Direktkandidaten im Porträt Dirk Adams (Grüne) | Wahlkreis 26 (Erfurt III)

Zur Landtagswahl 2019 in Thüringen haben wir den Direktkandidatinnen und -kandidaten Fragen zur Person sowie zu politischen Themen gestellt. Lesen Sie hier die Antworten von Dirk Adams.

Zur Person

Dirk Adams
Bildrechte: MDR/Dirk Adams

  • Alter: 51
  • Schulausbildung: POS in Eberswalde, danach eine Lehre zum Ofensetzer und eine Lehre zum Installateur für Gas und Wasser, im Anschluss ein Studium in Erfurt mit Abschluss als Dipl.-Ing. für Versorgungstechnik FH und ein weiteres Studium an der Universität Erfurt mit dem Abschluss als Staatswissenschaftler B.A.
  • Beruf: Ingenieur und Staatswissenschaftler
  • Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
  • Wohnort: Erfurt

Politischer Werdegang

  • 1989: Gründung des ersten unabhängigen Studierendenrates an der Ingenieurschule für Bauwesen Erfurt
  • 1989: Beteiligung an der Besetzung der Staatssicherheit in der Andreasstraße, Erfurt
  • 1990: Beteiligung am Hungerstreik zur Erzwingung der Sicherung der Stasi-Akten in der Andreasstraße, Erfurt
  • 1995 bis 2000: Kreisvorstandsmitglied des BUND Erfurt
  • 1997: aktive Gestaltung des Bürgerbegehrens "Für ein Abfallkonzept ohne Müllverbrennung"
  • 1999 bis 2012: Mitglied im Kreisvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Erfurt (mit Unterbrechung 11/2004 bis 09/2006)
  • 2004 bis 2009 und seit 2019: Stadtrat in Erfurt
  • 2006 bis 2012: Kreisvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Erfurt
  • seit 2008: Landesvorstandsmitglied des BUND Thüringen
  • seit 2009: Mitglied des Thüringer Landtags
  • seit 2014: Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Innen- und Kommunalpolitik

Privates

Was ist Ihre größte Stärke?

Die Geduld zuzuhören und die Kraft anzupacken.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Zu viel Tatendrang angesichts der dringenden Aufgaben, die wir politisch lösen müssen.

Wo erholen Sie sich in Thüringen am liebsten?

Am besten erhole ich mich in der Natur, zum Beispiel beim Wandern oder Langlaufen. Besonders haben es mir hier einige Wanderrouten rund um den Schneekopf angetan.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Eine Bratpfanne, ein gutes Multitoolmesser, aber zuallererst natürlich meine Familie!

Politisches

Warum haben Sie sich als Direktkandidat zur Wahl gestellt?

Ich lebe gern in Erfurt, es ist einfach eine wunderschöne Stadt! Als direkt gewählter Abgeordneter will ich mich daher für die Belange der Stadt Erfurt stark machen - seien es guter Radverkehr, bessere Zugverbindungen von und nach Erfurt, die Förderung der Kreativwirtschaft und des Sports in der Stadt oder die Schaffung von gutem und bezahlbarem Wohnraum.

Wenn Sie gewählt werden, was ist Ihr wichtigstes Ziel für die kommende Legislaturperiode?

Die Herausforderungen sind zu vielfältig, um sie mit einem Schlagwort zu benennen. Es wird unserer komplexen Welt nicht gerecht, von einem Ziel zu reden, mit dem alle Probleme zu lösen sein werden. Für mich geht es immer um Demokratie und Klimaschutz. Das bedeutet, zuallererst die Gesellschaft stark zu machen gegen Höcke und seine Flügel-Truppe und unseren Wald zu retten! Die Bürgerinnen und Bürger sollen stärker an den Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden, und das Land möchte ich für eine gute, ökologische Landewirtschaft, die unser grünes Herz auch für zukünftige Generationen erhält, sichern.

 Was wollen Sie für Thüringen erreichen…

... im Bereich Bildung

Die Verbesserung der Qualitätsstandards in allen Einrichtungen, von der frühkindlichen Bildung über die Schule bis zur Berufsausbildung, zur Universität und nicht zuletzt auch der Erwachsenenbildung. Dazu möchte ich die Personalsituation in den Bildungseinrichtungen verbessern und mich für ein demokratisches, inklusives und vielfältiges Schulwesen sowie für gute Voraussetzungen für alle Menschen für das lebenslange Lernen einsetzen.

... im Bereich Forschung und Entwicklung

Damit unsere Hochschulen und dualen Ausbildungsstätten beste Voraussetzungen für freie Forschung, Entwicklung und Lehre haben, benötigen sie eine verlässliche Finanzierung. Das Land steht hier in der Verantwortung, damit die Hochschulen nicht abhängig werden von Drittmitteln oder Stiftungsprofessuren und darüber Firmeninteressen das Forschungsprogramm bestimmen.
Im Inneren sehe ich die Hochschulautonomie, die Selbstverwaltung und die demokratische Verfasstheit der Hochschulen als Garanten für wissenschaftliche Freiheit und die Erprobung von Forschungsideen. Sie gilt es zu stärken.

... im Bereich Wirtschaft und Verkehr

In Zeiten des Klimawandels sollte unser Handeln danach ausgerichtet sein, die Erde bestmöglich für die uns nachfolgenden Generationen zu bewahren. Nachhaltigkeit sehe ich als zentrales Entscheidungskriterium für mein politisches Handeln.
Im Bereich der Wirtschaft gelingt die ökologische Modernisierung durch gezielte Förderung von Projekten und Firmen, die das Klima schützen und Ressourcen schonen. Insgesamt müssen wir die Recyclingquote für wichtige Rohstoffe schrittweise erhöhen, ein Recht auf Reparatur einführen und regionale Wirtschaftskreisläufe schaffen. Voraussetzung dafür ist, dass das Land das Handwerk und die Vielzahl der mittelständischen Unternehmen in Thüringen bei der Nachwuchs- und Fachkräftesicherung unterstützt.
Im Bereich Verkehr werde ich zusammen mit meiner Fraktion ein Jahres-Ticket für alle Nahverkehrsstrecken in Thüringen für 2 Euro am Tag einführen. Schülerinnen, Schüler und Auszubildende zahlen dann 1 Euro am Tag. Damit das Thüringen-Ticket auch genutzt werden kann, setze ich mich für einen massiven Ausbau der Kapazitäten im Nahverkehr ein. Und die Zubringer- und Anschlussfahrten werden mit einem ThüringenTakt aufeinander abgestimmt, so dass niemand mehr dem abfahrenden Bus hinterherschauen muss. Dazu gehören der Ausbau des Landesbusnetzes genauso wie die Einführung einer Regio-S-Bahn mit Linien zwischen Eisenach, Erfurt, Großheringen, Jena und Saalfeld sowie zwischen Ilmenau/Saalfeld, Erfurt, Jena, Gera und Altenburg. Voraussetzung für das Gelingen ist, dass sich die Thüringer Verkehrsverbünde zu einem landesweiten Verkehrsverbund zusammenschließen.
Im Bereich des Autoverkehrs setze ich mich für den weiteren Umstieg auf emissionsfreie Elektromobilität ein. Die Gewinnung von Rohstoffen, die Lebensdauer und die anschließende Verwertung von Komponenten müssen dabei möglichst nachhaltig sein. Dafür müssen wir auch in Thüringen die Forschung intensivieren.
Das günstigste und zugleich sauberste Verkehrsmittel ist und bleibt das Fahrrad. Insbesondere in den Städten ist es notwendig, den Fahrrädern ausreichend Platz zu geben und die Sicherheit der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer zu verbessern.

... im Bereich Innere Sicherheit

Unsere Demokratie dürfen wir nicht ihren Feinden überlassen. Der Wut auf unsere vielfältige Gesellschaft setze ich den Mut entgegen, das zu verteidigen, was wir uns in den 30 Jahren seit der friedlichen Revolution aufgebaut haben. Eine friedliche, plurale Gesellschaft ist für mich das Fundament für ein sicheres Zusammenleben aller Menschen in Thüringen.
Damit dies gelingt, sind die Bürgerinnen und Bürger deutlich stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Jugendliche können für sich selbst sprechen und sollen ab 14 Jahren wählen dürfen.
Zu einer starken, sicheren Gesellschaft gehört auch eine Polizei, die nahe an den Bürgerinnen und Bürgern ist. Ich setze mich dafür ein, dass wir nicht nur mehr Polizistinnen und Polizisten bekommen, sondern auch mehr Frauen, queere Personen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund für den Polizeidienst gewonnen werden. Sie alle müssen weiterhin gut aus- und weitergebildet und besser bezahlt werden. Die technische Ausstattung der Polizei muss deutlich verbessert werden. Dabei geht es um die Ausrüstung mit modernen Kommunikationsmitteln ebenso wie um die Einführung einer Online-Wache. Ich werde mich für eine Novellierung des Polizeiaufgabengesetzes einsetzen, mit dem Ziel, ein liberales und bürger*innenrechtsfreundliches Gesetz zu schaffen. Prävention gebe ich in der Kriminalitätsbekämpfung grundsätzlich den Vorzug.

... im Bereich Umwelt/ Klimaschutz?

Der Klimawandel setzt unserem Wald derzeit massiv zu, das grüne Herz Deutschlands ist in Gefahr. Das Land muss deshalb beispielhaft vorangehen und im öffentlichen Wald die forstwirtschaftliche Nutzung zugunsten der Anpassung an den Klimawandel und den Erhalt der biologischen Vielfalt zurückstellen. Dazu gehört die Förderung von Laubholzmischbeständen ebenso wie längere Wartezeiten für eine natürliche Waldverjüngung.
Weiterhin setze ich mich für eine Landwirtschaft ein, die ohne chemisch-synthetische Dünger auskommt. Ein erster Schritt ist die Erarbeitung eines Sofortprogramms für den Insektenschutz. Ackergifte wie Glyphosat und Neonicotinoide müssen von den Feldern verschwinden. Nitrat und Phosphat können mit entsprechenden Förderprogrammen deutlich reduziert werden. Und vor allem müssen wir das Land gerade für kleinbäuerliche Betriebe erhalten und dafür sorgen, dass Investor*innen nicht länger die Preise für Land in die Höhe treiben. Ich werde mich dafür einsetzen, einen Pakt für artgerechte Tierhaltung zu erarbeiten, um die industrielle Massentierhaltung, die mit so viel Leid für die Tiere verbunden ist, so rasch wie möglich zu beenden.
Die Ziele meiner Partei, den gesamten Energiebedarf Thüringens bis 2037 aus erneuerbaren Energien zu decken, Energie effizient zu nutzen und einzusparen, unterstütze ich auch im Parlament. Alle zukünftigen Gesetzesvorhaben werden sich am Klimaschutz messen lassen müssen.
Speziell für meinen Erfurter Wahlkreis setze ich mich ein für die Erhaltung von Stadtbäumen, von Lebensräumen für stadttypische und gefährdete Tier- und Pflanzenarten, für eine insektenfreundliche Stadtbegrünung, die Renaturierung von Brachflächen, für Gewässerrenaturierung sowie die Schaffung „lebendiger“ Gebäude.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: In fünf Jahren sollte es in Thüringen ...

… nach wie vor blühen und grünen. 2024 werden 10% der Anbaufläche in Thüringen ökologisch bewirtschaftet. Zusammen mit dem ThüringenForst haben wir eine Strategie für den naturnahen Waldumbau entwickelt. Die Zivilgesellschaft ist gestärkt, Hass und Hetze können nicht verfangen. Mehr Gemeinden und Landkreise haben sich auf freiwilliger Basis zusammengeschlossen, um ihre Verwaltungen für die Zukunft zu stärken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 27. Oktober 2019 | 18:00 Uhr