Die BND-Akte Politbüro Kurt Hager

* 24.7.1912 - † 18.9.1998

Mitglied des Politbüros des ZK der SED

Ein ungünstiges Zeugnis stellte der BND dem SED-Chefideologen Kurt Hager aus. Der Geheimdienst war nicht recht sicher, welche genauen Funktionen Hager eigentlich ausübe, zumindest sei er einer der Mächtigsten in der DDR-Kulturpolitik. Dort entscheide er offenbar "selbstherrlich". Sein Verhältnis zu Erich Honecker sei etwas unklar. Nicht zuletzt halte er sich mit Entscheidungen, die das Bildungsressort von Honeckers Ehefrau Margot tangieren, "auffallend zurück". Einige Politbüro-Mitglieder vertrauten Hager nicht recht. Das begründete der BND mit Hagers Emigration in der Nazizeit in den Westen. Insgesamt gelte Hager als Vertreter der unwandelbaren "starren" Lehre.

Eine frühere Einschätzung von 1967 klang differenzierter. Hager, ein Journalist und "überzeugter Kommunist", habe sich unter Walter Ulbricht hochgearbeitet. Anfangs habe er noch auf die "Methode der Überzeugung" gesetzt und Skrupel gezeigt, die Machtinstrumente der Partei anzuwenden. Hager führe sich keinesfalls als Apparatschik auf. Des öfteren sei er von Ulbricht wegen seiner „konzilianteren Arbeitsmethoden“ im kleinen Parteikreis zur Ordnung gerufen worden. Nach Kritik habe er sich stets zu retten vermocht, indem er öffentlich andere Abweichler anprangerte. So sei von ihm das Bild des „wankelmütigen aber ergebenen Funktionärs“ entstanden.

Hager sei vielseitig gebildet, klug, nicht redselig und übe auch Selbstkritik. Als einer der „maßgebenden Philosophen“ der Partei sei Hager eine der wichtigsten Stützen der SED. Außerdem unterstellte ihm der BND eine außereheliche Beziehung mit einer PEN-Funktionärin.

In den späten 1980er-Jahren unterschieden sich die verschiedenen Quellen des BND in ihren Einschätzungen deutlich. Mal galt Hager als "hölzern", "fast verschlossen" und „graue Eminenz“ im Politbüro, dann auch als "brillanter Theoretiker" und "fähiger Kopf". Zumindest soll er aufgrund "altersbedingter geistiger Unbeweglichkeit" und Reformunwillen "kein Mann der Zukunft" gewesen sein. Als Nachfolger galt Otto Reinhold. Privat bevorzugte auch Hager Urlaub auf dem Darß.

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2017, 16:28 Uhr