Nachgefragt bei der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld als Überbrückung bei Corona-Problemen

In der Finanzkrise hatte das Kurzarbeitergeld seinen großen Auftritt. Es half Betrieben, ihre Belegschaft bei der Stange zu halten. Jetzt bringt Corona die nächste Herausforderung. Wir haben uns die Details angeschaut.

von Thomas Becker

Coronavirus
Kaum ein Lebensbereich wird vom Coronavirus verschont. Bildrechte: imago images/Xinhua

Wie hilft Kurzarbeitergeld bei wirtschaftlichen Corona-Schäden?

Viele kennen das Kurzarbeitergeld als "Winterüberbrückungsgeld" in der Baubranche. Aber es gibt eben noch andere Hebel, die angesetzt werden können, in diesem Falle ist es der konjunkturelle. Voraussetzung: Es gibt ein wirtschaftliches Problem - ein unabwendbares Ereignis - und das ist auch nur eine vorübergehende Erscheinung. Corona ist extern und wird hoffentlich auch nicht dauerhaft einen Betrieb lahmlegen.

Das Kurzarbeitergeld soll nun verhindern, dass Mitarbeiter wegen einer Auftragsflaute entlassen werden müssen. Damit ist schon die nächste "Regelvoraussetzung" angedeutet, so heißen nämlich die Bedingungen, die ein Betrieb erfüllen muss. Es geht also immer um sozialversicherungspflichtig Beschäftigte eines Unternehmens, die auch noch keine Kündigung erhalten haben dürfen. Mindestens einen Mitarbeiter muss der Betrieb beschäftigen und - auch das ist auch coronabedingt - schon wenn für 10 Prozent der Belegschaft plötzlich keine Arbeit mehr vorhanden ist und dies Verdienstausfall nach sich zieht, kommt Kurzarbeitergeld in Betracht. Bisher war es ein Drittel.

Und: Jetzt soll es Kurzarbeit auch für Zeitarbeiter geben (vorbehaltlich der Entscheidung des Kabinetts bzw. des Gesetzgebers). Wichtig ist, dass zunächst auch solche Dinge wie vorgezogener Urlaub (zu dem ein Mitarbeiter nicht gezwungen werden kann) oder der Abbau von Überstunden in Betracht gezogen werden, um eine Durststrecke zu überbrücken. Allerdings kommen kleinere Betriebe damit nicht sonderlich weit.

 

Was bedeutet das konkret für einen Betrieb?

Ein Beispiel: Wegen Corona werden Messen abgesagt, das ist bekannt. In der Folge werden einem Messebaubetrieb mit fünf Monteuren 80 Prozent der Aufträge des nächsten Vierteljahres storniert. Die restlichen 20 Prozent sind Ladenbau-Aufträge, die weiter abgearbeitet werden können. Nun ist es eine fachliche oder eine Organisationsfrage, ob die Firma die 20 Prozent Restarbeit auf alle Mitarbeiter verteilt, oder diese von zum Beispiel zwei Mitarbeitern in Vollzeit erledigen lässt.

Unterm Strich füllt die Firma - nach Absprache mit den Arbeitnehmern bzw. der Arbeitnehmervertretung - die Anzeige bei der Arbeitsagentur vor Ort aus. Dieser Impuls kann übrigens auch vom Betriebsrat kommen. Der Betrieb muss nachweisen, dass wirtschaftliche Gründe, so etwa Stornierung von Aufträgen oder fehlende Zulieferung, ursächlich für den Arbeits- und Entgeltausfall sind.

 

Wie lange gibt es Kurzarbeitergeld?

Gewöhnlich wird die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes zwölf Monate betragen. Allerdings ist es nicht so, dass es nun automatisch für ganzes Jahr Geld gibt. Vielmehr muss jeden Monat rückwirkend für die betroffenen Mitarbeiter ein Leistungsantrag gestellt werden. Dieser Leistungsantrag enthält eine Mitarbeiterliste, auf der durchaus ein individuelles Verhältnis aus Lohn und Kurzarbeit stehen kann. Auch Kurzarbeit "Null" ist für einzelne oder im Extremfall sogar alle Mitarbeiter möglich.

Dann würde die Arbeitsagentur für alle Kurzarbeitergeld zahlen. Ohne in die mathematisch komplizierte Berechnung detailliert einzusteigen: Die Berechnung des Kurzarbeitergeldes richtet sich nach dem pauschalierten Nettoentgelt im Anspruchszeitraum und ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem pauschalierten Nettonentgelt aus dem regulären Bruttomonatsentgelt und dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem verringerten Bruttoentgelt.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Natürlich wird nicht einfach 1:1 der Lohn weitergezahlt. Die Berechnung ist ein Quell der Freude für alle, die Prozentrechnung lieben und würde im Detail nur verwirren. Die Bezugshöhe liegt - wie beim Arbeitslosengeld 1 auch - bei 60 bis 67 Prozent (mit Kind) vom erwähnten pauschalierten Netto. Der entscheidende Vorteil im Vergleich zu einer Entlassung ist aber: Alle bleiben der Firma erhalten, wenn die Flaute vorbei ist.

Denn man darf nicht vergessen: Ein entlassender Mitarbeiter ist - gerade als Handwerker - schnell in der Vermittlung durch die Arbeitsagentur und kann nicht so einfach wieder zurückgeholt werden, wenn Corona verschwunden ist. Und noch etwas sollten Arbeitgeber unbedingt wissen: Bisher ist es so, dass der Arbeitgeber selbst bei Kurzarbeit "Null" die Sozialabgaben vollständig zahlen musste. Diese Regelung will die Bundesregierung jetzt wegen Corona aussetzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 17:55 Uhr

3 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

Vielen Dank für den Hinweis, haben wir korrigiert.

Beate Meyer vor 3 Wochen

Eigentlich ein gute Text. Es sind zwei Fehler drin, die auch vorgelesen werden.

Paule vor 3 Wochen

Und was bekommen freiberufliche und selbstständige Künstler, deren einzige Einnahmequelle abgesagt werden?

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