpunkt. Die Kita Regenbogenland in Erfurt startet so z.B. am 18.05.2020 mit dem eingeschränkten Regelbetrieb.

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