Grüne Woche in Berlin Molkerei aus Thüringen wirbt mit ursprünglicher Produktion

In Berlin läuft die Internationale Grüne Woche. Auch aus Thüringen nutzen viele Landwirte die Verbrauchermesse, um ihre Produkte bekannt zu machen – und das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. Zum Beispiel die Dittersdorfer Milch GmbH aus dem Saale-Orla-Kreis. In der kleinen Molkerei wird Milch, Butter, Quark, Käse und Joghurt hergestellt – nach ursprünglicher Tradition.

von Stefanie Reinhardt

Ronny Kramer schneidet mit der Käseharfe Käse.
Käse und Butter werden mit ursprünglichem Handwerkszeug hergestellt. Mit der Käseharfe schneidet Betriebsleiter Ronny Kramer den Käse. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Jeden Montagmorgen fließt die Milch in die Milchanlage der kleinen Molkerei. Ihr Weg vom Kuhstall sei nicht weit, weiß Betriebsleiterin Susanne Amon. "Die Milch kommt von Kühen rund um den Ort, ", sagte sie. "Wir wissen, wo die Milch herkommt." Nämlich von der Landgenossenschaft Dittersdorf. Alleinstellungsmerkmal sei, wie die Molkerei die Milch mit nur sechs Mitarbeiterin herstellt. "Die Milch wird nur sehr schonend pasteurisiert", sagt Amon. "Sie wird 30 Sekunden lang auf 72 Grad Celsius erhitzt und danach sofort wieder abgekühlt", sagt sie. Vitamine und Eiweißstrukturen werden nicht zerstört. "Die Milch bleibt ein Naturprodukt", sagt sie. Handelsübliche H-Milch könne das nicht bieten, denn sie werde auf mindestens 135 Grad erhitzt.

Und: In der Molkerei in Dittersdorf wird die Milch nicht homogenisiert. "Der Rahm setzt sich oben ab und unsere Milch schmeckt noch nach Milch", sagt Amon. "Wir verwenden keine Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe."

Milch von Kühen aus dem eigenen Betrieb

Käse und Butter werden außerdem in ursprünglicher Handwerkstradition hergestellt. Produktionsleiter Ronny Kramer bürstet den Käse während des Reifens zum Beispiel täglich. "Das Produkt unterliegt dann immer gewissen Schwankungen in Größe, Gewicht und Aussehen", sagt er. "Das ist der handwerklichen Art geschuldet."

Ronny Kramer stellt Käse her.
Ronny Kramer bei der Herstellung von Käse. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Eröffnet hat die Landgenossenschaft Dittersdorf hat die Molkerei 2014. Die Geschäftsidee: Milchprodukte in ursprünglicher Handwerksarbeit herzustellen und bei Einzelhändlerin in der Region zu verkaufen. Mit der Molkerei hat die Genossenschaft ihre Direktvermarktung von eigener Wurst und Fleisch erweitert. 700 Kühe hat die Landgenossenschaft laut Amon. Hauptnahrung der Tiere sei Gras von den Wiesen in der Region. Pro Jahr würden die Kühe fast sieben Millionen Kilogramm Milch geben. Nur ein kleiner Teil davon werde im Jahr in der eigenen Molkerei verarbeitet: nämlich rund 450.000 Kilogramm Milch.

Verbraucher informieren, woher die Milch kommt

Am Ende einer Woche verlassen rund 300 Kilogramm Käse und bis zu tausend Liter Milch die Molkerei. Ein kleiner Teil davon wird immer freitags im eigenen Laden in der Molkerei verkauft. Rund 200 Kunden kommen dann im Schnitt. Für einen Liter Milch zahlen sie einen Euro. Viele bringen eigene Flaschen und Dosen zum Einpacken von Milch, Joghurt und Quark mit. "Ich möchte damit die Region unterstützen", sagt eine Frau. Eine andere meint: "Ich komme regelmäßig her, weil ich hier weiß, woher die Sachen kommen und wie sie hergestellt werden."

Grüne Woche als Chance für Landwirte

Die Nachbildung des Kickelhahnturms bei der Grünen Woche in Berlin.
Thüringen bei der Grünen Woche in Berlin. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Die Grüne Woche sieht Molkereileiterin Susanne Amon als Chance: "Für Landwirte, die Verbraucher zu informieren, was wir machen. Und durch Information, Vertrauen wieder zurückzugewinnen." Das Vertrauen in die Bauern sei aus ihrer Sicht ungerechtfertigt zerstört worden. "Die Menschen, die Landwirtschaft sehr kritisch sehen, sind leider oft die, die auch sehr wenig darüber wissen", sagt sie. "Wir müssen alles tun, um zu informieren und hoffen, dass die Menschen sich auch informieren wollen."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 17. Januar 2020 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 09:50 Uhr

1 Kommentar

martin vor 4 Wochen

Schon bedauerlich, wenn Landwirte meinen, dass das Vertrauen in die real existierende Landwirtschaft durch mehr Informationen zurückgewonnen werden könne und die Kritiker mehrheitlich als uninformiert meinen darstellen zu müssen.

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