Direktkandidaten im Porträt Tim Wagner (FDP) | Wahlkreis 22 (Ilm-Kreis I)

Zur Landtagswahl 2019 in Thüringen haben wir den Direktkandidatinnen und -kandidaten Fragen zur Person sowie zu politischen Themen gestellt. Lesen Sie hier die Antworten von Tim Wagner.

Zur Person

  • Name: Wagner, Tim
  • Alter: 38
  • Schulausbildung: Allgemeine Hochschulreife (Abitur)
  • Beruf: Vermögensberater
  • Familienstand: verheiratet
  • Wohnort: Jena

Politischer Werdegang

seit 2009 in der FDP in verschiedenen Funktionen. aktuell: Landesgeschäftsführer der FDP Thüringen.

Privates

Was ist Ihre größte Stärke?

Ich kann sehr gut organisieren. Wenn ich ein Ziel habe, dann bin ich sehr konsequent in der Durchführung der dafür notwendigen Schritte.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Meine Ungeduld. Leider hat der Tag nur 24 Stunden. Ich bräuchte eigentlich mindestens 36 Stunden pro Tag.

Wo erholen Sie sich in Thüringen am liebsten?

Beim Wandern in unseren Wäldern.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ein Modul zur Stromerzeugung, einen Kühlschrank und eine Lebensration Viba Nougat.

Politisches

Warum haben Sie sich als Direktkandidat zur Wahl gestellt?

Mein Wahlkreis 22 bietet alles, was Thüringen ausmacht. Hightech Standort in Verbindung mit einer unglaublichen Vielfalt der Natur. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, das Land voran zu bringen. Und ich möchte für die FDP vor Ort ansprechbar sein.

Wenn Sie gewählt werden, was ist Ihr wichtigstes Ziel für die kommende Legislaturperiode?

Alle Thüringer Bildungseinrichtungen stehen vor großen Herausforderungen. Ich möchte dazu beitragen, diese zu meistern. Ich möchte, dass sich jedes Kind mit all seinen Talenten und Potenzialen frei (im Rahmen unseres Grundgesetzes) entfalten kann.

Was wollen Sie für Thüringen erreichen…

... im Bereich Bildung:

Wieder steigende Kinderzahlen vor allem in den Mittel- und Oberzentren stehen einem wachsenden Mangel an qualifizierten Fachkräften in der frühkindlichen Bildung gegenüber. Dieser Mangel wird sich in den kommenden Jahren mit dem Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben deutlich verschärfen, wenn die Ausbildung zum und der Beruf des Pädagogen in der frühkindlichen Bildung nicht attraktiver wird. Deshalb setze ich mich für eine duale Ausbildung der Pädagogen ein. Bereits heute ist die Altersstruktur der Beschäftigten in vielen Einrichtungen problematisch.

Hinzu kommt der gewachsene Anspruch der Eltern an Kindertagesstätten. Diese sollen nicht nur „Betreuung“ der Kinder gewährleisten, in Zeiten, in denen die Eltern ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie sollen vor allem Bildungseinrichtungen sein, in denen eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft gelebt wird. Darüber hinaus müssen in den Kindertagesstätten die Anforderungen an eine inklusive Bildung umgesetzt werden. All diese Probleme lösen wir nur, indem wir auf Dauer mehr Pädagogen ausbilden, die tatsächlich in den Kindertagesstätten in Thüringen arbeiten.

Die Schulpolitik in Thüringen hat in den letzten 20 Jahren sowohl die Bedürfnisse der Lehrer – den eigentlichen Bildungsexperten – als auch die Interessen der Schüler aus dem Blick verloren, indem bis in die Gestaltung der Schulbücher hineinregiert und an den Strukturen herumexperimentiert worden ist.

Ich stehe für Diversität, den Leistungsgedanken und Wettbewerb der Ideen. Ich bin überzeugt, dass die „Selbstverantwortliche Schule“ zu besseren Bildungsergebnissen und höherer Bildungsqualität führt und sich somit aus sich selbst heraus in der Schullandschaft dauerhaft durchsetzen wird. Selbstverantwortung bedeutet, dass entlang des Prinzips »Gemeinsames Ziel, vielfältige Wege« ein einheitlicher (Qualitäts-)Rahmen für alle Schulen vorgeben ist. Innerhalb dieses Rahmens haben Schulen aufgrund schul- und standortspezifischer Gegebenheiten die Möglichkeit, Gestaltungsfreiräume in Verbindung mit hoher Eigenverantwortung zu nutzen.

Ich möchte die duale Ausbildung wieder Stärken. Das Handwerk, der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.

Für die Erwachsenenbildung wünsche ich mir, dass Berufsschulzentren und Universitäten neben den Volkshochschulen zu echten Lernorten für ein lebenslanges Lernen weiterentwickelt werden.

... im Bereich Forschung und Entwicklung:

Ich möchte freie und eigenverantwortliche Hochschulen mit unbürokratischen und verantwortungsvollen Entscheidungsprozessen. Diese benötigen zukunftsorientierte Reformen der Hochschul- und Wissenschaftspolitik in den Bereichen Hochschulstruktur, Studium und Lehre sowie einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert von Forschung.

Ich möchte eine enge Kooperation zwischen Hochschule und regionaler Wirtschaft, zum Beispiel bei Stiftungslehrstühlen, Sponsoring und Stipendien.

Für die Forschung möchte ich bürokratische Hürden für den Erwerb von Drittmitteln abbauen. Gesetzlich verordnete Eingriffe in die Autonomie der Hochschulen, zur Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre, wie beispielsweise eine Zivilklausel lehne ich ab.

... im Bereich Wirtschaft und Verkehr:

Für die Wirtschaft möchte ich einen echten Bürokratieabbau auf den Weg bringen. Dabei geht es mir nicht nur darum Gesetze und Verordnungen zu entschlacken, sondern auch Antragsverfahren, wie beispielsweise Anträge auf Förderung einer beruflichen Aufstiegsfortbildung, zu vereinfachen und vorhandene Daten datenschutzkonform zu nutzen, statt Berichts- und Meldepflichten aufzublähen. Zum Bürokratieabbau gehört für mich auch ein klares Vergaberecht, das ohne vergabefremde Kriterien auskommt.

Darüber hinaus möchte ich eine konsequente Einhaltung und Weiterentwicklung des Thüringer Mittelstandsförderungsgesetzes zum Wohle der kleinen und mittleren Unternehmen im Freistaat. Die Gesetzgebung muss auch auf Landesebene verständlicher werden und eine realistische Folgenabschätzung für kleine und mittlere Unternehmen beinhalten. Ebenso möchte ich die Melde- und Berichtspflichten etwa in den Bereichen Fördermittel, Datenschutz, Sozialversicherung und Statistik vereinfachen. Zusatzbelastungen durch neue gesetzliche Regelungen lehne ich ab.

Wenn wir Thüringen an all seinen Orten, in all seiner Vielfalt bewohnbar halten wollen, muss die Infrastruktur angepasst werden: Von Breitband über Abwasser und Schiene, bis zur Straße und dem Radweg. Alles muss in den Blick genommen werden und als Grundbedürfnis für echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verstanden werden.

... im Bereich Innere Sicherheit:

Ich möchte der Polizei den Rücken stärken. Eine wichtige Errungenschaft des Rechtsstaats ist, dass die Menschen im Lande heute ihre Polizistinnen und Polizisten zuerst als Partner wahrnehmen. Polizisten verteidigen unsere Freiheit und unsere Sicherheit. Dieses Engagement bedarf aber auch des Schutzes und der Motivation durch die Gesellschaft. Ich verurteile die Verharmlosung polizeifeindlicher Graffitis. Polizisten haben neben der gesellschaftlichen Anerkennung auch eine faire und angemessene Besoldung verdient. Deshalb setze ich mich für die Regelbeförderung ein. Auch die Zulagen für den Dienst zu ungünstigen Zeiten müssen attraktiver werden und tatsächlich bei den Polizisten ankommen, die den Dienst tätigen. Ich möchte eine bessere personelle und technische Ausstattung und eine Entlastung der Polizei von Bürokratie.

Zugleich weiß ich um die Erfahrungen zweier Diktaturen auf deutschem Boden. Deshalb sind mir Bürger- und Grundrechte sehr wichtig. Ich bin kritisch gegenüber symbolpolitischen Forderungen, die einen Abbau der Bürgerrechte zur Folge hätten.

... im Bereich Umwelt/ Klimaschutz:

Ich vertraue den Potentialen unserer Ingenieure. Um komplexe Probleme zu lösen, muss das Potenzial existierender Umwelttechnologien umfassend genutzt werden. Ich möchte daher, dass die Industrie die besten verfügbaren Techniken und neue Innovationen kontinuierlich weiterentwickelt und einführt.

Ich setze mich für die Aufforstung und den Schutz bestehender Wälder als Klimaschutzmaßnahmen ein. Um die Klimaveränderungen in Grenzen zu halten, müssen wir auch auf die organische CO2-Speicherung durch Wald setzen. Wälder sind das effizienteste und günstigste Mittel, CO2 aus der Luft zu binden. Jeder Hektar zählt, denn durch Stürme, Trockenheit, Witterungsextreme und die ansteigende Borkenkäfergefahr schreitet die Zerstörung der Thüringer Wälder voran. Ich setze dabei insgesamt auf Artenvielfalt und möchten standortgerechte Gehölze wieder stärker berücksichtigen. Z.B. die Douglasie, als wärmeverträgliche Baumart, sehe ich als guten und notwendigen Bestandteil des Waldumbaus im Zuge des Klimawandels.

Ich stehe auch für eine lebendige Landwirtschaft und möchte die regionale landwirtschaftliche Produktion erhalten und stärken. Auch hier ist ideologiefreies Denken notwendig und der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und unseren Mitgeschöpfen.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: In fünf Jahren sollte es in Thüringen...

mehr Lehrer geben, als unseren Kindern lieb ist.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 27. Oktober 2019 | 18:00 Uhr