Anja Karliczek (CDU), Münsterländer Abgeordnete, aufgenommen beim 30. Parteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU).
Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung. Bildrechte: dpa

Fördermittel für Geschichtsprojekte 40 Millionen Euro für DDR-Aufarbeitung

Der Bund fördert Wissenschaftsprojekte zur DDR-Geschichte. Ein Großteil der 40 Millionen Euro geht an Thüringer Forscher. Hiesige Einrichtungen sind an vier Verbundprojekten beteiligt. Insgesamt wurden in dem wettbewerblichen Auswahlverfahren 14 Projekte vom Forschungsministerium bewilligt. Beginnen sollen sie im Herbst.

Anja Karliczek (CDU), Münsterländer Abgeordnete, aufgenommen beim 30. Parteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU).
Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung. Bildrechte: dpa

Der Bund fördert Wissenschaftsprojekte zur DDR-Geschichte. Ein Großteil der Gelder geht an Thüringer Forscher. Hiesige Einrichtungen sind an vier Verbundprojekten beteiligt. Das Bundesforschungsministerium reicht jetzt 40 Millionen Euro aus.

Wer seine Vergangenheit kennt, kann Zukunft gestalten.

Anja Karliczek Bundesministerin für Bildung und Forschung

Das Geld geht an Forschungsprojekte, die sich mit der DDR-Geschichte beschäftigen. Diese Forschung sei in den vergangenen Jahren an den deutschen Universitäten zurückgegangen, sagt die Ministerin. Viele Menschen hätten "nur ein geringes Wissen über die DDR". Solche Wissenslücken zu schließen, sei Aufgabe der Forschung, der Bund unterstütze das.

In Thüringen können sich mehrere Einrichtungen über die Bewilligung ihrer Anträge freuen. Die Universität Jena wird nun ein Projekt zum "Seelenleben im Sozialismus" starten. Aufgearbeitet werden soll die zwiespältige Rolle von Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie im Gesundheitswesen der DDR. Mit den Jenaer Psychologen im Boot sitzen bei diesem Projekt Experten aus Greifswald, Dortmund und Erlangen.

Ansicht des Hauptgebäudes der FSU vom Löbdergraben.
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena ist gleich an mehreren Projekten beteiligt. Bildrechte: FSU/Günther

Ziel der Bundesförderung ist auch die Vernetzung von Universitäten innerhalb der DDR-Aufarbeitung. Daher wurden nur Anträge gefördert, bei denen mehrere Hochschulen im Verbund zusammenarbeiten. Ein Projekt bleibt komplett in Thüringen. Historiker der Uni Jena wollen gemeinsam mit der Uni Erfurt und der Stiftung Ettersberg sowie den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora die Diktaturerfahrungen in der DDR seit den 1970er Jahren anhand von Biografien erarbeiten.

Eine Seite aus einer Stasi-Akte zum Umgang mit psychisch Kranken
Aktenauszug einer Stasiakte. Er zeigt, wie mit psychisch Kranken in der DDR zu bestimmten Anlässen (Sportfeste, Politikerbesuche usw.) umgegangen wurde. Bildrechte: MDR/Erices

Forscher der Bauhaus-Uni Weimar werden sich mit der Bedeutung von Bürgerinitiativen beim Verfall der Altstädte auseinandersetzen. In einem weiteren Projekt beteiligt sich die Uni Jena an der Aufarbeitung von "Modernisierungsblockaden in Wirtschaft und Wissenschaft der DDR". Thüringens Staatssekretärin Babette Winter (SPD) sagte auf Anfrage von MDR THÜRINGEN, sie freue sich, dass der Bund "bedeutende Forschungsvorhaben zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte vorantreibt".

Das sei der richtige Schritt, "um weiteres Wissen über die Mechanismen in der ehemaligen DDR und ihrer Politik aufzuarbeiten und an die nachfolgenden Generationen zu vermitteln". Es sei auch Anliegen der Landesregierung, "diesen Bildungsauftrag an Schulen und außerschulischen Erinnerungs- und Bildungsorten zu erfüllen", sagte die für die DDR-Aufarbeitung zuständige Politikerin.

Der Thüringer Landesbeauftragte für die Aufarbeitung, Christian Dietrich, sagte MDR THÜRINGEN, er begrüße die Entscheidung des Bundes. "Gerade die Forschung zur 'Seelenarbeit' in der DDR hat enge Bezüge zu Fragen der Rehabilitierung und Begleitung von Betroffenen", sagte Dietrich. Er freue sich, dass die Thüringer Projekte nun starten können.

Insgesamt wurden in dem wettbewerblichen Auswahlverfahren 14 Projekte vom Forschungsministerium bewilligt. Beginnen sollen sie im Herbst.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Juni 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 18:44 Uhr

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11 Kommentare

13.06.2018 09:59 Komabirne 11

Mal für manchen Kommentator: Das Forschungsministerium reicht Gelder aus. Was ist daran ungewöhnlich? Ein Großteil der Wissenschaftler ist von solchen Drittmitteln abhängig, sonst wären sie auf Hartz 4. Finanziert wird so nicht nur DDR-Forschung, sondern auch sehr viel zu Geschichte der Nazivergangenheit, der Bundesrepublik oder des Mittelalters...Aber auch andere Bereiche werden dick gefördert: Medizin (wollen wir nicht alle irgendwo den Fortschritt...?) usw. Für Kindergärten, Schulen ist ein anderes Ministerium zuständig, wie in den meisten Staaten der Welt. Nochwas: wer sich wirklich für Geschichte interessiert, der sollte mal Veranstaltungen besuchen. Dort fetzen sich regelmäßig Historiker mit Politikern, Zeitzeugen...Forscher beharren auf ihre Neutralität in der Regel...

13.06.2018 09:49 sinclair 10

Immer wieder sagen und fühlen Ossis, dass der Westen sie nicht wahrgenommen hat, ausgegrenzt hat oder auch heute noch in die zweite Reihe schiebt. Also dann vorwärts. Sehr gut, dass Westunis mitmachen bei der Osthistorie und sich dafür interessieren. Das kann für das gesamte Deutschland und dessen Seelenleben nur gut sein.

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