Direktkandidaten im Porträt Bodo Ramelow (Die Linke) | Wahlkreis 26 (Erfurt III)

Zur Landtagswahl 2019 in Thüringen haben wir den Direktkandidatinnen und -kandidaten Fragen zur Person sowie zu politischen Themen gestellt. Lesen Sie hier die Antworten von Bodo Ramelow.

Zur Person

Bodo Ramelow
Bildrechte: MDR/Bodo Ramelow

Mein Name ist Bodo Ramelow. Ich wurde am 16. Februar 1956 im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck geboren. In Gießen erlernte ich den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. Später wurde ich Filialleiter bei der Jöckel Vertriebs GmbH Marburg. Von 1981 bis 1990 war ich Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen. Um beim Aufbau der neuen Gewerkschaftsstrukturen in den neuen Bundesländern zu helfen, ging ich 1990 nach Thüringen. Dort war ich bis 1999 Landesvorsitzender der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV).
Ich bin verheiratet, Protestant,habe zwei erwachsene Söhne, eine (Zieh-)Tochter und einen Jack Russell Terrier, Attila.

Politischer Werdegang

1999 wurde ich Mitglied der PDS und im Juni desselben Jahres für diese in den Thüringer Landtag gewählt. Nachdem ich von 1999 bis 2001 stellvertretender Fraktionsvorsitzender war, wurde ich im November 2001 Vorsitzender der Landtagsfraktion.
Am 7. Februar 2004 wählte mich meine Partei zum Spitzenkandidaten der PDS für die anstehende Landtagswahl in Thüringen und zum Kandidaten für das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten. Ich gewann das Direktmandat im Wahlkreis Erfurt I. Nach der Wahl wurde ich wieder zum Vorsitzenden der PDS-Fraktion im Thüringer Landtag gewählt.
Am 13. Dezember 2004 wurde ich zum Wahlkampfleiter der PDS für die Bundestagswahl 2005 bestimmt und führte ab Juni 2005 die Verhandlungen der Linkspartei zur Parteineubildung mit der WASG.
Mein Landtagsmandat legte ich im September 2005 nieder, denn ich errang am 18. September 2005 ein Mandat für den 16. Deutschen Bundestag auf der Landesliste der Thüringer Linken. Im Bundestag wurde ich am 30. September 2005 in der der Fraktion DIE LINKE zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt, der ich bis zu meinem Ausscheiden, am 28.09.2009 angehörte.
Am 2. Dezember 2007 nominierte mich der Landesparteitag der Thüringer Linken einstimmig als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2009. Von 2009 bis 2014 war ich erneut Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag.
Am 5. Dezember 2014 wählte mich der Thüringer Landtag zum Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen.

Privates

Was ist Ihre größte Stärke?

Ich bin hartnäckig und bleibe dran, wenn ich mich einer Sache annehme.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Manchmal bin ich einfach zu ungeduldig.

Wo erholen Sie sich in Thüringen am liebsten?

Ganz klar: Mit meiner lieben Frau und unserem Hund Attila in unserem Holzhäuschen am Thüringer Meer.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Am liebsten würde ich meine Frau mitnehmen. Da sich die Frage aber auf Gegenstände bezieht: , Einen Feuerstahl, ein Survival Kit und einen Ballen Leinenstoff.

Politisches

Warum haben Sie sich als Direktkandidat zur Wahl gestellt?

Ich lebe seit fast 30 Jahren in Erfurt, hier wirke ich politisch und fühle mich der Landeshauptstadt in besonderer Weise verbunden. Erfurt ist eine wachsende Stadt mit vielen Herausforderungen. Die Stadt ist in die Mitte Deutschlands gerückt und mit Highlights wie der BUGA 2021 werden viele Menschen in diese wunderschöne Stadt strömen. Ich wünsche mir, dass wir die Stadt noch lebenswerter machen. Daran will ich mitwirken.

Wenn Sie gewählt werden, was ist Ihr wichtigstes Ziel für die kommende Legislaturperiode?

In Erfurt liegt mir sehr daran, den Petersberg weiterzuentwickeln, also zu einem immer attraktiveren Ort zu machen. Meine Vision ist das neue Landesmuseum auf dem Petersberg. Aber auch die Schulsanierung, den Neubau von Kindergärten und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums sehe ich als meinen Arbeitsauftrag für Erfurt.

Was wollen Sie für Thüringen erreichen…

Ich will, dass Thüringen die erfolgreiche Arbeit von Rot-Rot-Grün fortsetzen kann, also den Einsatz für gleiche Chancen für alle Menschen, die hier leben und arbeiten. Ich möchte dabei auch  die Menschen einbeziehen, die nicht so leistungsfähig sind und die wir trotzdem brauchen. Ich stehe für ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Thüringen, ohne Hass und Hetze aber mit vielen Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, sich einzubringen.

... im Bereich Bildung:

Unser Ziel bleibt, dass Bildung vom Kindergarten bis zur Universität gebührenfrei wird und bleibt. Die Bildungsqualität muss weiter auf hohem Standard gehalten werden. Darum werden wir uns weiter dafür einsetzen, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer und auch Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer zu gewinnen und in Thüringen zu halten. Wir müssen unsere Bildungslandschaft so entwickeln, dass wir auch im ländlichen Raum gute Bildung anbieten können, - etwa durch Campusschulen, wo Kindergarten, Hort und Schule gemeinsam verortet sind, die aber auch„Filialen“ in kleinen Orten haben können. Wir werden weiter in die Sanierung und den Ausbau von Schulen, Kindereinrichtungen, Unis und Fachhochschulen investieren.

... im Bereich Forschung und Entwicklung:

Thüringen ist im Bereich Forschung und Entwicklung gut aufgestellt. Hier wollen wir uns weiter spezialisieren und unsere wirtschaftlichen Stärken in der Forschung untersetzen. Das gilt schon lange für die Optik, Faser, Keramik, Recycling und sollte in Zukunft auch für Themen wie Medizin, Batterie, Mobilität der Zukunft, Baustoffe der Zukunft etc. gelten.

... im Bereich Wirtschaft und Verkehr:

Die Thüringer Wirtschaft entwickelt sich gut. Die Aufgabe der Regierung ist es, die notwendigen Rahmenbedingungen zu garantieren. Das tun wir im Bereich der Bildung aber wir werben auch im Ausland für unser Land. Eine große Herausforderung der Zukunft wird die Gewinnung von Fachkräften sein, die wir brauchen, denn über 345.000 Menschen gehen in den nächsten Jahren in Rente. Verschweigen will ich nicht, dass ich mir auch wünsche, dass die Tarifbindung in Thüringen wieder steigt und sich die überdurchschnittlichen Lohnsteigerungsraten auch in den nächsten Jahren fortsetzen.
Verkehrspolitisch setze ich mich für einen gemeinsamen Verkehrsverbund für Thüringen ein, der allen Bürgerinnen und Bürgern in Stadt und Land eine gute Mobilität garantiert. Mir ist bewusst, dass es hier dicke Bretter zu bohren gilt. Auf jeden  Fall hoffe ich aber auf eine digitale Vernetzung der verschiedenen Angebote, sodass mit einer App alle Mobilitätsangebote in Thüringen abruf- und buchbar sind. Gerade im ländlichen Raum müssen wir in Zukunft Mobilität neu denken. Sinnvolle Angebote, wie Rufbusse, Anruf-Sammel-Taxis und Bürgerbusse, sollen dafür sorgen, dass unsere Dörfer und die Menschen dort nicht abgehängt werden.

... im Bereich Innere Sicherheit:

Aus meiner Sicht geht es darum, die Polizei von einem Übermaß an Bürokratie zu entlasten und damit über mehr Beamtinnen und Beamte vor Ort  zu verfügen. Dazu brauchen wir keine schärferen Gesetze aber mehr Digitalisierung. Wir werden weiter verstärkt Polizistinnen und Polizisten ausbilden und wir müssen dafür sorgen, dass der Beruf attraktiver wird. Dazu gehörteine bessere Aufgabenverteilung zwischen Polizei und Verwaltung. Mehr Polizei auf der Straße, heißt lästige Bürokratie an anderer Stelle zu erledigen.

... im Bereich Umwelt/ Klimaschutz:

Meine Hauptsorge gilt im Moment dem Zustand unseres Waldes. Im Aktionsplan „Wald 2030" hat die Landesregierung Maßnahmen in Angriff genommen, die z.T. sofort wirken aber viel weiter nach vorn gehen. Wir müssen unsere Wälder klimafester gestalten, dafür brauchen wir Zeit. Im Moment geht es vor allem darum, Schadholz schnell aus den Wäldern zu holen, um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern.
Darüber hinaus geht es darum, den Rohstoff Holz in einen echten Werk- und Wertstoff zu verwandeln, aus dem etwa Schulen und Kindergärten entstehen. Weiterhin will ich dem Wasserstoff als Antrieb zum Durchbruch verhelfen und mit Wasserstoffzügen u.a. im Schwarzatal und Höllental beweisen, wie Umweltschutz und Mobilität zusammen gehen.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: In fünf Jahren sollte es in Thüringen...

wieder viele Schritte vorangegangen sein auf dem Weg zu einem sozial gerechten Land, in dem die Menschen sich wohlfühlen und gern leben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 27. Oktober 2019 | 18:00 Uhr