Arafats Thüringer "General" - Wo ist Udo Albrecht? Gebrauchtwagen für die Palästinenser - der Deal mit Karl-Heinz Hoffmann

von Jan Schönfelder

Das Geld aus dem Bochumer Banküberfall soll offenbar das Kapital für neue Geschäfte sein: Albrecht will, so berichtet es später sein Komplize Joachim Gröning, eine Firma gründen, um ausgemusterte Bundeswehrfahrzeuge aufzukaufen, diese in den Libanon zu bringen und an die PLO zu verkaufen. Auch gestohlene Luxuskarossen sollen diesen Weg nehmen. Der Name des Unternehmens: "Special Car Service" Nach eigener Aussage beschafft er für die PLO sieben Lkw und Geländewagen.

PLO: Der Terror in Europa ist beendet

Den Transport der ausgemusterten Bundeswehr-Fahrzeuge in den Nahen Osten sollen Mitglieder der "Wehrsportgruppe Hoffmann" übernehmen. Die "Wehrsportgruppe" um den fränkischen Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann lockt Jugendliche mit paramilitärischen Übungen. In der Gruppe mischen sich Rechtsextremismus und Abenteuerlust.

Karl-Heinz Hoffmann steht im Berliner Verwaltungsgericht
Karl-Heinz Hoffmann Bildrechte: dpa

Albrecht reist zusammen mit seinem Komplizen Walter-Franz Kohnert am 25. Januar 1980 nach Heroldsberg bei Erlangen, um den dort residierenden Hoffmann den Deal vorzuschlagen. Hoffmann hat sich zuvor bei Anwalt Schöttler über Albrecht erkundigt. Hoffmann willigt in das Geschäft ein. Anschließend fahren Albrecht und Kohnert nach München weiter und kontaktieren die Firma Fimex, die ausgemusterte Militärfahrzeuge vertreibt. Mit dem Flugzeug geht es dann von Frankfurt Richtung Libanon. Albrecht, so erzählt er es später, ist begeistert: "In Beirut dann habe ich mich sehr gefreut und war überrascht, dass ich die alten Kameraden erstmal lebend wieder getroffen habe, zweitens waren alle in einer unvergleichlich besseren Situation, die Büros waren noch die gleichen, aber innerlich waren das keine Bürgerkriegslager mehr, sondern regelrechte Dienstbetriebe, einwandfrei eingerichtet, also vorher habe ich das noch nie bei der PLO oder Fatah gesehen." Der Deutsche wohnt im Hotel "Wiener Haus" in der Hamra Street. Atif Bsisu, der für die Sicherheit bei der Fatah verantwortlich ist, bringt Albrecht auf die neue PLO-Linie: Der Terror in Europa ist beendet, militärisch werde nur noch direkt mit Israel gekämpft. Die Interessen der Palästinenser würden weltweit nun politisch-diplomatisch vertreten. Auch über das positive Verhältnis der Palästinenser zu Jugoslawien und zur DDR wird gesprochen. Die PLO ist mit dem vorgeschlagenen Militärfahrzeuge-Deal einverstanden: "Meine Vorstellungen hinsichtlich des Geschäftes mit den Bundeswehrfahrzeugen", erinnert sich Albrecht, "wurden akzeptiert und ich erhielt in diesem Zusammenhang eine Vorauszahlung in Form eines Schecks über ca. 80.000,-DM." Amin rät ihm, bei seiner Rückkehr nicht über Frankfurt, sondern über Ost-Berlin zurückzukehren. So soll er möglichen Befragungen, Kontrollen und Nachfragen auf dem Flughafen entgehen.

Am 5. Februar kehrt Albrecht mit dem Interflug 801 aus Beirut über Schönefeld nach Westberlin zurück. Eine Woche zuvor hat der Bundesinnenminister die Wehrsportgruppe Hoffmann verboten. Da Albrecht von der Staatssicherheit zur internen Fahndung ausgeschrieben ist, wird er am Flughafen einer intensiven Sicherheitskontrolle unterzogen. Albrecht ahnt offenbar, dass diese nicht zufällig erfolgt. Er spricht den Kontrolleur an. Die PLO habe ihm empfohlen, statt über Frankfurt am Main über Berlin-Schönfeld zurückzureisen. Die Palästinenser hätten ihm versichert, "dass man hier in ‚Ostberlin‘ sehr gute Freunde habe, die alles andere regeln." In den kommenden Tagen wollte er von West-Berlin nach Ost-Berlin einreisen, um sich mit Vertretern der PLO zu treffen. Die Frage sei nun, ob er ein Tagesvisum für diese Reise erhalte.

Im Visier der Stasi

Nun ist Albrecht vollständig im Visier der Staatssicherheit. Seit dem 12. Februar 1980 fahndet das MfS ständig nach Albrecht. Ende Februar erarbeitet der Geheimdienst eine "Gesprächskonzeption", um Albrecht zu kontaktieren. Das Ziel: Es solle geprüft werden, ob Albrecht bereit ist, "das MfS bei der Lösung operativer Aufgaben zu unterstützen". Zunächst geht es aber darum, Albrecht bei seiner nächsten DDR-Einreise erst einmal auf den Zahn zu fühlen: Welche ideologische Position bezieht er? Was hat er mit "Befreiungsbewegungen" zu tun? Und: "Wen sieht er in der gegenwärtigen Situation als seine Gegner an"? Zeige sich Albrecht aufgeschlossen, werde mit ihm ein Treffen in einem Ost-Berliner Hotel vereinbart. Am Ende des Gespräches sollte Albrecht zum Diskretion und Geheimhaltung gebeten werden.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. März 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2019, 05:01 Uhr

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