Erich Mielke
Erich Mielke Bildrechte: dpa

Die BND-Akte Politbüro Erich Mielke

* 28.12.1907 - † 21.5.2000

Minister für Staatssicherheit; Mitglied des Politbüros des ZK der SED

Erich Mielke
Erich Mielke Bildrechte: dpa

Zu Erich Mielke sammelte der BND etliche private Details. Der Geheimdienst schätzte Mielke als treuen Gefolgsmann von Honecker ein. Die Ernennung zum Armeegeneral 1980 sei "Ausdruck der offensichtlich sehr geschickten Personalpolitik Honeckers". Mielke werde wohl weiter im Sinne "seines Mentors" arbeiten. Privat sei der MfS-Chef ein Fan von Fußball und von Kuren in Bad Elster, er fahre gern nach Sibirien in Urlaub (Irkutsk) oder in die Uckermark. Der Gegenspieler des BND sei mit Honecker auch privat befreundet. Eine Quelle berichtet, dass er beim Einkaufen im Warenhaus "betont kühl" wirke. Seine Ehefrau dagegen wirke "ländlich sittlich" und bescheiden. Der erwachsene Sohn, der beide beim Einkaufen begleite, wirke schüchtern, ängstlich – die Verkäuferinnen mutmaßen, er habe ein "Nervenleiden".

Im Zusammenhang mit dem Ausnahmezustand in Polen infolge der Solidarnosc-Streiks gab es erhebliche Konflikte innerhalb des Politbüros. Stoph, Mittag und Tisch warfen Mielke eine Fehleinschätzung der Lage vor. Man habe einen "Einsatz versäumt". Angeblich kursierten Forderungen, "den immer mehr dem Säuferschwachsinn verfallenen M. in die Wüste zu schicken". Als Nachfolger stünde Spionagechef Markus Wolf bereit. Der BND mutmaßte weitere körperliche Gebrechen: neue Zähne, Schlaganfall, altersbedingte Sehschwäche - sei schon "ziemlich blind" – musste aber Jahre später, 1985, zur Kenntnis nehmen, dass Mielke weiterhin "agil und emsig sei" und "trotz seines hohen Alters geistig bemerkenswert rege". Jetzt lauteten Gerüchte: "Bevor der geht, stirbt der eher im Sessel am Schreibtisch". Auch rauche oder trinke er nicht (mehr). Mielke sei insgesamt "befähigt, anerkannt und gefürchtet". Der BND registrierte auch alle staatlichen Auszeichnungen Mielkes: Er sei der höchstdekorierte Senior im Politbüro. Sechs Mal habe er den Karl-Marx-Orden erhalten, für alle Orden eine Prämie von insgesamt 180.000 Mark bekommen.

Recherchen des MDR THÜRINGEN brachten noch eine weitere Akte zu Erich Mielke ans Tageslicht. Darin geht es vor allem um dessen Werdegang und auch um den Verdacht, dass Mielke 1931 zwei Polizisten erschossen hatte. Daraus resultierte noch immer ein Haftbefehl gegen ihn in West-Berlin – ein Tabuthema in der DDR. Erst nach 1992, 61 Jahre nach der Tat, stand Mielke in dieser Sache vor Gericht. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Angesichts der Vielzahl von noch nicht frei gegebenen Akten ist es durchaus wahrscheinlich, dass noch weitere Dossiers zum einstigen MfS-Chef existieren.

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2017, 16:29 Uhr