Nach Angriffen in Erfurt Verfassungsschutzpräsident Kramer: "Neonazi-Szene ist enthemmt"

Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer warnt vor einer zunehmenden Gewaltbereitschaft von Neonazis in Städten. Im Interview mit der Zeitung "Welt" sagte Kramer, es wäre ein grober Irrtum zu glauben, dass Neonazis nur in den ländlichen Regionen Thüringens anzutreffen seien. Zwar registrierten seine Behörde dort schon länger, dass Rechtsextremisten sich über Siedlungs- und Wohnprojekte auszubreiten versuchen. Aber auch in einer Erfurter Wohnsiedlung gibt es Kramer zufolge seit Jahren einen Ableger der rechtsextremen Vereinigung "Der dritte Weg".

Kramer: Jahrelange Versäumnisse von Politik und Behörden

Dass Rechtsextremisten kürzlich direkt vor der Thüringer Staatskanzlei einen Angriff verübt hätten, sieht Kramer als eine neue Qualität. Das zeige, wie enthemmt in der Szene inzwischen vorgegangen werde. Die Zunahme von Straftaten mit rechtem Hintergrund führt Kramer auf jahrelange Versäumnisse von Politik und Behörden zurück. Auf diese Szene sei so gut wie kein Druck ausgeübt worden. Das habe sich inzwischen geändert. An vielen Orten gebe es Gegenbewegungen. Anwohner, Politik und Behörden seien sensibler geworden.

Gerade die gute Infrastruktur, die Lage in der Mitte Deutschlands und die günstigen Immobilienpreise in ländlichen Regionen seien Anreize für Rechtsextremisten sich in Thüringen festzusetzen und auszubreiten, so Kramer.

Stephan Kramer
Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer sieht eine zunehmende Gewaltbereitschaft von Neonazis in Thüringer Städten. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. August 2020 | 13:00 Uhr

200 Kommentare

Karl Schmidt vor 5 Wochen

@herr meier:
Da Sie hier das Thema verfehlen wollen und auch den Schauplatz verlagern müssen: „Halle“ ist zumindest geografisch gar nicht weit weg von Thüringen.

Immerhin:
Sie schreiben Zitat: „München: 'Bist du nicht weltoffen, wird dein Lokal geschlossen'.“
Meine Wenigkeit wüsste ohne Ihren Kommentar bis heute nicht, dass das 97 Einwohner zählende Thüringer Örtchen München neben dem beschaulichen Bad Berka in einer Züricher Zeitung Erwähnung fand.

DER Beobachter vor 5 Wochen

Genau. Und auch die AfD nimmt solche Leute sehr gern auf, die damals sogar im Vorlauf äusserst willig denunzierten. Der ehemalige Lübkemörder-Verteidiger, der ihm vorschlug, das doch einfach einem Kumpan anzuhängen, begann gar das Studium an der MfS-Hochschule als Hauptamtlicher, bloss war die Wende schneller...

DER Beobachter vor 5 Wochen

Nebenbei bemerkt bezeichnet der Lübke-Mörder ja die Chemnitzer Demo als initialzünder für seine Tat, und da liefen zuerst (später verdrückten sie sich nach Polizei-Ansage) ganz weit vorne in einer Reihe: Höcke, Kalbitz, Maier, Bachmann, Däbritz...

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