Polizei steht vor der Synagoge in Erfurt
Die Synagoge in Erfurt wird ebenfalls bewacht. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Anschlag in Halle Auch in Thüringen mehr Polizeischutz für jüdische Einrichtungen

Nach den tödlichen Schüssen an der Synagoge in Halle werden auch in Thüringen jüdische Einrichtungen intensiver bewacht. Die Abgeordneten des Thüringer Landtages haben mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags in Halle gedacht.

Polizei steht vor der Synagoge in Erfurt
Die Synagoge in Erfurt wird ebenfalls bewacht. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Neben der Synagoge besteht in Erfurt unter anderem für das Museum "Alte Synagoge" Polizeischutz. In Weimar ist die Polizei auch an der KZ Gedenkstätte Buchenwald stärker präsent. Die Einrichtungen würden häufiger von Beamten kontrolliert oder Streifenwagen davor positioniert, teilte die Landespolizeidirektion in Erfurt mit.

Welche Einrichtungen konkret stärker gesichert würden, werde von den jeweiligen Polizeiinspektionen entschieden. Innenminister Georg Maier sagte am Donnerstag, es gehe auch darum, möglichen Trittbrettfahrern keine Chance zu geben.

Jüdische Landesgemeinde prüft Sicherheitskonzepte

Auch Thüringens Jüdische Landesgemeinde prüft derzeit ihre Sicherheitskonzepte. Am Donnerstag gab es dazu erste Treffen, unter anderem mit dem Landeskriminalamt. Nach Angaben des Vorsitzende der Landesgemeinde, Reinhard Schramm wurden seit dem Anschlag auf die Erfurter Synagoge im April 2000 die Sicherheit um das Gotteshaus schrittweise ausgebaut. Es gebe Ängste in der Gemeinde, es werde versucht darauf mit noch mehr Sicherheit zu reagieren. Schramm sagte weiter, die Gemeinde sei daran gewöhnt, dass Friedhöfe geschändet würden. Die Tat in Halle sei eine Zäsur. Es sei eine furchtbare Mordtat.

Es ist scheinbar eine neue Etappe eingeleitet worden im Rahmen des praktizierten Antisemitismus. Hoffentlich ist es nicht der Beginn einer neuen Welle von Mord.

Reinhard Schramm

Thüringer Landtag gedenkt der Opfer

Am Vormittag hatten die Abgeordneten des Thüringer Landtages mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags in Halle/Saale gedacht. Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) verurteilte die Tat als "abscheulich".

Unsere Gedanken sind bei den Todesopfern und ihren Angehörigen.

Birgit Diezel

Es sei zutiefst schockierend, dass jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger das Ziel eines solchen Anschlags waren. "Wir stehen uneingeschränkt an der Seite der jüdischen Mitbürger", sagte die CDU-Politikerin. Sie hoffe auf zügige und gründliche Aufklärung des Geschehens in Halle durch die Bundesanwaltschaft.

Am Mittwoch hatte ein bewaffneter Mann in Halle versucht, in die dortige Synagoge einzudringen, in der sich zu diesem Zeitpunkt Dutzende Menschen aufgehalten hatten. Nachdem ihm das nicht gelungen war, hatte der Mann offenbar wahllos auf Passanten geschossen und dabei eine Frau getötet. Anschließend erschoss er einen Mann in einem Döner-Imbiss. Er wurde später von der Polizei festgenommen.

Der 27-Jährige hatte seine Taten gefilmt und auf einer Internetplattform veröffentlicht. In dem Video äußert er unmissverständlich antisemitische und rechtsextremistische Motive. Generalbundesanwalt Peter Frank bezeichnete die Tat am Donnerstag als Terror. Der Täter habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge ein Massaker anzurichten.

Die jüdische Landesgemeinde Thüringen Sie hat ihren Sitz in der Neuen Synagoge in Erfurt und gehört mit 850 Mitgliedern zu den kleineren jüdischen Gemeinden in Deutschland. Neben dem Hauptsitz in Erfurt existieren Außenstellen in Jena und Nordhausen. Nach einer Übersicht der "Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum" gibt es in Thüringen derzeit 47 Synagogen beziehungsweise jüdische Beträume.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Oktober 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 20:53 Uhr

4 Kommentare

Der Erfurter Bub vor 1 Wochen

Natürlich hat die AfD und deren Spitzen dieses schreckliche Attentat verurteilt. Was anderes hatte ich auch nicht erwartet. Auch war es nie Ihr Ziel das Menschen andere Menschen töten. Jedoch in Hinblick auf Höcke, er und Gauland sind es doch die mit Ihrer völkischen Reden andere "dumme oder naive" Mitmenschen geradezu unbewusst ermutigen auf alles Fremde feindlich zu reagieren. Der Ton macht die Musik!

ralf meier vor 1 Wochen

Warum dürfen Personen wie Sie mit solch maßlosen Vergleichen weiter hetzen und damit die Verbrechen der Nazis relativieren ? Mir scheint , die Demokraten haben nichts aus Weimar gelernt. Links und Rechtsextremisten schaukeln sich gegenseitig mit ihren Hassparolen auf und einige Politiker schaukeln derzeit fleißig mit, weil sie glauben damit ihre eigene politische Agenda fördern zu können. Es wäre klüger, in solch einer Lage gemeinsam und ohne gegenseitige Schuldzuweisungen diesen terroristischen Anschlag so klar zu verurteilen, wie es Herr Höcke und Herr Meuthen getan haben.

YAZID vor 1 Wochen

warum darf Faschist Höcke weiter im thüriger Parlament völkisch Volk spalten und verbal hetzen? warum wird seine Indemnität und Immunität nicht aufgehoben?

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