Negativpreis Ex-Bauernpräsident Kliem bekommt "Goldene Heuschrecke" verliehen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisiert, dass Klaus Kliem sein Unternehmen Adib an eine Tochtergesellschaft von Aldi verkauft hat. Nach ihrer Meinung ist der Discounter Aldi für das niedrige Einkommen der Landwirte verantwortlich. Die AbL verleiht ihm dafür die "Heuschrecke" des Jahres 2020.

Feierliche Übergabe der "Heuschrecke" 2020 vor dem Firmensitz der Adib in Bad Langensalza. "Ackerland in BäuerInnenhand" steht auf einem Transparent. 15 Landwirte unterstützen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bei der Kundgebung, die als Preisverleihung daherkommt. Fast ebenso viele Medienvertreter sind da.

Verleihung der "Heuschrecke" ohne Preisträger

Aber der Preisträger Klaus Kliem erscheint nicht zur Preisverleihung. Er verkauft sein Unternehmen Adib (Agrar-, Dienstleistungs-, Industrie- und Baugesellschaft) zum Jahresende an die Boscor Land- und Forstwirtschafts GmbH - und die ist im Besitz der Lukas-Stiftung. Zusammen mit anderen Familienstiftungen gehört sie zu Aldi Nord. Dennoch gebe es keinen Einfluss von Aldi auf den Agrarbetrieb, so ein Aldi-Sprecher. Die AbL sieht das anders.

Klaus Kliem
Klaus Kliem war seit der Gründung 1990 Präsident des Thüringer Bauernverbandes bis zum Jahr 2012. Bildrechte: IMAGO

Verkauf ausgerechnet an Aldi

AbL-Geschäftsführer Reiko Wöllert ärgert besonders, dass ausgerechnet ein ehemaliger Bauerverbandspräsident seinen Betrieb mit 6.000 Hektar an einen Discounter verkauft: "Denn allen voran Aldi wurde von den Vertretern des Bauernverbandes immer wieder dafür verantwortlich gemacht, dass die Preise niedrig sind und dass es den Betrieben deshalb so schlecht geht." Er fordert daher ein Gesetz, das "Land Grabbing" - also der Landraub durch landwirtschaftsfremde Investoren - verhindert. Das Thüringer Landwirtschaftsministerium bereitet ein entsprechendes Gesetz gerade vor.

Demonstration der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
Die AbL bei der Verleihung am Dienstag. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Land Grabbing führt zu hohen Preisen

Auch im "großen" Bauernverband ist der Verkauf der Adib umstritten. Denn viele Unternehmen kaufen Ackerland als Geldanlage, kritisiert Bauerverbandspräsident Klaus Wagner, "und das macht es auch für Landwirtschaftbetriebe schwierig, Ackerland zu kaufen, weil die Preise, die heute aufgerufen werden, kann man mit Ackerbau und Vieh-Haltung nicht mehr erwirtschaften".

Hintergrund Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) vertritt die Interessen von eher kleinen Landwirtschaftsbetrieben. Sie hat 150 Mitglieder, wovon nach eigenen Angaben die Hälfte Landwirte sind. Die AbL kritisiert die Marktmacht der großen Agrarbetriebe und unter anderem die Tatsache, dass Landwirtschafts-Betriebe von Investoren aufgekauft werden, die nicht aus der Branche kommen.

Klaus Kliem war in der DDR Vorsitzender der LPG Tierproduktion Aschara und wurde nach der friedlichen Revolution Geschäftsführer und Hauptgesellschafter der Adib (Agrar-, Dienstleistungs-, Industrie - und Baugesellschaft mbH). Kliem war seit der Gründung 1990 Präsident des Thüringer Bauernverbandes bis zum Jahr 2012 - und war damit dienstältester Landesbauernpräsident. Kliem ist jetzt 71 Jahre alt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

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