Ländermonitoring Bertelsmann-Studie zu Kitas und Krippen: Thüringen im Vergleich weit hinten

In einer bundesweiten Studie ist der Personalschlüssel in Kindergärten und Krippen untersucht worden. In Thüringen kommen deutlich mehr Kinder auf eine pädagogische Fachkraft als in den meisten anderen Bundesländern.

Kinder sitzen an einem Tisch und essen
In der Kinderbetreuung in Thüringen mangelt es an Personal. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Viele Kindergärten in Thüringen können ihren Bildungsauftrag nicht oder nur eingeschränkt erfüllen - zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Grund sei der Personalmangel. Nach Empfehlungen der Stiftung sollten in Krippengruppen rechnerisch drei Kinder auf eine Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen maximal 7,5. Davon sei Thüringen weit entfernt.

Der Studie zufolge war der sogenannte Personalschlüssel in Thüringen am Stichtag 1. März 2019 für rund 70.200 Kita-Kinder nicht kindgerecht. Für 95 Prozent der Kinder in amtlich erfassten Kita-Gruppen habe nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung gestanden.

Thüringen weit hinter vielen anderen Bundesländern

Im Vergleich der Bundesländer landet Thüringen damit weit hinten, nur in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ist die Situation noch ungünstiger. In Thüringen kamen 2019 rein rechnerisch in Krippengruppen durchschnittlich 5,4 Kinder auf eine Fachkraft - in Kindergartengruppen 11,6 Kinder. Damit hat sich laut Studie in den vergangenen sechs Jahren kaum etwas verändert.

Die Ergebnisse des Ländermonitorings machen darüber hinaus erneut deutlich, dass die Bildungschancen in Thüringen vom Wohnort abhängen: So ist im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt eine Fachkraft rein rechnerisch für 2,7 Kindergartenkinder mehr verantwortlich als im Landkreis Hildburghausen.

Reaktionen: Holter vermisst weitere Differenzierung

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter kritisierte die Studie. Sie vergleiche Bundesländer ohne weitere Differenzierung. "Das ist schade, denn es verkennt ein ums andere Mal die im Ländervergleich sehr gute Betreuung in den Thüringer Kindergärten", sagte er. Holter argumentierte unter anderem, dass in Thüringen mit die meisten Vorschulkinder überhaupt betreut würden und es mit zehn Stunden den höchsten Betreuungsanspruch bundesweit gebe.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, forderte weitere Anstrengungen zum Anheben der Betreuungsqualität. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärte, die frühkindliche Bildung sei im Freistaat gut aufgestellt. Allerdings seien die hohen Qualitätsstandards in der Praxis erst dann umsetzbar, wenn ausreichend Personal zur Verfügung stehe.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. August 2020 | 08:00 Uhr

10 Kommentare

Der Erfurter Bub vor 27 Wochen

Werter Unstrutschiffer
Ich habe weder aktuelle Zahlen was ganz Thüringen betrifft, noch Zahlen ihrer Heimatregion. In der Landeshauptstadt würden in den letzten Jahren aber mehrere Neubauten errichtet. Zu nennen währe hier die Kita am Brühl (AWO), Kita 85 und 87. Auch sind mir Neubauten in Weimar, Jena oder Blankenhain bekannt. Sicherlich würde sich mit Zeit und Muße weitete Beispiele finden. Dazu noch ein Auszug von n-tv
"Mit Millionen vom Bund sollen in Thüringen bis zum Jahr 2020 rund 1900 neue Plätze in Kitas, Krippen und der Kindertagespflege entstehen. 4386 Betreuungsplätze sollen mit dem Geld erhalten bleiben«
Scheinbar ist Thüringen aber insgesamt mit Kita Plätzen gut aufgestellt,
"Die Kommunen in Thüringen können den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kleinkinder offenbar gut erfüllen: Klagen von Eltern gegen Städte und Gemeinde auf einen Platz sind im Land bislang noch nicht bekannt geworden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben hat."
Quel. mdr

Der Erfurter Bub vor 27 Wochen

In dem so viele Kitas gebaut wurden wie in 25 Jahren CDU Regierungsverantwortung? Oder so viele Erzieher eingestellt wurden wie nie zuvor? Der Beruf durch Abschaffung des Schuljahres attraktiver wurde? Wahrscheinlich hätte es aber die Partei des Wutbürgers alles viel besser gemacht und wir hätten jetzt schon eine Art Utopia. Obwohl man da erst Leute finden müsste die den Beruf erlernen wollen. Apropos erlernen, ja das dauert halt ein paar Jährchen, aber auch das währe in Utopia alles durch Geld möglich, zum Leidwesen der anderen Bundesländer.

Der Erfurter Bub vor 27 Wochen

Was haben die Versäumnisse der letzten 25Jahre mit RRG zu tun? Seit RRG in Verantwortung sind, wurden doch massiv Erzieher neu eingestellt, das Schulgeld abgeschafft usw alles getan um den Beruf attraktiv zu machen. Nur, Erzieher wachsen nicht auf Bäumen, wie Lehrer ebenfalls, und eine Ausbildung dauert nun mal. Also ruhig Blut, Es geht schon in die richtige Richtung. Andere Bundesländer stehen nicht deutlich besser da. Und eines zeigt es uns doch, Es wurde seid RRG massiv neue Kitas gebaut um den Rechtsanspruch auf einen kitaplatz durchzusetzen, was zeigt das Thüringen da fast im Soll ist. Lieber ein paar Jahre den Betreungsschlüssel anheben als ihn zu erfüllen durch zu wenige Betreuungsmöglichkeiten.

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