Für Tötungsdelikte Thüringer Polizei soll landesweite Mordkommission bekommen

14 Morde, 29 Totschlagsdelikte, 27 fahrlässige Tötungen - das ist die Bilanz der Thüringer Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2018. Dazu kommen offiziell 40 ungeklärte Tötungsdelikte. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN sind es tatsächlich mehr als doppelt so viele. Zehn davon sind Kindstötungen. Eine Mordkommission gab es in Thüringen bisher nicht. Auch eine Sonderkommission (Soko) für "cold cases" - also Altfälle - existierte bisher nur in Jena. Anfang 2019 zog die erfolgreich arbeitende Soko nach Weimar um. Sie soll die ihr übertragenen Fälle noch bearbeiten und wird dann aufgelöst. Ihr Know-how soll aber genutzt werden, sagt Innenminister Georg Maier von SPD.

Bis März ist Kommission formiert

Bereits im September 2019 hatte sich Minister Maier bei MDR THÜRINGEN für eine dauerhaft eingerichtete Mordkommission innerhalb des Landeskriminalamtes ausgesprochen. Auch der Bund der Kriminalbeamten in Thüringen forderte schon lange eine Mordkommission für den Freistaat. Jetzt sind die Weichen laut Maier dafür gestellt. Geprüft werden müsse allerdings noch, ob dafür Gesetze geändert werden müssten oder ob Verordnungen ausreichten.

Spätestens Ende März soll die thüringenweite Mordkommission im Landeskriminalamt eingerichtet sein. Sie wird aus acht Kriminalbeamten bestehen. Aus jeder der sieben Kriminalpolizeiinspektionen (KPI) Thüringens kommt ein Beamter. Wer Chef der landesweiten Mordkommission wird, stehe noch nicht fest, so Maier. Die Stellen der Beamten aus den KPIs sollen schnellst möglich neu besetzt werden, um den ohnehin bestehenden Personalmangel nicht noch zu verschärfen.

Ermittlungsarbeit vernetzen

Eine Patronenhülse und ein Aufsteller mit einer Drei werden auf einem Fußboden mit Kreise eingekreist
Spurensicherung an einem Tatort: Dafür sollen auch künftig die regionalen Kriminalpolizeiinspektionen zuständig sein. Bildrechte: Colourbox.de

Bisher waren ausschließlich die jeweiligen Kriminalpolizeiinspektionen für Ermittlungen zu Tötungsdelikten zuständig. Dabei haben sie Neu- und Altfälle bearbeitet. Mord verjährt nicht. Auch wenn ein Fall erst nach Jahren oder Jahrzehnten aufgeklärt wird, der Täter muss sich verantworten. Doch "cold cases" konnten immer nur nebenbei, wie es die Zeit erlaubte, aufgegriffen werden. Kontinuierliches Arbeiten an Altfällen war kaum oder nicht möglich. Das soll sich laut Maier mit der Mordkommission ändern.

Es handelt sich um eine "kleine feine" Einheit, bei der alle Fäden in Thüringen zusammenlaufen sollen, sagte Maier dem MDR. Sie wird Neu- und Altfälle zusammen betrachten, um mögliche Muster zu erkennen. Altfälle sollen nach und nach aufgearbeitet werden. Dabei sollen vor allem auch Lehren aus der Arbeit der gleichnamigen Soko gezogen werden. Puzzleteile von Tötungsdelikten könnten durch die Mordkommission schneller gefunden und zusammengesetzt werden, damit der Täter gefasst werden kann. Denn das ist die andere Seite von dutzenden ungeklärten Tötungsdelikten: Die Täter sind auf freiem Fuß.

Spurensicherung bleibt vorrangig in den KPI

Die Kriminalpolizeiinspektionen sollen in ihren Aufgaben nicht beschnitten werden. Im "ersten Angriff" - wie es heißt - sind die Kollegen vor Ort zuständig. Sie übernehmen mit ihren regionalen Kenntnissen die ersten Ermittlungen und die Spurensicherung. Die Mordkommission soll unterstützend arbeiten und wird immer hinzugezogen. Die Verantwortung für einen Fall soll die Mordkommission aber nur übernehmen, wenn der Fall komplexer ist, sagte Maier.

Im Zuge der neuen Mordkommission will der Innenminister auch die Polizei-Ausbildung in Thüringen verändern. Ziel sei es, eine sogenannte Y-Ausbildung einzuführen. Nach einer polizeilichen Grundausbildung sollen die Polizeianwärter bereits die Option bekommen, einen besonderen kriminalistischen Ausbildungsweg einzuschlagen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 27. Dezember 2019 | 08:40 Uhr

8 Kommentare

Thueringer Original vor 47 Wochen

Eine Gebietsreform als solche ist nicht verfassungswidrig. Das Gesetz wurde aber in verfassungswidriger Form beschlossen, da den Abgeordneten ein Anhörungsprotokoll nicht vorlag. Eine Behauptung meinerseits, die Gebietsreform sei verfassungswidrig gewesen, hat es nicht gegeben.

martin vor 47 Wochen

@thüringer: Einspruch Euer Ehren! Weshalb RRG die Kreisgebietsreform gestoppt hat, ist öffentlich meines Wissens nie glaubwürdig kommuniziert worden. Das Urteil des Verfassungsgerichts hat ja nicht die Gebietsreform als solche für verfassungswidrig erklärt - oder trügt mich meine Erinnerung?

@MDR: Zugegeben, dies ist nicht Thema dieses Beitrags. Aber wenn die Behauptung veröffentlicht wird, dass sie für verfassungswidrig erklärt worden sei und dies meiner Erinnerung widerspricht, würde ich gern nachfragen dürfen.

Thueringer Original vor 47 Wochen

Mir geht es nicht um die aktuelle Legislaturperiode, denn diese hat noch gar keinen neuen Innenministerium, der durch einen vom aktuellen Landtag gewählten Ministerpräsident eingesetzten wurde. Unter Holger Poppenhäger und Georg Maier gab es ja fünf Jahre Zeit eine landeseinheitliche Mordkommission aufzustellen. Die Gebietsreform, welche hier nicht Thema ist, aber von mir beiläufig vorgekramt wurde, hat R2G nicht wegen des Widerstands der Bürger aufgegeben, sondern aufgrund des Urteils des Verfassungsgerichtshofs.

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