ein Stift liegt auf einem Börsenchart
Hoch-Stimmung an der Börse. Von den Kursgewinnen profitieren auch Thüringer Aktien. Bildrechte: IMAGO

Boom auf Börsenparkett Satte Gewinne für Thüringer Aktien

Aktien kaufen und schlafen legen. Diese Börsenweisheit hat sich 2017 auch für Inhaber von Thüringer Aktien bewahrheitet. Fast ausnahmslos konnten die Papiere satte Kursgewinne verbuchen. Ganz oben auf der Thüringer Gewinnerliste stehen Aktien von Jenaer Unternehmen: Jenoptik, Intershop, Carl Zeiss Meditec und DEWB heißen die Anlegerlieblinge.

von Karsten Heuke

ein Stift liegt auf einem Börsenchart
Hoch-Stimmung an der Börse. Von den Kursgewinnen profitieren auch Thüringer Aktien. Bildrechte: IMAGO

Der Aktienkurs von Jenoptik zum Beispiel ist seit Jahresbeginn um rekordverdächtige 67 Prozent auf mehr als 27,50 Euro geklettert. Das geschah dazu noch recht nervenschonend, denn auch die Kursdelle über den Sommer blieb auf hohem Niveau. Der Jenoptik-Kursverlauf hat den TecDAX-Börsenindex, zu dem das Unternehmen gehört, deutlich übertrumpft. Der Index spiegelt die Kursentwicklung der 30 größten Technologiewerte wider.

Jenoptik-Plus gut für Landeskasse

Über die Entwicklung bei Jenoptik kann sich auch der Freistaat Thüringen freuen, denn das Land hält elf Prozent der Aktien. Der Wert des staatlichen Aktienpakets ist damit innerhalb des Jahres von gut 100 Millionen Euro auf nun 170 Millionen Euro gestiegen. Gewinnausschüttungen kommen obendrauf. Für die Papiere bezahlt hatte das Land 2011 lediglich rund 40 Millionen Euro.

Stolze 63 Prozent hat die Aktie des Softwarespezialisten Intershop seit 2. Januar 2017 zugelegt. Damit wurden geduldige Anleger belohnt, denn nach einer gut achtmonatigen Kursflaute ging es erst ab Mai zügig aufwärts. Die erfreulichen Geschäftszahlen hatten für neuen Schwung gesorgt. Der Aktienkurs verdoppelte sich zeitweise auf über zwei Euro. Zum Jahresende klang die Euphorie ein wenig ab. Die Aktie kostete schließlich um 1,75 Euro.

Platz drei teilen sich der Medizintechnik-Hersteller Carl Zeiss Meditec und die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft (DEWB). Beide Papiere stehen fast 50 Prozent höher als vor zwölf Monaten. Die Zeiss-Aktie gehört genauso wie die von Jenoptik zum Börsenindex TecDAX und hat auch dessen Kursentwicklung übertrumpft. Schließlich hat der TecDAX "nur" 40 Prozent gewonnen. Der Kursverlauf von Carl Zeiss Meditec verlief durchgängig erfreulich. Lediglich im August war der Kurs etwas abgesackt, stieg aber ab Ende September wieder umso steiler an.

DEWB hat sich nach Tief wieder berappelt

Von einem historischen Tief hat sich der Aktienkurs des Jenaer Beteiligungsunternehmens DEWB berappelt. Ab Mai zeigte die Kurve zunächst fast senkrecht nach oben. Im Juli wurde sogar die zwei Euro-Marke übertroffen, damit hatte sich der Kurs seit Januar fast doppelt. Geblieben ist zum Jahresende ein ansehnliches Plus von gut 50 Prozent. Der Risikokapitalgeber DEWB ist aktuell an vier Unternehmen zum Beispiel aus den Bereichen Photonik, Sensorik und Pharmazie beteiligt. Im Laufe des Jahres hat das Jenaer Unternehmen Anteile eines Unternehmens verkauft.

Nach vielen Jahren mit enttäuschenden Börsenkursen erholt sich seit 2016 die Aktie der Kölledaer Funkwerk AG. Der Telekommunikationsausrüster verbucht nun wieder Gewinne. In den letzten zwölf Monaten wurden treue Anleger mit einem Jahresplus von 40 Prozent belohnt. Allerdings mussten sie zunächst im Februar ein Minus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn aushalten. Jetzt liegt der Funkwerk-Kurs aber wieder über 8,40 Euro. An dieser Marke kratzte das Papier zuletzt im Jahr 2010.

Börsenneulinge IBU-Tec und X-FAB mit Auf und Ab

2017 boten sich gleich zwei Chancen, das Depot mit neuen Thüringer Aktien aufzufrischen. Sowohl der Erfurter Elektronikchip-Hersteller X-FAB, als auch der Weimarer Industriedienstleister IBU-Tec erfreuten die Anleger dabei mit einem deutlichen Kursplus. Allerdings galt es die Nerven zu behalten, denn beide Papiere hatten zuvor eine Berg- und Talfahrt hingelegt. Zeitweise sackten die Kurse zehn Prozent unter den Ausgabekurs, um später 20 Prozent darüber zu erreichen.

Die X-FAB-Aktie hat verglichen mit dem Ausgabekurs von acht Euro gut 19 Prozent gewonnen. Damit liegt das Papier nur wenig unter dem bisherigen Höchstkurs um 9,60 Euro, der zuletzt kurz vor Weihnachten erreicht wurde. So gesehen lagen die Anleger richtig, die nicht aus Angst vor steigenden Kursverlusten zwischen Ende August und Anfang Oktober verkauft haben. Zeitweise hatte der Kurs damals an der Sieben-Euro-Schwelle genagt und mehr als zehn Prozent im Minus gestanden.

Ähnliche Kursdellen zeigen sich bei der IBU-Tec-Aktie aus Weimar. Der Börsengang Ende März war zugleich der erste im neuen Börsensegment namens SCALE. Es soll vor allem kleine und mittlere Unternehmen vereinen, die wachsen wollen. Die ersten Anleger hatten die neue Thüringer Börsenaktie für 16,50 Euro erhalten. Nach einem Kurssprung ging es zunächst systematisch runter Richtung 15 Euro. Dann folgte die Umkehr und der Kurs kletterte innerhalb von zweieinhalb Monaten über 21 Euro, also fast 30 Prozent über den Ausgabekurs. Die Gewinne haben wohl einige mitgenommen und die Aktie verkauft, so dass der Kurs fast senkrecht abstürzte. Mittlerweile hat er sich zum Jahresende ordentlich berappelt und das Jahr mit erfreulichen zwölf Prozent Kursgewinn abgeschlossen.

GBS: Kursausschläge kosten Nerven

Ein schönes Kursplus hat auch die Aktie des Softwareherstellers GBS aus Eisenach vorzuweisen. Zum Jahresende hat das Papier seinen Höchststand erreicht, was einem 15-prozentigen Zuwachs entspricht. Allerdings heißt das auch, dass sich der Kurs absolut lediglich um acht Cent gesteigert hat. Die Aktie kostet nämlich gerade mal 0,61 Euro und ist damit sehr schwankungsanfällig. Die Spanne reichte in diesem Jahr von minus 30 Prozent bis plus 15 Prozent. Solche starken Bewegungen ziehen zudem immer auch Zocker an.

Etwas gebremst dürfte die Freude der Anleger sein, die auf den Thermometerhersteller Geratherm aus Geschwenda gesetzt haben. Denn vom anfänglichen 20-Prozent-Plus und dem Höchststand um 14 Euro ist der Aktienkurs inzwischen wieder weit entfernt. Vor allem im Dezember ging es kräftig nach unten. Zuletzt war die Aktie um 12,10 Euro wert, was einem Jahresplus von etwa drei Prozent entspricht. Anleger, die der Geratherm schon länger treu sind, werden das jedoch verschmerzen. Denn der Medizintechnikhersteller hat dieses Jahr eine Dividende ausgezahlt, die bezogen auf den Kurs etwa vier Prozent entsprach. Außerdem hat sich der Aktienkurs innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt.

Hyrican und ADVA - zwei Aktien mit Kursverlusten

Mit einem Minus hat die Aktie des IT-Technikanbieters Hyrican das Jahr 2017 abgeschlossen. Etwa zehn Prozent hat der Kurs des Unternehmens mit Sitz in Kindelbrück innerhalb des Jahres eingebüßt. Er steht bei 4,40 Euro. Somit befindet sich der Kurs wieder auf dem Jahrestief vom August, von dem er sich zwischenzeitlich etwas erholt hatte. Das ist bitter, denn im März war der Kurs um satte 15 Prozent ins Plus geklettert. Kleiner Trost - zumindest haben die Anleger eine kleine Dividende erhalten.

Schlusslicht bei den Thüringer Werten ist im Jahr 2017 der Glasfaserausrüster ADVA. Das TecDAX-Unternehmen hat seinen rechtlichen Sitz und einen Betrieb in Meiningen, auch wenn das Management von München aus die Geschäfte führt. In der ersten Jahreshälfte stiegt der Aktienkurs von 7,76 Euro zeitweise auf knapp elf Euro. Doch dieses 40 Prozent-Plus verwandelte sich bis August in ein 40 Prozent-Minus. ADVA hatte Auftragsrückgänge beklagt und Entlassungen angekündigt. Zuletzt ging es wieder etwas aufwärts an der Börse, doch nach zwölf Monaten bleiben mehr als 20 Prozent Kursverlust.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tage | 30. Dezember 2017 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2017, 18:50 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

30.12.2017 21:18 Ralf Ganss 2

Sehr schön! Thüringer Aktien werden leider viel zu wenig beachtet, von Anlegern, Analysten, Banken und der Öffentlichkeit generell. Sie lohnen aber einen Blick und gehen ohne viel Aufsehens ihren soliden, wirtschaftlichen Weg.

30.12.2017 19:35 Frank 1

Ja genau, ich habe vor längerer Zeit Intershop-Aktien für 2000 Euro gekauft, heute sind sie noch 2,67 Euro wert. Wenn ich die Keksrolle in Jena sehe, kommt mir jedesmal das K....

Mehr aus Thüringen

Halle von STS Systemtechnik in Schleiz von außen 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beim Autozulieferer STS Systemtechnik Schleiz knallten am Donnerstag die Sektkorken. Das Unternehmen feierte nicht nur 15-Jähriges, sondern weihte auch gleich seine neue Produktionshalle ein.

Do 19.09.2019 15:30Uhr 00:43 min

https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueringen/saale-orla/video-sts-systemtechnik-schleiz-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video