70 Jahre Kriegsende in Thüringen Gedenkstätte will Erinnerung wachhalten

Mit zahlreichen Veranstaltungen hat die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora an die Befreiung des KZ vor 70 Jahren erinnert. Noch einmal waren Überlebende dabei. Doch wie soll in der Zukunft an das Leid der Häftlinge erinnert werden?

Das Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen stand mit seinen unterschiedlichen Arbeitslagern für einen neuen Typ des KZ-Systems. Als Buchenwald-Außenlager im August 1943 gegründet, wurde das KZ modellhaft für die Untertageverlagerung der deutschen Rüstungsindustrie und die gezielte Ausbeutung der Häftlinge im letzten Kriegsjahr. Die 39 Außenlager erstreckten sich über den gesamten Harz und waren nicht von der Gesellschaft isoliert. Von den etwa 60.000 Zwangsarbeitern starb jeder Dritte infolge unmenschlicher Haft- und Arbeitsbedingungen.

Mit zahlreichen Veranstaltungen wurde an verschiedenen Orten des KZ Mittelbau-Dora an den 70. Jahrestag der Befreiung im April 1945 erinnert. Ehemalige Häftlinge, ihre Angehörigen oder Hinterbliebene sowie zahlreiche Besucher ehrten die 20.000 Opfer des Lagers. Zur zentralen Gedenkveranstaltung am 13. April 2015 kamen über 1200 Gäste nach Mittelbau-Dora. Am Rande der Gedenkfeier im ehemals größten Außenlager in Ellrich-Juliushütte zog Gedenkstättenleiter Stefan Hördler ein positives Fazit der Gedenktage.

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Der Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Stefan Hördler, zeigt sich bewegt über die Begnungen mit den Überlebenden und Zeitzeugen anlässlich der Gedenktage.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 20.04.2015 20:19Uhr 01:14 min

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Aus den Begegnungen mit den Zeitzeugen hätten sich immer wieder neue Erkenntnisse, die auch für die Forschung interessant seien, ergeben. Die Feierlichkeiten seien genutzt worden, um zahlreiche Gespräche und Interviews aufzuzeichnen. So wolle die Gedenkstätte die Lebensgeschichten einfangen und weitererzählen. "Immer wenn ein Zeitzeugende und Überlebender zu uns kommt", so Stefan Hördler, "steht in der Gedenkstätte alles still."

Wie in Zukunft erinnern?

Doch auch die Überlebenden stellen immer wieder die Frage: "Was passiert eigentlich, wenn wir nicht mehr da sind?" Ganz bewusst wollen sie darüber nachdenken, was aus ihren Erinnerungen wird, wenn es einmal keine Zeitzeugen mehr gibt. Damit befassen sich auch die Mitarbeiter der Gedenkstätte und sind dankbar über die zahlreichen Lebensgeschichten und Informationen, die sie sammeln konnten. Gedenkstättenleiter Stefan Hördler verweist bei der Frage gern auf den Überlebenden Boris Pahjor, der mit 101 Jahren in diesem Jahr nach Mittelbau-Dora zurückkam. Von einer letzten Begegnung mit Überlebenden geht er deshalb nicht aus, auch der 75. Jahrestag komme.

Nach der Abreise der Gäste bleiben die bewegenden Momente. Doch auch neue Projekte für die Gedenkstätte sind bereits geplant. Aktuell widmet sich eine neue Ausstellung auf dem Gelände der Auflösung und Räumung des KZ-Komplexes Mittelbau in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Als die Amerikaner am 11. April 1945 Mittelbau-Dora erreichten, fanden sie nur noch wenige Häftlinge vor. Insgesamt rund 40.000 Insassen wurden auf die sogenannten Todesmärsche getrieben. Tagelang irrten die Entkräfteten zu Fuß oder in Zügen umher.

Auch eine neue Installation zu den Außenlagern wurde eingeweiht. Neu ist, dass zwei Informatioationstafeln über einen QR-Code verfügen, den man mit dem Handy scannen kann, um weitere Informationen in fünf Sprachen zu erhalten. Das Angebot soll besonders jüngere Besucher ansprechen - nach Hördlers Beobachtungen wird das Angebot bereits rege genutzt.

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Buchtipps Zwischen Harz und Heide -
Todesmärsche und Räumungstransporte im April 1945.

Begleitband zur Austellung in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora

ISBN: 978-3-8353-1713-0
Preis: EUR 14,50

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Lern- und Dokumentationszentrum Mittelbau-Dora. Die Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

Von Jens-Christian Wagner,
Weimar 2003

ISBN: 3-935598-09-2
Preis: EUR 4,00