Ein Katzenbaby wird mit einer Milchflasche gefüttert.
Vor allem die unkontrollierte Vermehrung kann mit Katzenschutzverordnungen leicht eingedämmt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gegen unkontrollierten Katzen-Sex Bisher nur fünf Kommunen mit Katzenschutzverordnung

Vor drei Jahren überließ es die Thüringer Landesregierung den Kommunen, eine Katzenschutzverordnung einzuführen. Sie soll im Wesentlichen dazu dienen, freilaufende Katzen zu überwachen. So sollen neben der unkontrollierten Vermehrung Krankheiten und damit einhergehend Leiden eingeschränkt werden. Doch nur fünf Kommunen in Thüringen haben bislang eine erlassen.

Ein Katzenbaby wird mit einer Milchflasche gefüttert.
Vor allem die unkontrollierte Vermehrung kann mit Katzenschutzverordnungen leicht eingedämmt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erste Schritte sind getan

Fünf Kommunen in Thüringen haben bislang sogenannte Katzenschutzverordnungen erlassen. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN gibt es eine solche Regelung in Erfurt, Weimar sowie in den Kreisen Altenburger Land, Eichsfeld und Gotha.

Dort sind Tierhalter verpflichtet, ihre freilaufenden Katzen kastrieren und über einen Mikrochip registrieren zu lassen. Streunende Tiere werden von den Behörden kontrolliert und bei Bedarf tierärztlich behandelt.

Die jeweilige Verordnung gilt in Erfurt und Weimar im gesamten Stadtgebiet, in den Landkreisen dagegen nur in bestimmten Gebieten.

Leiden der Tiere soll verhindert werden

Ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums sagte MDR THÜRINGEN, die Verordnungen dienten dem Tierschutz. Voraussetzung sei, dass in dem jeweiligen Gebiet viele leidende Katzen festgestellt wurden.

Das Land habe in den vergangenen drei Jahren für Kastrationen und Mikrochip-Registrierung 400.000 Euro bereitgestellt. Das Chippen kostet etwa 25 Euro pro Tier, eine Kastration 70 bis 100 Euro. Der Erfolg des Programmes sei auch dem "tatkräftigen Einsatz" vieler ehrenamtlich tätiger Tierschützer zu verdanken.

Katzenschutzverordnungen helfen

Die Zahl an herrenlosen Katzen schwankt über das Jahr gesehen sehr stark. Die Stadt Erfurt schätzt, dass etwa 2.000 freilaufende Tiere in der Stadt unterwegs sind. Nach Angaben einer Stadtsprecherin hat sich der Gesundheitszustand der Tiere deutlich gebessert, seit die Katzenschutzverordnung gilt. Kranke Tiere werden behandelt. Außerdem seien allein im Vorjahr in Erfurt 136 freilebende Katzen kastriert worden.

Eine Sprecherin des Kreises Altenburger Land sagte MDR THÜRINGEN, bislang seien 250 freilaufende Katzen innerhalb der Neuregelung kastriert, gekennzeichnet und zusätzlich tierärztlich behandelt worden. Besonders freilebende Jungtiere litten häufig unter Infektionen und seien mangelernährt.
Die Behörden würden gegen Tierhalter vorgehen, die ihre Katzen unkastriert beispielsweise in Gartenanlagen freilaufen lassen. Nach Angaben der Stadt Weimar ist der Gesundheitszustand vieler streunender Katzen "teilweise erschreckend schlecht".

Tierhalter sollen Verantwortung übernehmen

Gerd Fischer vom Landestierschutzverband Thüringen kritisierte die Haltung vieler Kommunen. MDR THÜRINGEN sagte er, ihm sei es "unerklärlich", warum nicht überall eine Katzenschutzverordnung eingeführt werde. Es sprächen "keine vernünftigen Gründe" dafür. Die "Überpopulation" von freilaufenden Katzen sei ein großes Problem, das die Kommunen bislang auf die Tierschutzvereine abgeschoben hätten. Nun sollten die Halter grundsätzlich die Verantwortung übernehmen.

Kommunen entscheiden selbst

Einer Umfrage von MDR THÜRINGEN unter den kreisfreien Städten zufolge gehen die Kommunen im Freistaat unterschiedliche Wege. Die Stadt Jena sieht demnach "keine Notwendigkeit" für eine Verordnung. Eisenach kündigte eine Prüfung an. In Gera soll noch in diesem Jahr eine Katzenschutzverordnung erlassen werden.

Vor drei Jahren überließ es die Thüringer Landesregierung den Kommunen, eine Katzenschutzverordnung einzuführen. Sie soll im Wesentlichen dazu dienen, freilaufende Katzen zu überwachen. So sollen neben der unkontrollierten Vermehrung Krankheiten und damit einhergehend Leiden eingeschränkt werden. Außerdem gelten die streunenden Katzen als Gefahr für schützenswerte Vögel, Kleinsäuger und Reptilien. Die Kosten für die Fürsorge können den Haltern übertragen werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 19:48 Uhr

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8 Kommentare

18.07.2019 12:19 Andrea Rücker 8

Als Vorsitzende des Vereins " Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co" e.V. Altenburg haben wir es uns auch zur Aufgabe gemacht, freilebende Katzen / Kater zu kastrieren. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit haben wir vorallem im ländlichen Raum die Bevölkerung sensibilisiert. Wir wurden von vielen Tierfreunden um Hilfe gebeten, haben die Tiere eingefangen und kastrieren lassen.So hat unser Verein zwischen 2015 und 2018 396 Katzen und 249 Kater kastrieren lassen. Die Bevölkerung war uns sehr dankbar und die Tiere wurden später sogar sehr zutraulich. Die Lage im Altenburger Land hat sich entspannt, dennoch kommen immer wieder Anfragen. Wer einmal zum Teil schwer kranke und verletzte Tiere in Hinterhöfen und leerstehenden Häusern gesehen hat, weiß, warum er das macht.Diese Aktionen sind dringend notwendig, damit das Leid der Tiere endlich ein Ende hat.
Andrea Rücker

17.07.2019 09:04 Carolin Weingart 7

Es sind doch keine Kommunen, sondern 5 Kreise und kreisfreie Städte.

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