Konkurrenzkampf zwischen Martin Schulz und Sigmar Gabriel Thüringer SPD mischt sich in Diskussion um Spitzenposten ein

Thüringens Wirtschaftsminister und designierter SPD-Vorsitzender Wolfgang Tiefensee
Der designierte Thüringer SPD-Vorsitzende Wolfgang Tiefensee Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das gab es selten: Spitzengenossen der Thüringer SPD äußern sich öffentlich zu Parteiquerelen der Berliner Führung. Nach dem Urteil des designierten SPD-Landeschefs Wolfgang Tiefensee über einen Ministerposten für Martin Schulz vor ein paar Tagen ("Eine 180-Grad-Wende in dieser Frage würde die Glaubwürdigkeit von Schulz erschüttern") kritisierte die amtierende Vorsitzende der SPD, Heike Taubert, am Freitag den vielleicht aus dem Bundeskabinett ausscheidenden Sigmar Gabriel ("Niemand hat tatsächlich das Recht auf ein bestimmtes Amt").

Nachdem der Bundesvorsitzende Schulz am Freitagmittag bekannt gegeben hatte, auf einen Ministerposten im Bundeskabinett zu verzichten, sagte Taubert MDR THÜRINGEN, sie begrüße seine Entscheidung. So könne sich die SPD nun wieder auf die Inhalte des Koalitionsvertrages konzentrieren, statt sich mit einer Personaldebatte zu beschäftigen. Taubert sprach von einem "unsäglichen Streit" um das Außenministerium. Geschäftsführender Außenminister ist derzeit Sigmar Gabriel.

Ich habe den Streit unter den Männern nicht verstanden. Das sind beides Politiker, die die SPD braucht

Heike Taubert, amtierende Thüringer SPD-Chefin
Thüringens Finanzministerin Heike Taubert am Telefon.
Bildrechte: IMAGO

Nach Tauberts Angaben war die Ankündigung von Schulz, doch in das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel einzutreten, bei der Thüringer SPD-Basis auf ein geteiltes Echo gestoßen. Bei einigen Sozialdemokraten sei das auf Unverständnis gestoßen, weil Schulz früher ein Regierungsamt für sich ausgeschlossen hatte, andere hätten Verständnis gezeigt. Sein Verzicht jetzt sei eher positiv aufgenommen worden, höre sie von der Basis, so Taubert.

Was wir erleben, ist eine reine Debatte um das Personal. Dabei ist genau das ein Grund dafür, warum die Menschen Politikerinnen und Politikern nicht vertrauen wollen.

Thüringens Juso-Landesvorsitzender Oleg Shevchenko
Dunkelhaariger Mann mit Brille, Vollbart, schwarzem Rollkragen Pollover und blauer Jeansjacke steht vor einer dunkelroten Ziegelsteinwand.
Juso-Landesvorsitzender Oleg Shevchenko Bildrechte: Lisa Tasch

Die Thüringer Jusos sehen sich aufgrund der Personaldebatten innerhalb der SPD in ihrer Position gegen die Große Koalition gestärkt. Juso-Landesvorsitzender Oleg Shevchenko fordert, ebenso wie Heike Taubert, eine Konzentration auf die inhaltliche Diskussion. Die letzten Tage zeigen laut Shevchenko, dass eine Erneuerung der SPD in einer Großen Koalition schlichtweg unmöglich ist. Auf Twitter schrieb der Jungpolitiker, die Bundes-SPD betreibe "Kommunikationsfasching".

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 18:00 Uhr

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11 Kommentare

11.02.2018 15:50 Friedrich 11

Diese Juso-Geschwätz geht mir auf die Nerven! Wenn jetzt die Abstimmung über den Koalitionsvertrag in die Hose geht, dann ist die SPD pulverisiert! Dann könnt Ihr Euer komplettes Führungspersonal in die Wüste schicken, und ohne Kandidaten in die Neuwahl gehen. Wenn im Ergebnis dann noch über 10 Prozent herauskommen, dann ist das ein echter Erfolg für Kevin und Oleg!

11.02.2018 02:30 Kanzler 10

Und Gabriel hatte das Recht Schulz zu kritisieren! Im Gegensatz zum früheren EU-Ratspräsidenten ist Gabriel inzwischen der beliebteste Politiker Deutschlands, weil er als Außenminister dem Land gut tut. Frau Taubert, respektieren Sie bitte des Volkes Meinung und konzentrieren sich lieber darauf, dass die SPD im Lande nicht bald unter 10 Prozent fällt.

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